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Verbraucherberatung in MG feierte 50. Jubiläum​

Verbraucherberatung in MG feierte 50. Jubiläum : Rat für eine Million Menschen

Seit einem halben Jahrhundert steht die Verbraucherzentrale den Menschen in Mönchengladbach mit Rat und Tat zur Seite. Das Jubiläum wurde gestern im Theater gefeiert. Extra-Tipp sprach mit der Leiterin Nazime Kirici.

Extra-Tipp: Frau Kirici, wie hat die Verbraucherberatung in Mönchengladbach angefangen?

Nazime Kirici: Am 13. Oktober 1973 wurde die zwölfte Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW in der damals noch selbständigen Stadt Rheydt eröffnet. Gestartet wurde als Ein-Personen-Beratungsstelle in der Hugo-Preuß-Straße 9. Das Land finanzierte den größten Teil. Die Stadt übernahm die Mietkosten der Räume, die der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft Kreisbau AG gehörten. Am 19. Februar 2004 zog die Beratungsstelle in die heutigen Räume an der Bahnhofstraße 21, dessen Vermieter ebenfalls die Kreisbau (heute Wohnbau) ist. Die Ortsarbeitsgemeinschaft, bestehend aus Vertreter*innen der Mitgliedsverbände der Verbraucherzentrale, wurde gegründet und flankiert ehrenamtlich die Multiplikatorenarbeit für die Beratungsstelle. 1979 kam eine weitere Beraterin dazu, da die Nachfrage sehr groß war. Von 1989 bis 1994 wurde das Team durch eine Umweltberatung unterstützt. Seit Anfang der 2000er ergänzt eine Bürokraft das Team. Aktuell sind die Leiterin (eine Stelle) und 1,5 Beraterinnen wichtige Anlaufstelle in Verbraucherfragen.

Bei welchen Themen musste die Verbraucherberatung in den Anfängen, 1973, helfen?

In den ersten zehn Jahren der 70er wurden noch Ernährungsberatung (Ziel: Verhaltensänderung zur Verringerung des Übergewichts) und Kohleberatungen (zum Brennwert, Preis-Leistungsverhältnis der verschiedenen Kohleprodukte) durchgeführt und Reklamationen, zum Beispiel bei Textilien nach fehlgeschlagenen Reinigungen, mit Hilfe einer Schlichtungsstelle gelöst. Aber auch Produktberatung zum Kauf von Waschmaschinen, Kühlschränken und Heimbüglern.

Seit den 1980er Jahren darf die Verbraucherzentrale außergerichtliche Rechtsberatung und -vertretung übernehmen. Beispiele hierfür sind die Neuberechnung von Kreditverträgen, für die vorher sittenwidrig hohe Zinsen verlangt wurden. Aufgrund einer BGH-Rechtsprechung war dies aber unzulässig.

In den 1990er Jahren stieg die Nachfrage rapide im Bereich der Telefonie aufgrund der Liberalisierung der Märkte. Von der 0900er-Nummer bis zum CallbyCall-Tarif wurden Rechnungen erfolgreich reklamiert.

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Die Probleme, mit denen die Menschen heute zu Ihnen kommen, haben hauptsächlich mit Online-Handel und Handyverträgen zu tun. Stimmt das?

Ja. Fakeshops, Identitätsmissbrauch und unseriöse Onlinehändler veranlassen die Ratsuchenden sich hier Hilfe zu holen. Der Telekommunikationsmarkt hat sich ein bisschen beruhigt, da es inzwischen aufgrund der Initiative der Verbraucherverbände zahlreiche Vorschriften gibt, die es unseriösen Händlern zunehmend schwer machen Verbraucher*innen abzuzocken. Aber es gibt immer noch Anbieter, die versuchen Verträge am Telefon unterzuschieben.

2022 und 2023 waren geprägt von Anfragen zum großen Themenfeld Energie. Unzulässige Preiserhöhungen, falsche Abrechnungen führten ebenso zu Nachfragen, wie die Berechnung der Energiepreisbremse. Die Inflation und die steigenden Kosten führen in zahlreichen Familien-Haushalten zur wirtschaftlichen Engpässen. Kommt dann noch eine Trennung oder Arbeitslosigkeit dazu brauchen die Betroffenen Unterstützung etwa zum Recht auf Giro- und Basiskonto, Beratung bei Pfändungen und Zwangsvollstreckungen. Existenziell wird es bei drohenden Energiesperren oder drohendem Wohnungsverlust. Hier übernimmt die Verbraucherzentrale eine Feuerwehrfunktion und verweist auf das lokale Hilfesystem. Ist eine Schuldnerberatung noch nicht notwendig, erfolgt eine wirtschaftliche und rechtliche Beratung,  etwa zur Abwendung von Forderungen von Kreditvermittlern, bei Zahlungsschwierigkeiten.

Aber auch Ratsuchende denen es wirtschaftlich besser geht, bieten wir ein Angebot zur Lösung von Problemen im Bereich Bank- und Kapitalmarktrecht oder bieten Orientierung zu einem optimalen Versicherungsschutz, zu passenden Geld- und Altersvorsorge-Produkten sowie zur Machbarkeit einer Immobilienfinanzierung.

Die Finanzierung beruht hauptsächlich auf Fördermitteln und Spenden. Wie sicher ist die Verbraucherberatung in Mönchengladbach?

Die Finanzierung der Beratungsstelle wird zu 50 Prozent vom Land und zu 50 Prozent von der Stadt übernommen. Beide Finanzierungsvereinbarungen sind bis Ende 2025 gesichert. Mit der letzten Vertragsverlängerung wurde der gestiegene Beratungsbedarf anerkannt Immerhin konnte ein Stellenausbau von zusätzlichen 0,18 Stellen erreicht werden.

Gibt es eine ungefähre Zahl, wieviele Verbraucher*innen sich in den 50 Jahren bei Ihnen helfen lassen haben?

Weit über eine Million Ratsuchende aus Mönchengladbach und Umgebung.