: Gewalt ist nie privat!

Es gibt keine Rechtfertigung für häusliche Gewalt, aber einen Ausweg. Beratung und Unterstützung bekommen Frauen beim Sozialdienst katholischer Frauen.

Und eins sei noch ganz klar zu betonen: „Gewalt ist kein Kavaliersdelikt!“ Mit diesen Worten schließt Sigrid Nolde vom Sozialdienst katholischer Frauen Viersen das Gespräch. Seit 2009 ist sie im Frauen- und Kinderschutzhaus Viersen tätig, 2011 übernahm sie die Leitung. Eine Aufgabe, für die sie mit ihrer beruhigenden Art und Stimme nicht nur gemacht zu sein scheint, sondern die ihr merklich sehr am Herzen liegt. Als Diplom-Sozialpädagogin hat sie immer schon den Schwerpunkt auf die Arbeit mit Mädchen und Frauen gelegt, war in Erziehungsgruppen, Mädchenverselbstständigungsgruppen oder auch im Mutter-Kind-Appartementhaus tätig. Vieles hat sie gesehen, vieles erlebt. Aber aus Erfahrung kann sie sagen, dass sich gar nicht so viel verändert hat – zumindest bleibt die Zahl der hilfebedürftigen Frauen nach Gewalttaten gleich hoch. „Das Frauenhaus ist so gut wie immer ausgelastet“, sagt Nolde.

Fakt ist: Jede dritte Frau in Deutschland erlebt Gewalt. Auch diese Zahl ist seit Jahren unverändert. So ist anzunehmen, dass jede Frau im direkten Umfeld eine Frau kennt, die betroffen ist – ob Freundin, Kollegin, Nachbarin oder die eigene Schwester. Doch wie kann man sich als Betroffene helfen? „In einer akuten Gewaltsituation sollte immer als erstes die Polizei verständigt werden. Nach dem Gewaltschutzgesetz kann die Polizei den Aggressor direkt zehn Tage der Wohnung verweisen“, erklärt Nolde.

Frauen, die sich nach wie vor in Wohnung oder Haus nicht sicher fühlen oder generell Zuflucht suchen, können sich auch selbst telefonisch beim Sozialverein katholischer Frauen (SkF) melden. „Wir hören uns dann erst einmal an, was passiert ist und wo das Problem liegt. Dann sehen wir nach, ob bei uns im Frauenhaus noch ein Platz vorhanden ist oder verweisen weiter.“ Die Seite www.frauen-info-netz.de zeigt beispielsweise an, in welchem Frauenhaus in welchem Bundesland noch Plätze frei sind.

Jede dritte Frau in Deutschland ist von Gewalt betroffen. Foto: pixabay

Tatsächlich nimmt das Viersener Frauenhaus auch Frauen aus anderen Bundesländern auf. „Manchmal kann eine größere Distanz zum gewalttätigen Partner sogar ratsam sein. Entsprechend schwerer ist es, die Frauen zu finden.“ Am Telefon wird dann ein möglichst leicht erreichbarer Treffpunkt vereinbart, von dort aus geht es zum Frauenhaus, dessen Adresse, so gut es geht, geheim gehalten wird. Oft werden Frauen aber auch durch bestimmte Institutionen vermittelt.

Im Viersener Frauen- und Kinderschutzhaus können neun Frauen entsprechend auch mit Kindern aufgenommen werden. Wie lange sie bleiben ist unterschiedlich. „Das reicht von drei Stunden bis zu sechs Monaten“, sagt Nolde.

Die Aufgabe der betreuenden Frauen liegt vor allem in der Beratung durch Krisenintervention bei existenzieller Bedrohung oder Klärungsgesprächen, wie es finanziell oder beruflich weitergehen könnte. „Wir sind die Schnittstelle, die Vermittler. Die Frauen, die zu uns kommen, sind ihre eigenen Fürsprecher und wissen, was das Richtige für sie in Zukunft sein soll. Wir unterstützen und stärken sie, aber nehmen ihnen die Arbeit für ihre neue Zukunft nicht ab oder bevormunden sie da auch nicht“, erklärt Nolde.

Manche Frauen gehen wieder zurück zu ihren Partnern, andere bleiben und schaffen sich eine Zukunftsperspektive. Und auch wenn Sigrid Nolde von sich selbst sagt, sie sei keine fanatische Frauenrechtlerin, ist für sie doch klar: „In den Köpfen muss sich noch viel bewegen. Es bedarf noch einem guten Stück Arbeit zur Gleichberechtigung.“