: Aus und vorbei?

Früher war nicht alles besser – früher war höchstens alles früher. Kabarettist Jochem Malmsheimer erklärt dem staunenden Publikum gern anhand des „Wurstbrotes“, wie die Zeit vergeht. Wo damals noch wie Dachziegel aufgereihte Cervelatwurst auf der guten Butter auf dem Brot lag, schwimmt jetzt alles zwischen Ei, Salatblättchen und Mayonnaise.

Ja, die Zeit schreitet voran, sie vertickt ganz leis’. So gehört das Smartphone heutzutage beinahe zur festen Ausstattung des homo divinus (gottähnlich). Gut, wenn man damit umgehen kann. Nicht ganz so gut, wenn nicht und ausgerechnet jetzt die einzig noch verbliebene Bankfiliale im Ort schließt.

Kurz gesagt: Sind beispielsweise Senioren in der Lage, ihre Bankgeschäfte von zu Hause auf dem Tablet oder Handy zu regeln? Und überhaupt: Wie wollen (oder sogar müssen) wir zukünftig bezahlen? Und was passiert mit unserem Bargeld? Diese und noch viele weiterführende Fragen haben Harald Post beschäftigt. Er ist stellvertretender Bürgermeister in Nettetal und auch Ortsvorsteher in Lobberich. Selbst im Seniorenalter, kommt er mit vielen ins Gespräch. Als beispielsweise die Sparkasse ankündigte, die Filialen in Hinsbeck und Schaag zu schließen und außerdem Leuth nicht mehr mit einem Bankbus zu bedienen, werden die Fragezeichen bei den älteren Bürgern immer größer.

Harald Post organisierte deshalb eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wie sieht der Zahlungsverkehr in der Zukunft aus?“ und hat kompetente Gäste eingeladen: Siegfried Thomaßen von der Sparkasse Krefeld, Christoph Gommans von der Volksbank Krefeld, Elke Holtmann von der IHK Mittlerer Niederrhein, Vertreter von Rewe und Edeka, Nettetals Beigeordneten Dr. Michael Rauterkus und Nettetals Wirtschaftsförderer Hans-Willi Pergens. Moderiert wird der Abend von Christiane König, Jura-Studentin und Geschäftsführerin der Jungen Union.

Wo früher noch zumindest ein „Tante-Emma-Laden“ die Grundversorgung regelte, gähnt jetzt Leere. Der Mensch muss ins Zentrum, Fragen zum Gemüse müssen oft vom Kunden selbst beantwortet werden, an der Kasse zieht man bei kleineren Beträgen das Handy kurz über ein Lesegerät. Die junge Generation findet das praktisch.

Harald Post, der auch Vorsitzender des CDU-Ortsausschusses in Lobberich ist, gibt zu bedenken, dass es nicht allein um Bankgeschäfte gehe. In Supermärkten und Möbelhäusern, nur um Beispiele zu nennen, könne schon lange bargeldlos bezahlt werden. Oft genug scannt der Kunde seine Ware selbst, eine Kassiererin oder ein Kassierer wird im Grunde genommen nicht mehr benötigt. „Wir dürfen aber in diesem Entwicklungsprozess die Älteren und die sozial Schwächeren auf keinen Fall vergessen“, sagt er. Natürlich könne man Entwicklungen nicht aufhalten, und man wisse auch nicht, was die Zukunft noch alles bringen mag. „Aber wir müssen schon jetzt darüber sprechen, damit wir nicht die Kontrolle verlieren“, betont Harald Post. Das Smartphone sei Segen und Fluch zugleich.

Einen Gedanken möchte er als Anregung verstehen: Möglicherweise könne man den ÖPNV so ausdehnen, dass man auch aus den entlegenen Ortsteilen oder Honschaften ohne Schwierigkeiten in die Ortszentren gelange. Vielleicht können auch ein Bürgerbus oder ein entsprechendes Taxi zur Lösung beitragen. Denn eines müsse klar sein: In Glabbach, in Brempt, Overhetfeld oder Birth, in Vogelsrath oder in der Schirick werden mit großer Wahrscheinlichkeit keine Einkaufszentren entstehen.

Nach der Podiumsdiskussion ist das Publikum aufgerufen, sich aktiv am Thema zu beteiligen.

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