Alle Kinder: Gleiche Chancen

Die Fakten sprechen für sich: Knapp 14 Prozent der Nettetaler Kinder bis 15 Jahren erhalten Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch, in Zahlen ausgedrückt: 750 von 5 400 Jungen und Mädchen sind von Kinderarmut betroffen.

Diesen jungen Menschen langfristig zu helfen, erarbeitet die Stadt derzeit eine Strategie.

 Heiko Brodermann vom Nettetal Jugendamt.
Heiko Brodermann vom Nettetal Jugendamt.

Von heute auf morgen geht dabei nichts: Eine „Generationenaufgabe“ nennt Heiko Brodermann vom Jugendamt den Kampf gegen Kinderarmut. Erster Schritt: „Nettetaler Netzwerke für Kinderchancen“ sollen mit Fördermitteln des Landschaftsverbandes Rheinland Jungen und Mädchen aus armen Familienverhältnissen gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, damit alle Kinder gleiche Chancen haben.

Die Situation in Nettetal entspricht dabei, wie Brodermann erläutert, etwa dem Durchschnitt im Kreis Viersen. Während in kleineren Stadtteilen wie Leuth und Hinsbeck der Anteil betroffener Kinder unter sieben Prozent liegt, fällt Breyell mit dem Multikulti-Wohnquartier Speckerfeld mit fast 20 Prozent aus dem Rahmen.

Konkrete Ergebnisse peilt die Netzwerkarbeit nun an: Eine „Arbeitshilfe zum Thema Kinderarmut“ soll Auswege und Chancen zur Verbesserung nicht nur in Breyell aufzeigen. Seit diesem Herbst befasst sich eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen Nettetaler Netzwerken mit der Erstellung, sie will spätestens Ende nächsten Jahres „den entwickelten Leitfaden für armutssensibles Handeln“ vorstellen, auch ein Hilfsfond soll dann präsentiert werden.

Auch wenn solche Analysen über „das Thema materielle Armut“ in den Stadtteilen vorliegen, vermeidet man in Nettetal dabei möglichst den Begriff Kinderarmut. Nicht nur in der Verwaltung, auch in der Politik: 2008 beispielsweise fand die SPD keine Mehrheit für ihren Antrag, einen Armutsbericht für Nettetal als Basis für gezieltes Handeln zu erstellen. Stattdessen wurde eine Sozialkonferenz favorisiert. Mittlerweile sind es Netzwerke, die positive Namen haben – wie eben Kinderchancen.

Bei allem Bemühen um nachhaltige Strategien verliert man dabei nicht den Blick für akute Notsituationen. Geschulte Mitarbeiter etwa in Kindergärten oder Schulen sind als „Botschafter“ der Netzwerke in Kontakt mit Jugendamt und Familienbüro, halten Rücksprache, wenn zum Beispiel ein Kind aus finanziellen Gründen nicht mit auf eine Klassenfahrt könnte. Brodermann: „In solchen Fällen helfen wir auch kurzfristig.“

(StadtSpiegel)