: Die DNA des THW

Die Schülerin Pia Mevissen aus Nettetal erlebte das Technische Hilfswerk (THW) praktisch hautnah: Im Extra-Tipp berichtet sie von ihrem Treffen mit THW-Präsident Broemme auf der Young Leaders Akademie und von THW-Einsätzen. Dabei fand sie heraus, warum das THW so essenziell für unsere Gesellschaft ist.

„Für alle, die Spaß an Technik und Helfen haben, ist das THW ein großer Spielplatz“, erklärt Marcel Richter, einer von 80.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des THW. An diesem Morgen, es ist ein Samstag, beginnt für mich der Großübungseinsatz im Trainingsbergwerk Recklinghausen mit dem THW Ortsverband (OV) Duisburg, bei dem Kinder (die zuvor dort versteckt wurden) aus Bergstollen von den Einsatzkräften des THW „gerettet“ werden müssen.

Wie es dazu kam? Ende Oktober hatte ich an der 66. Young Leaders Akademie in Berlin teilgenommen, wo ich eine Woche lang mit knapp 120 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus ganz Deutschland über Politik, Religion und Ethik diskutierte. Dort ist mir im Rahmen eines Journalistenwettbewerbs die Aufgabe gestellt geworden, einen Artikel zum Thema „Technisches Hilfswerk“ zu verfassen. Um einen möglichst detaillierten und realitätsnahen Einblick in das THW, das für mich und auch für viele andere Bürgerinnen und Bürger „unbekanntes Terrain“ ist, zu erhalten, begleitete ich den Großübungseinsatz des THW OV Duisburg im Trainingsbergwerk Recklinghausen und verbrachte einen Tag später den Volkstrauertag zusammen mit dem THW OV Nettetal.

An einem dieser knapp sieben Tagen während der Akademie hat auch der 169. Jugend Presse Kongress, ein Medienworkshop, statt gefunden. Hierzu waren neben anderen auch THW-Präsident Albrecht Broemme und die Geschäftsführerin der Stiftung THW, Dr. Cornelia Lawrentz, eingeladen. Seinen Vortrag startete der THW-Präsident unter dem Leitsatz„#kompetent #professionell #freiwillig – nur so geht Katastrophenschutz“.

Dass in diesen drei Worten so viel Wahres steckt, erkannte ich, als ich an diesem Wochenende mit Einsatzkräften des THWs gesprochen habe. „1949 brauchten wir einen Zivilschutz in Deutschland. Deshalb sind wir hier“, sagte Übungsleiter Sven Wagner, THW OV Duisburg, über die Verantwortung des THW in der Gesellschaft. Das hat sich bis heute nicht geändert, im Gegenteil: „Neu ist das verstärkte Vorkommen von extremen Wetterphänomenen, wozu der Mensch leider einen erheblichen Beitrag geleistet hat. Für das THW bedeutet das häufigere und längere Einsätze“, ergänzt Albrecht Broemme.

Stellt sich da nicht die Frage, was die 80.000 Helferinnen und Helfer des THW antreibt und motiviert? „Beim THW findet man lebende, echte Freunde – Kameraden, die einander helfen“, erklärt Albrecht Broemme. Aber nicht nur auf Ortsverbandsebene, sondern bundesweit ist man eine „Großfamilie“, sagt Walter Delbos vom THW OV Nettetal, „wir hier beim THW sind vernetzt über ganz Deutschland. Beim Umzug ist das THW der Einstieg ins Dorf. Man findet sofort einen gemeinsamen Bezugspunkt.“ Aber die Helfer sehen nicht nur die Gemeinschaft, sondern wollen in Katastrophenfall einfach nur helfen.

Dennoch: Dass sie nicht auf dem Ponyhof sind, bemerken die „blauen Heinzelmännchen“ stets aufs Neue: „Wir hören auch dumme Sprüche. Das ist einfach so“, merkt Sylvia Kleinrensing, Pressesprecherin des OV Duisburg, an und bemängelt: „Gewalt und Kritik an Hilfskräften nehmen zu. Viele Leute zeigen keinen Respekt. Bei Rosenmontagszügen nehmen wir sogar die Namensschilder von der Jacke.“

Im Laufe der Tage beim THW und bei der Young Leaders Akademie habe ich erfahren: Eine Gesellschaft kann nur durch ehrenamtliche Arbeit funktionieren. Egal, ob man sich in der Kirche, in der Politik oder beim THW engagiert. Erst das Ehrenamt verwandelt eine Gesellschaft, in der nur so viel getan wird, wie gerade notwendig, in eine Gesellschaft, in der über die Pflicht hinaus gedacht und gehandelt wird.

Die Gesellschaft erweitert durch das Ehrenamt ihren eigenen Horizont. Dieses Ehrenamt ist bei den Einsatzkräften des THW Gang und Gebe: Im Gegensatz zu vielen anderen Hilfsorganisationen und Vereinen, die über Mitgliederschwund klagen. „Bei uns “, sagt Sylvia Kleinrensing, „gibt es für die Jugend Wartelisten, weil die Nachfrage so groß ist.“