: Das Glück ist unbestechlich

Mit dem richtigen Tipp über Nacht zum Millionär werden: Zigtausende fiebern Woche für Woche bei den Ziehungen der staatlichen Lotterien mit. Und manch einer verplant – wenn in der tiefen Nacht der Schlaf nicht kommen will – die paar gewonnenen Milliönchen.

Es sind doch nur Kreuze – oder besser Kreuzchen. Und dennoch: Den Gedanken werde ich einfach nicht los. Vielleicht gelingt es im Jahr 2020 doch, einmal zu richtig „abzuräumen“. So mit allem Drum und Dran. Siebenstellig darf es gerne werden. Aber eine Frage nervt am Ende jede Woche: Wohin mit den Kreuzchen? Was nichts anderes bedeutet, als dass man nicht weiß, welche Zahlen tatsächlich zum Glück führen.

Soll man das persönliche Geburtsdatum wählen oder die Zahlenkreuze auf dem Tippschein in einem bestimmten Muster anordnen? Oder ist es am Ende besser, die Auswahl dem puren Zufall zu überlassen? Jeder Mitspieler verfolgt dabei seine individuelle Strategie. Nur eines scheint klar: Von allzu gängigen Zahlenkombinationen sollte man die Finger lassen.

Auffällige Kombinationen der
Zahlen eher meiden

Aufsteigende Zahlenreihen oder Kreuze beispielsweise in Form eines „U“ oder andere Muster auf dem Tippschein sind beliebt. Das Problem dabei: Werden diese Zahlen tatsächlich gezogen, muss man sich unter Umständen den Jackpot mit vielen weiteren Mitspielern teilen. So geschehen etwa im April 1999 beim „Lotto 6aus49“. Die gezogene Zahlenreihe 2, 3, 4, 5, 6 und 26 war so eingängig, dass sie besonders oft angekreuzt wurde. Das Resultat: Genau 38.008 Spieler freuten sich zwar über fünf Richtige – mussten sich aber mit einem Gewinn von jeweils weniger als 200 Euro begnügen.

Auch wenn bei jeder Ziehung die statistischen Chancen für alle Zahlen identisch sind, so können sich eben die Zufälligkeiten häufen. Beispielsweise bei der Lotterie Eurojackpot, in der es immer freitags um bis zu 90 Millionen Euro geht (unter uns: So viele Milliönchen müssen es gar nicht sein). Ein Blick auf die Statistik nach über 400 Ziehungen verrät: Die 18, 19 und 40 wurden besonders oft gezogen, die Ziffern 2, 27 und 48 besonders selten. Ich überlege ziemlich angestrengt: Ob das eine Anregung für den nächsten Tipp geben kann?

Wenn wir vor lauter Träumerei ganz kurz zur Ruhe kommen, wissen wir doch längst: Tatsächlich sind die Kugeln unbestechlich, alle Mitspieler haben stets dieselben Chancen auf den Haupttreffer.

Die Ziehung für die europaweite Lotterie findet übrigens in der finnischen Hauptstadt Helsinki unter umfassenden Sicherheitsvorkehrungen statt, die Kugeln werden streng bewacht. Die runden Glücksbringer, die über einen Millionengewinn entscheiden, haben ein Gewicht von gut vier Gramm und bestehen aus Styropor. Deutschen Mitspielern bescherten sie in den fast acht Jahren seit dem Start der Lotterie besonders viel Glück: Mit bislang 129 Millionären (Stand 22. November 2019) sind die Bundesbürger unangefochten Eurojackpot-Europameister.

Alle haben die gleichen Chancen? Für mich klingt das für einen kurzen Moment ein wenig unfair. Denn gerade ich könnte doch den Haupttreffer so gut gebrauchen. Ich denke da an die Verwandtschaft, an die engen Freunde oder an die vielen Organisationen, die den Schwächeren unter uns unter die Arme greifen. Aber – das haben die meisten meiner Spielkollegen auch schon bedacht – würde ich den großen Gewinn für mich behalten, stiege die Zahl der engen Freunde ins Unermessliche.

Und, haben Sie schon davon gehört? Spielsucht? Genauer gesagt: pathologisches Spielen. Es beschreibt die Unfähigkeit, dem Impuls zum Glücksspiel oder Wetten zu widerstehen. Das kann gravierende Folge für das familiäre oder auch beruflich Umfeld nach sich ziehen. In Deutschland sind fast 300.000 Menschen von der Spielsucht betroffen. Gewinn, Verlust, Verzweiflung – eine gefährliche Verkettung. Eine Therapie oder die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe können helfen.

Die Gefahr, spielsüchtig zu werden, hält die Deutschen nicht ab, Woche für Woche den Tippschein auszufüllen – und sich selbst die Daumen zu drücken. Einige Lotterien verfolgen ganz konkret das Ziel, soziale Projekte zu unterstützen. „Aktion Mensch“ oder auch die „Deutsche Fernsehlotterie“ sind Beispiele dafür.