: Ein Dorfladen auf Rädern

Besondere Zeiten erfordern besondere Ideen, Erfindungsgeist und ein anpackendes Naturell. Eigentlich verkauft Frank Koschatzky Busse. Jetzt ist er „Besitzer“ und Fahrer eines rollenden Supermarkts – dem Mobilen Dorfladen.

Als die Coronakrise begann, immer weitere Kreise zu ziehen und das öffentliche Leben zum Stillstand kam, stand auch Frank Koschatzky vor der Frage: „Was jetzt?“ Als Inhaber eines Busvertriebs kam nämlich auch sein Geschäft zum Erliegen.

Schnell entstand die Idee, einen der vielen Busse, die aktuell auf den Betriebshöfen auf ihren Einsatz warten, in einen rollenden Supermarkt zu verwandeln. „Ich wollte für die Menschen, die aktuell nicht wirklich vor die Tür dürfen und vielleicht niemanden haben, der für sie einkaufen gehen kann, eine Möglichkeit schaffen, weiter mit allem Wichtigen versorgt zu werden“, erzählt Koschatzky.

Allein wäre dies jedoch nicht machbar gewesen. Um ihn herum bildete sich in Windeseile ein Netzwerk von Mitstreitern und Unterstützern. Koschatzkys Omnibusvertrieb West baute gemeinsam mit der Firma Boeckels einen Überlandlinienbus zum Dorfladen um. Beklebt wurde der Bus von der Firma Imagno Digital, Lebensmittel und weitere Gegenstände des täglichen Bedarfs erhält Koschatzky vom Handelshof und von der Firma Kaas Frischdienst. „Gekühltes gibt es bei uns aber nicht“, betont Koschatzky, „wir bieten haltbare Lebensmittel, Obst, Gemüse und natürlich auch Klopapier“, fügt er lachend hinzu.

Seit Anfang der Woche ist Koschatzky mit dem Mobilen Dorfladen unterwegs. Er fährt den Bus und kassiert, ein Mitarbeiter kümmert sich um die Kunden – hilft ihnen in den Bus und wieder hinaus, bedient, packt ein und mehr. Aber: Immer nur ein Kunde darf im Bus sein. „Wir halten uns streng an die Hygienevorschriften“, erklärt Frank Koschatzky. Dazu gehört auch, dass er und sein Mitarbeiter immer Handschuhe und Mundschutz tragen.

Immer ein Kunde allein kann im Mobilen Dorfladen ganz in Ruhe einkaufen. Dietmar Mooren, Geschäftsführer der Auto Schelges GmbH, machte sich am Donnerstag selbst ein Bild und half gleich tatkräftig mit. Foto: Andreas Baum

Einen Probelauf gab es bereits am vorletzten Freitag vor zwei Seniorenresidenzen in Süchteln und Schwalmtal. „Wir waren überwältigt von der Resonanz. Es haben sich direkt Schlangen gebildet, immer schön mit Sicherheitsabstand natürlich.“

Dieser „Probelauf“ lief so gut, dass er die beiden Seniorenresidenzen nun in seine wöchentlichen Routen aufgenommen hat. Eigentlich habe er sich den Freitag freihalten wollen – auch in Krisenzeiten bleibt im Unternehmen schließlich noch ein wenig Büroarbeit liegen – aber das konnte er dann doch nicht über sich bringen und fährt die Residenz Irmgardis Süchteln und St. Antonius Residenz im Park Schwalmtal nun jeden Freitag an (außer Karfreitag).

Auch Sonderwünsche erfüllt Frank Koschatzky, wo er kann. Als wir mit ihm sprechen, ist er gerade auf dem Weg zum Handelshof – Nachschub besorgen und „Wünsche erfüllen“. Ein paar Kunden hatten nach bestimmten Produkten und Obst gefragt. „Diese Wünsche erfülle ich natürlich gern“. Viele der Kunden des Mobilen Dorfladens sind darauf angewiesen, dass jemand zu ihnen kommt. „Schwere Einkäufe schleppen ist für diese Menschen einfach nicht drin“, erklärt Frank Koschatzky. Und gerade in den ländlicheren Gegenden können die Wege zum nächsten Supermarkt für die älteren Kunden einfach zu weit sein – „und als Teil der Risikogruppen sollten sie ja ohnehin möglichst vermeiden, vor die Tür zu gehen“, fügt Koschatzky hinzu.

Frank Koschatzky ist überwältigt von der Unterstützung, die ihm von allen Seiten zuteil wird. Das reicht vom kostenlosen Kaffee, über die geschenkte Tankfüllung für den Bus bis zum Angebot der Auto Schelges GmbH, drei Mal die Woche einen Fahrer zur Verfügung zu stellen. „Das Angebot nehme ich natürlich sehr gerne an“, freut sich der Unternehmer über das unbürokratische Hilfsangebot und den Zusammenhalt „unter Kollegen“.

Der Mobile Dorfladen auf Facebook