Diese Wand muss weg!

Warum die Investoren an der ehemaligen Discothek Kneppenhof bald auf dem gesamten Gelände bauen dürften, andere Bürger in Glabbach aber noch nicht einmal gleich hinter ihrem Haus, das will Renate Hommes, Vorsitzende der Interessensgemeinschaft (IG) Glabbacher Einwohner, nicht einleuchten.

Auf dem Gelände des Kneppenhofes leben derzeit 21 Flüchtlinge, etwa die Hälfte davon Kinder. Ursprünglich waren 200 männliche Flüchtlingen vorgesehen. Nachdem die rund 200 (!) Glabbacher Einwohner protestierten, wurde die Zahl zweimal drastisch gesenkt. Die Glabbacher konnten damals nicht verstehen, warum Flüchtlinge so weit von einem Ortskern entfernt (Hinsbeck, etwas mehr als zwei Kilometer, kein Busverkehr) untergebracht werden sollten.

Jetzt könnten auf dem Kneppenhof neue Wohnungen entstehen. Ulrich Eckert, Stadtentwicklung und -planung bei der Stadt Nettetal, erklärte, dass das Gelände der ehemaligen Diskothek vom Gewerbegebiet nun in ein so genanntes Dorfgebiet umgewandelt werden soll. Dafür muss der Flächennutzungsplan geändert werden. Gleich daneben liegt die Schreinerei Hommes, die ebenfalls nicht mehr in Nutzung ist. Auch hier soll Gewerbegebiet in Dorfgebiet umgewandelt werden.

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Weiteren Glabbacher Anwohnern bleibt diese Möglichkeit allerdings versagt. Glabbach liege im Außenbereich eines Stadtteils, eine Änderung des Flächennutzungsplans ist nicht vorgesehen, erklärte Ulrich Eckert. In der Konsequenz bedeutet das: „Glabbach bleibt so wie es ist.“ Immer? Immer!

Was mit dem Vierkanthof, der als solcher nicht mehr vollständig erhalten ist, geschehen soll, dass ist Ulrich Eckert nicht bekannt. Alles sei möglich, was dem Begriff „Dorfgebiet“ zuzuordnen ist. Wohnungen, ein Dorfladen und ähnliches.

Da die nördliche Mauer des Hofes praktisch an die Straße grenzt, ist hier schon vor langer Zeit eine unübersichtliche Verkehrssituation entstanden. „Wenn gebaut werden soll, dann muss diese Wand, dieser Schuppen weg“, sagt Renate Hommes, „warum kann man diese Situation nicht in einem Rutsch entschärfen?“ Die IG habe alle Nettetaler Parteien eingeladen, sich vor Ort ein Bild zu machen. Gekommen sei nur „Wir in Nettetal“ (WIN). Die Stadt Nettetal sieht jedoch kein Gefahrenpotenzial: „Die Stelle ist seit Jahren konfliktfrei, anderenfalls wäre die Polizei längst eingeschritten“, sagt Ulrich Eckert.

Hajo Siemes (WIN) wünscht sich einen Interessensausgleich zwischen allen Parteien: „Investoren, Stadt und Bewohner können so ihre Argumente austauschen. Verhandlungen können zu Lösungen führen.“ Siemes befürwortet, wenn zusätzlicher Wohnraum geschaffen wird: „So können wir die Sektionen stärken.“

Demnächst wird der Bebauungsplan Hi-189 offen gelegt. Jeder Bürger könne sich äußern, betont Ulrich Eckert, „die Anträge der Bürger der jüngsten Vergangenheit haben wir beantwortet, wenn weitere Fragen offen bleiben, sind wir natürlich gesprächsbereit.“

Auch in diesem Fall haben die Glabbacher das Gefühl, erneut nicht beachtet, abgehängt zu werden, „dabei möchte ich lediglich, dass alle das gleiche Recht bekommen“, sagt Renate Hommes. Ein Recht, das nicht eingelöst werden kann, weil es vom Grundsatz her offensichtlich unmöglich ist, es einzulösen.

(StadtSpiegel)