: Der Grundstein ist gelegt

Der Grundstein für das neue Kreisarchiv ist gelegt. Schon im kommenden Juli soll das Gebäude in Dülken fertig sein. Der Baufortschritt befindet sich im Zeitplan. Wegen der Corona-Pandemie fand der Festakt auf der Baustelle am vergangenen Donnerstag nur in kleinem Kreise statt.

Landrat Dr. Andreas Coenen schob eine Jurismappe, wie sie üblicherweise in Archiven verwendet wird, sowie aktuelle Tageszeitungen in den Grundstein: „Hier entsteht ein Gebäude, das wir der nächsten Generation mit bestem Gewissen übergeben können, weil wir durch die nachhaltige Bauweise ein Höchstmaß an ökologischer und ökonomischer Verantwortung übernehmen“, sagte er. Das neue Kreisarchiv passe bestens zur Klimastrategie des Kreises.

Das Gebäude, ausgestattet mit Sonnenkollektoren und Photovoltaik, produziert Energie für den eigenen Verbrauch. Gebaut wird mit Materialien, die teilweise bereits recycelt wurden. In der Nutzungsphase werden bei der Instandhaltung 30 Prozent und bei der Energie 45 Prozent der üblichen Kosten gespart. Das neue Kreisarchiv ist damit das erste öffentliche Gebäude in der Region, das nach den Prinzipien der zirkulären Wertschöpfung errichtet wird.

Dr. Coenen würdigte die Architektur des Gebäudes als „großen Wurf“: „Es ist ein Gebäude, das den Kreis architektonisch bereichert.“

Umgesetzt wird der Entwurf, mit dem der Architekt Bernd Volkenannt (DGM Architekten) den ersten Preis des Architektenwettbewerbs für das Kreisarchiv gewonnen hatte. Das Zentrum des Gebäudes bildet ein fensterloser Kubus. Er verweist auf die in der Region typischen historischen Wehrspeicher Berfes, in denen im Mittelalter schutzwürdige Güter untergebracht wurden. Dieser Kubus soll die wertvollen Archivalien des Kreises aufnehmen.

Umschlossen wird der undurchsichtige Kubus von Arbeits- und Besucherräumen sowie Lesesälen. Diese sind großflächig verglast und entsprechend lichtdurchflutet. „Es entsteht ein wunderbares Spannungsverhältnis zwischen Lichtundurchlässigkeit und Transparenz, zwischen Erdung und Leichtigkeit sowie zwischen Tradition und Moderne“, sagte Dr. Coenen.

Der Architekt Bernd Volkenannt erklärte: „Das Projekt „Kreisarchiv Viersen“, bietet uns die Möglichkeit, ein auf vielen Ebenen ganz besonderes Bauwerk zu realisieren. Der Architekturwettbewerb eröffnete den Weg zu einer anspruchsvollen architektonischen Gestaltung. Die durchgehend digitale Planung entspricht der modernsten Arbeitsweise und unterstützt die hohen Erwartungen an das Gebäude bezüglich der Wiederverwertbarkeit und ökologischen Unbedenklichkeit der eingesetzten Materialien. Das Projekt lehrt uns, wie wir Gebäude in Zukunft errichten werden.“

Im Kreisarchiv werden bedeutende alte Schriften der Kreisverwaltung und der meisten kreisangehörigen Kommunen aufbewahrt sowie dokumentationswürdige Nachlässe und Archive von Privatpersonen oder Vereinen. Der Standort des Kreisarchivs in der Burg in Kempen wird aufgegeben, weil er für die Archivalien ungeeignet ist.

Die Gesamtkosten werden – laut Prognose aus 2019 – 14,7 Millionen Euro betragen. Davon sind 5,1 Millionen Euro Fördermittel aus dem Kommunalinvestitionsfördergesetz. Im Lebenszyklus von 50 Jahren wird der Bau im Vergleich zu herkömmlichen Neubauten über 7 Millionen Euro einsparen.