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Turmspitze der Rheydter Hauptkirche wird abgenommen

Spektakuläre Aktion in Rheydt : Die Turmspitze wird schweben

Das Stahlgerüst der Turmspitze der evangelischen Hauptkirche in Rheydt ist vom Rost zerfressen, eine Sanierung dringend notwendig. In einer spektakulären Aktion wird der obere Teil des Kirchturms als Ganzes abgehoben. Die Vorbereitungen beginnen am Dienstag.

Nach dem Kreuz muss jetzt die Turmspitze der evangelischen Hauptkirche bis zur sogenannten Laterne, den Öffnungen oberhalb der Turmkuppel, abgenommen werden. Obwohl es sich um ein tonnenschweres Bauelement handelt, muss mit chirurgischer Präzision zu Werke gegangen werden. Um möglichst viele der Originalbauteile zu erhalten, wird die Turmspitze als Ganzes abgenommen und zu Boden gelassen.

Für die Aktion sind zwei Kräne notwendig: ein 460-Tonnen-Kran, der ein Stahlkonstrukt über den 70 Meter hohen Turm hievt, um die Spitze mit viel Feingefühl abnehmen zu können. „Das Gerüst darf dabei nicht auf den Turmwänden aufliegen, es muss während des ganzen Vorgangs schweben“, erklärt Dipl.-Ing. Rudolf Thieme von Danielzik Baumanagement, der die Projektsteuerung übernommen hat. Ein zweiter Kran bringt die Spezialisten, die mit der Abnahme der Turmspitze beschäftigt sind, nach oben. Die Arbeiten in schwindelnder Höhe werden vom 2. bis 5. November durchgeführt.

In dieser Zeit werden Teile des Rheydter Marktplatzes sowie die Hauptstraße aus Sicherheitsgründen gesperrt sein. Auch ein Baum, der die Arbeiten behindert, muss leider gefällt werden. Die Kirchengemeinde Rheydt hat Anwohner und Geschäftsleute in direkter Nähe der Kirche informiert und um Verständnis für die Einschränkungen geworben.

Die Hauptkirche selbst ist in der Woche vom 2. bis 6. November geschlossen. Veranstaltungen wie das Friedensgebet finden in dieser Zeit im Ernst-Christoffel-Haus, dem Gemeindehaus an der Wilhelm-Strauß-Straße, statt.

Die Kosten für die Abnahme der Turmspitze werden vom Land NRW mit rund 282 000 Euro gefördert.

Für die denkmalgerechte Sanierung der Turmspitze muss von der Gemeinde finanziert werden. Der zu diesem Zweck gegründete Bauverein sammelt dafür Spenden. Unter anderem mit einer Benefizveranstaltung zugunsten des Rheydter Wahrzeichens am 7. November um 18.30 Uhr: der Kabarettist Konrad Beikircher kommt mit seinem neuen Programm „Kirche, Pest und andere Seuchen“ in die Hauptkirche.

Die Abnahme der Turmspitze ist die auffälligste, aber nicht die einzige Maßnahme, die zur Sanierung der Hauptkirche notwendig ist. Neben dem Turm muss auch an der Fassade gearbeitet werden. Die roten Bänder, die sich um viele der Fassadenelemente winden, zeigen es deutlich: hier ist ebenfalls Sanierungsbedarf. Die Eisenstifte, mit denen Bögen und Säulen verbunden sind, sind von der Feuchtigkeit, die im Laufe von 120 Jahren eingedrungen ist, angegriffen worden. Und der Rost sprengt nun den Basaltstein von innen.

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Die evangelische Hauptkirche in Rheydt wurde als zentrale Kirche der großen evangelischen Gemeinde der damals selbstständigen Stadt zwischen 1899 und 1902 erbaut. Der Entwurf stammt vom Berliner Architekten Prof. Johannes Otzen. Sie ist heute ein herausragendes Baudenkmal, das die Silhouette der Stadt prägt. Einschließlich des vier Meter hohen Kreuzes auf dem Turm stellte die Kirche bisher das höchste Gebäude der Innenstadt dar. Das soll auch wieder so werden – mit etwas Glück ist es 2023 soweit.