: Andrea geht in die Tiefe

Das Großbauprojekt „Tiefensammler“ der Stadt Viersen und NEW erreichte am Donnerstag einen – wie NEW-Vorstand Frank Kindervatter es bezeichnete – „denkwürdigen Moment“. In alter Bergmannstradition wurde der Bohrkopf der Vortriebsmaschine getauft, die ab Anfang Dezember in 13 Meter Tiefe den Kanal unter der Freiheitsstraße bohrt.

Die Großbaustelle für den Tiefensammler hält die Viersener bereits seit Anfang des Jahres in Atem – und wird es auch noch weiter tun. Bis Mitte 2022 um genau zu sein. Ein „Meilenstein“ auf dem Weg zur „unterirdischen Tiefgarage“, dem zweieinhalb Kilometer langen Regenrückhaltekanal, die, wenn sie fertig ist, 17.500 Kubikmeter Wasser fassen kann, wurde jetzt erreicht.

Der 115 Tonnen schwere Bohrkopf der Vortriebsmaschine wurde standesgemäß von Bürgermeisterin Sabine Anemüller getauft. Der Bohrkopf trägt den Namen Andrea – nach Andrea Lausberg, Hauptabteilungsleiterin Abwasser bei der NEW. Bei der Taufe war auch die Heilige Barbara, die Schutzheilige der Bergleute, in Form einer Statuette dabei.

In den nächsten Tagen werden weitere Elemente der Vortriebsmaschine zusammengesetzt, von der der imposante Bohrkopf letztendlich nur ein kleiner Teil ist.

Das gesamte Konstrukt wird dann Anfang Dezember im ersten Abschnitt zwischen Sebastianusweg und Vogteistraße in die Tiefe gesenkt. Bis dahin können Interessierte einen Blick auf das imposante Stück Ingenieurstechnik werfen. In drei Streckenabschnitten bohrt die Vortriebsmaschine bis Ende 2020 den Kanal für den Tiefensammler, der sich auf der Freiheitsstraße von der Kreuzung Willy-Brandt-Ring bis Ernst-Moritz-Arndt-Straße erstrecken wird.

Das Verfahren des Rohrvortriebs wurde gewählt, weil es umwelt-, ressourcenschonend und für Anwohner, Tier und Umwelt die geringstmögliche Beeinträchtigung biete. Für dieses Verfahren müsse kein Grundwasser abgesenkt werden, es benötige wenig Platz und erfordere nur einen minimalen Eingriff in den Baugrund.

Die Einschränkungen für den Verkehr werden dabei fortdauern, allerdings, so betonte Bürgermeisterin Anemüller, „es ist nicht – wie viele befürchtet haben – katastrophal. Es ist akzeptabel und tolerabel und wenn wir durch sind – da berufe ich mich auf mein großes Sommerinterview – wird es richtig schön.“ Die Freiheitsstraße wird immer einspurig in beide Richtungen befahrbar bleiben.

Ist der Tiefensammler einmal fertig und in Betrieb, werden Geschichten, wie sie Frank Kindervatter bei der Taufe erzählte, hoffentlich der Vergangenheit angehören: „Vor zehn Jahren hatte ich mein Büro in der Rektoratstraße, als es so stark zu regnen begann, dass man innerhalb kürzester Zeit nicht mehr erkennen konnte, wo die Freiheitsstraße anfing und wo sie aufhörte. Die Anwohner standen an der Straße und haben mit Besen auf die vorbeifahrenden Autos geschlagen, um sie aufzuhalten und so die ’Bugwelle’ zu verkleinern, die die Wassermassen in die Gärten und Keller spülte.“

Bis dato fehlt dem Mischwassernetz in Alt-Viersen das Rückhaltevolumen. Das wird der Tiefensammler ändern. Er entlastet das gesamte Viersener Kanalnetz, in dem bei starkem Regen das Wasser in den Tiefensammler geleitet und dort zwischengespeichert wird. An der Bendstraße, Goetersstraße, Bahnhofstraße, Große Bruchstraße und Josefsring werden „Überfallbauwerke“ erstellt, die das vorhandene Kanalnetz an den Tiefensammler anschließen. Hört der Regen wieder auf, wird das Wasser kontrolliert aus dem Tiefensammler in das Kanalnetz gepumpt.

Der Abschluss für das gesamte Vorhaben ist für Juli 2022 vorgesehen.

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