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Interview: Beatrix Wolters, Vorsitzende Heimatverein Viersen

Verein für Heimatpflege Viersen : Heimat ist so vielfältig

Seit dem Frühjahr ist Beatrix Wolters Vorsitzende des Vereins für Heimatpflege Viersen. Redakteurin Claudia Ohmer hat mit der 60-Jährigen über den Verein, neue Ideen und Heimat gesprochen.

Extra-Tipp: Was ist denn das Besondere am Verein für Heimatpflege in Viersen?

Beatrix Wolters: Der Heimatverein ist einer der größten Vereine in dieser Stadt. Das ist beeindruckend. Die Themen sind vielfältig, betreffen u.a. die Geschichte und Kultur unserer Stadt. Besonders sind auch die vielen unterschiedlichen Menschen, die sich unermüdlich ehrenamtlich engagieren. Sie machen den Unterschied aus.

Wie sind Sie zum Heimatverein gekommen?

Morgens beim Frühstück habe ich einen Fotoaufruf des Heimatvereins zum Dorfbuch gelesen. Ich habe dem Redaktionsleiter Frank Brüggen etwas zukommen lassen. Da ich 2016 meine frühere Leitungsfunktion abgegeben und meine Arbeitsstelle reduziert habe, hatte ich Zeit. Das Redaktionsteam Bildrecherche und -dokumentation hat mich begeistert. Die Herren haben mich herzlich aufgenommen und so konnte ich bei der Gestaltung der Publikationen Straßenbilder und Rintgen mitrecherchieren und -schreiben.

Welche Projekte laufen gerade, welche sind in Planung?

Kleine Schaufensterausstellungen auf der Hauptstraße sind in Planung. Ein Buchprojekt von mir ist das „Jüdische Leben in Viersen“ und ein zweites Buch zu den südlichen Stadtteilen, wie Hamm, Helenabrunn, Beberich des Redaktionsteams Bildrecherche und -dokumentation.

Was möchten Sie für die Zukunft anstoßen?

Wir sollten noch etwas digitaler werden. Die Produktion von Podcasts und Videos soll erweitert werden. In Kooperation mit Schulen möchten wir Projektarbeiten anbieten und junge Leute bei der Umsetzung unterstützen. Dabei reicht das Spektrum von geschichtswissenschaftlichen Arbeiten über Mundart bis zu Kunstprojekten. Ich könnte mir auch kleine digitale Projekte vorstellen, denn Heimatgeschichte ist so spannend und vielfältig und in keinster Weise nur was für die ältere Generation.

Vieles hat sich bewährt im Heimatverein, aber wie kann er noch mehr ins Bewusstsein der Bürger rücken?

Der Heimatverein war mir nie so bewusst und ist auch heute noch vielen Leuten nicht bekannt. Das zu ändern, das versuchen wir auch durch unseren Facebookauftritt. Ich bin dort immer wieder über die Resonanz erstaunt, wie viele Menschen sich für Heimatgeschichte interessieren und auch vieles wissen. Ich glaube, wir müssen im Spektrum breiter werden. Bisher hatten Kunst und Kultur einen großen Stellenwert. Auch für andere Themen wollen wir begeistern. Insbesondere auch jüngere Leute. Ein weiteres Thema, das wir angehen werden, ist die Auswirkung des Kolonialismus in Viersen. Ebenso das Thema Natur. Was uns sehr wichtig ist, sind Kooperationen mit anderen Vereinen, z.B. mit dem Verein für Erinnerungskultur 1933-45, mit dem wir zukünftig enger zusammenarbeiten werden. Darüber hinaus sind wir Mitglied in einem Netzwerk von Heimatvereinen.

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Haben Sie sich schon immer für heimatliche Geschichte und Fotos interessiert?

Ich habe mich immer für Geschichte interessiert und natürlich für Heimatgeschichte, das ist ein bisschen familienbedingt. Ich hatte aber durch meine Arbeit, andere Hobbies, nie viel Zeit dazu. Eigentlich wollte ich mal Geschichte studieren, bin aber auf andere Wege an die Krankenpflege geraten.

Was ist „Heimat“ für Sie?

Heimat ist für mich dort, wo ich mich zu Hause fühle, wo Freunde und Verwandte sind. Heimat ist, wo ich in einem meiner Lieblingscafés sitzen kann, auf meine Heimatkirche blicke, in der ich viele Jahre im Chor gesungen und mich in der Jugendarbeit engagiert habe, und ein leckeres Stück Grillage-Torte essen kann.