: Jetzt Artenvielfalt retten!

Tägliche Diskussionen um den Klimawandel und den Rückgang der Insekten, doch noch immer nicht aktiv? Das können Sie jetzt ändern. Die Volksinitiative Artenvielfalt NRW fordert mehr Arten- und Klimaschutz und auch Ihre Unterschrift kann helfen.

Kreis Viersen. Wussten Sie, dass 55 Prozent der Schmetterlingsarten in NRW gefährdet sind? Dass 18 Millionen Vögel jährlich durch Kollision an Glasfassaden sterben und täglich 18

Fußballfelder unter Beton verschwinden? Jetzt ist es an der Zeit, etwas zu tun.

Die drei großen NRW-Naturschutzverbände BUND, LNU und Nabu rufen die Bürger dazu auf, die landesweite Aktion „Volksinitiative Artenvielfalt NRW“ mit einer Unterschrift zu unterstützen. „Das erfolgreiche Bürgerbegehren in Bayern vor wenigen Jahren ermutigt auch hier ein Volksbegehren anzustreben, mit dem Ziel den Artenschwund zu stoppen“, sagt Günter Wessels vom Nabu im Kreis Viersen.

„Um ein solches Volksbegehren zu ermöglichen, müssen zunächst 66.000 Unterschriften (0,5 Prozent der Stimmberechtigten in NRW) gesammelt werden.“ Dann müsse sich der NRW-Landtag mit der Volksinitiative beschäftigen. In acht zentralen Handlungsfeldern fordern die Naturschützer einen deutlichen Politikwechsel. „Zu den Hauptforderungen der Naturschutzverbände gehören: Flächenfraß verbindlich stoppen, Schutzgebiete wirksam schützen, naturnahe und wilde Wälder zulassen, naturverträgliche Landwirtschaft aktiv voranbringen, Biotopverbund stärken und ausweiten, lebendige Gewässer und Auen sichern und den Artenschutz in der Stadt fördern“, bringt es Wessels auf den Punkt. Gerade auch die letzte Forderung, Artenschutz in der Stadt fördern, ziele nicht nur auf die Verwaltungen, sondern auch auf den einzelnen Bürger. Hier kann jeder seinen Beitrag leisten.

„Interessierte Naturbeobachter haben seit vielen Jahren den Verlust vieler Pflanzen- und Tierarten, auch in unserer Region, feststellen müssen. Das Verschwinden der Insekten wurde durch die Langzeit-Feldforschung des entomologischen Vereines zu Krefeld wissenschaftlich belegt“, erklärt Günter Wessels vom Nabu im Kreis Viersen.

Nischen für Pflanzen und Tiere im Naturraum seien durch die Beanspruchung und Bewirtschaftung von Flächen immer mehr eingeschränkt oder verschwinden ganz. Die verbliebenen Naturflächen würden immer mehr verinselt, berichtet Wessels. Wanderbewegungen der Tiere würden erschwert oder unmöglich, viele Arten seien stark zurück gegangen.

Herausheben möchte Günter Wessels das Schicksal des Kiebitzes, der früher überall in den feuchten Wiesen, später auch auf Äckern zu Hause war. „In den vergangenen 20 Jahren ist der Bestand um 82 Prozent zurückgegangen, Tendenz weiter fallend“, zieht Wessels traurige Bilanz. Der Naturschützer referiert auch selbst bei regelmäßigen Nabu-Abenden über die Unterschriften-Aktion „Volksinitiative Artenvielfalt NRW“ und auch über die Erfolge des Naturschutzes im Kreis Viersen. „Nachdem das Nierstal unter Naturschutz kam und renaturiert wurde, stellte sich an der Clörather Mühle nach über 100 Jahren der Weißstorch wieder ein. Mit der Verbesserung der Wasserqualität zeigt sich sogar der Biber wieder an der Niers und anderen Gewässern.“ Es zeige sich, dass gezielte Naturschutzmaßnahmen auch Erfolge bringen, die Ansporn geben müssen für weitere Anstrengungen.

Und das auch im Kleinen, hier kann jeder selbst etwas leisten zur Artenvielfalt. „Die Versiegelung der Flächen und die zunehmenden Schottervorgärten verschlechtern nicht nur das Stadtklima, sie nehmen vielen Insekten auch die Lebensgrundlagen weg. „Es wäre so wichtig, wenn Bürger einen Weg finden würden, solche Flächen wieder mit Blühpflanzen zu bestücken und für Insekten interessant zu machen.“ Schon auf einem Balkon mit Kästen sei die Aussaat einer Wildblumenwiesenmischung, wie sie etwa die Stadt Viersen in diesem Jahr verschenkt habe, eine gute Möglichkeit.

„Wer einen Garten sein eigen nennt, sollte das Thema Ordnung nicht zu hoch ansetzen, denn die Natur benötigt auch ’unordentliche Ecken’, in denen Zaunkönig oder Igel unterschlüpfen können.“ Ein Insektenhotel sei leicht selber gezimmert, oder gekauft, und ermöglicht aus nächster Nähe kleine Naturbeobachtungen. „Und gerade die Wildbienen sind hoch wertvoll und benötigen dringend unseren Schutz“, weiß Günter Wessels.

Aber noch mal zurück zur Volksinitiative: Wichtig für die Unterschriftensammlung ist, dass jeder nur einmal unterschreiben kann und auch nur die manuelle Unterschrift zählt. Zur besseren Überprüfbarkeit sollen die Anschriften nach den jeweiligen Wohnorten gebündelt werden.