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Literaturtage Nettetal ab 4. September mit Takis Würger

Nettetaler Literaturtage 2023 : Vom ESC über Odessa nach NYC

Der Sommer in Nettetal endet literarisch! Und damit es einen sanften Übergang in den bevorstehenden Herbst gibt, verlängert der Verein Nettetaler Literaturtage die literarische Sommersaison noch ein paar Tage.

Am 4. September starten die Literaturtage mit einer Lesung des Autors und SPIEGEL-Redakteurs Takis Würger und enden am 2. November mit einem Gespräch des preisgekrönten Schriftstellers Sasa Stanisic mit dem ebenfalls preisgekrönten Schriftsteller aus Nettetal Dincer Gücyeter, mit dessen Literaturfestival „Weltliteratur im Ghetto“ die Literaturtage in diesem Jahr kooperieren.

Takis Würger stellt am Montag, 4. September, um 19.30 Uhr in der Alten Kirche in Lobberich seinen neuen Roman „Unschuld“ vor. Er beschreibt darin den verzweifelten Kampf einer jungen Frau, die im Großraum New York lebt, ihren Vater zu retten. Er sitzt wegen Mordes an einem 16-jährigen Jungen aus einer reichen und einflussreichen Familie in der Todeszelle und soll hingerichtet werden. Die junge Frau weiß, dass ihr Vater unschuldig ist und versucht alles, um die Hinrichtung zu verhindern. Eine spannende Geschichte, aber doch kein Krimi im herkömmlichen Sinn. Emotional und eindringlich zeichnet Takis Würger das Porträt einer Gesellschaft voller Widersprüche, mit denen das heutige Amerika zu kämpfen hat.

Takis Würger verzichtet auf ein Honorar für seine Lesung. Statt dessen kauft der Verein Nettetaler Literaturtage einen Klassensatz seines Romans und schenkt ihn einem Oberstufenkurs der Gesamtschule. Der Eintritt zur Lesung kostet zwölf Euro.

 Takis Würger eröffnet die Literaturtage am 4. September.
Takis Würger eröffnet die Literaturtage am 4. September. Foto: Peter Rigaud?

Mit ihrem Romandebüt „Sommer in Odessa“ nimmt Irina Kilinmik die Zuhörer*innen am Donnerstag, 14. September, in der Alten Kirche Lobberich um 19.30 Uhr mit in das unbeschwerte Odessa des Jahres 2014. Sie erzählt die turbulente Geschichte von Olga, einer jungen Frau, in deren Familie es nur Frauen gibt – abgesehen vom Großvater, der wie ein schlechtgelaunter König über allen thront. Wegen ihres Großvaters muss Olga auch Medizin studieren, was sie eigentlich nicht will. Der Sommer ist heiß und Odessa steht vor einem Wendpunkt. Und auch in Olgas Familie gibt es ein lang gehütetes Geheimnis, das ihr Leben komplett auf den Kopf stellen wird.

Über ihr Romandebüt, das Odessa vor 2014 und ihr Blick aus Deutschland auf die sich mitten im Krieg befindliche Ukraine erzählt Irina Kilimnik an diesem Abend. Der Eintritt kostet zwölf Euro.

Irina Kilimnik liest bei den Nettetaler Literaturtagen aus ihrem Debutroman „Sommer in Odessa“.
Irina Kilimnik liest bei den Nettetaler Literaturtagen aus ihrem Debutroman „Sommer in Odessa“. Foto: Simone Hawlisch
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Seit Jahrzehnten prägt Peter Urban die deutsche Radiolandschaft – als legendär trockener Kommentator des Eurovision Song Contest (ESC). Peter Urban begleitet den europäischen Musikwettbewerb bereits seit 1997 und war beim Contest-Finale im englischen Liverpool im Mai 2023 ein letztes Mal in dieser Funktion zu hören. Neben seinen unverkennbaren Moderationen beim ESC hat Urban aber auch über mehrere Jahrzehnte die Radiolandschaft in Deutschland geprägt. Seit fast 50 Jahren beobachtet er offen und unprätentiös als Popexperte die nationale und internationale Musikszene und hat dabei unzählige Popgrößen getroffen, interviewt und porträtiert – von Keith Richards über Yoko Ono bis hin zu David Bowie, Elton John, Joni Mitchell, Harry Belafonte oder Eric Clapton. Auf dieses von Musik geprägte Leben blickt Urban nun in seinen Memoiren „On Air“ zurück und lässt die Besucher*innen der Literaturtage am Dienstag, 26. September, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Breyell daran teilhaben. Der Eintritt kostet 15 Euro.

Autorin Daniela Dröscher liest aus „Lügen über meine Mutter“.
Autorin Daniela Dröscher liest aus „Lügen über meine Mutter“. Foto: Carolin Saage

Daniela Dröscher erzählt am Dienstag, 17. Oktober, um 19.30 Uhr in der Alten Kirche vom Aufwachsen in einer Familie, in der ein Thema alles beherrscht: das Körpergewicht der Mutter. Ist diese schöne, eigenwillige, unberechenbare Frau zu dick? „Lügen über meine Mutter“ ist zweierlei zugleich: die Erzählung einer Kindheit im Hunsrück der 1980er, die immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Die Mutter ist seinen Launen ausgesetzt und muss Tag für Tag Bemerkungen, Hohn, Aggressivität über sich ergehen lassen. Es ist aber auch eine Befragung des Geschehens aus der heutigen Perspektive. Schonungslos und eindrücklich lässt Daniela Dröscher ihr kindliches Alter Ego die Jahre, in denen sich dieses „Kammerspiel namens Familie“ abspielte, noch einmal durchleben. Ihr gelingt ein ebenso berührender wie kluger Roman über subtile Gewalt, aber auch über Verantwortung und Fürsorge. Vor allem aber ist dies ein tragik-komisches Buch über eine starke Frau, die nicht aufhört, für ihre Selbstbestimmung zu kämpfen. Der Eintritt kostet zwölf Euro.

„Herkunft“, der Roman von Saša Stanišic, ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Es ist auch ein Buch über ein Dorf, in dem nur noch dreizehn Menschen leben, über ein Land, das es heute nicht mehr gibt, über die zersplitterte Familie des Autors. Es ist ein Selbstporträt mit Ahnen.

In seinem preisgekrönten Roman „Unser Deutschlandmärchen“ stellt sich Dincer Gücyeter genau den Fragen, die auch Sasa Stanisic bewegen. In einem unterhaltsamen Gespräch am Donnerstag, 2. November, um 19 Uhr in der Alten Kirche tauschen sich die beiden Autoren über ihre Heimat aus, darüber wie es ist, seine Heimat zu verlieren und wie es ist, in einer neuen Heimat anzukommen. Der Eintritt kostet 15 Euro.