: Nur eine Schnapsidee?

Dem Gesetzentwurf von CDU und FDP vom April dieses Jahres wurde nun im NRW-Landtag zugestimmt: Büchereien dürfen jetzt auch sonntags öffnen. Sie sind nun mit dem Bibliotheksstärkungsgesetz mit Theater oder auch Museum auf Augenhöhe.

Am vergangenen Mittwoch stimmten alle Fraktionen diesem Gesetzesentwurf zu. Vor allem Familien sollen auch am (normalerweise) freien Sonntag die Gelegenheit haben, die Bibliothek am Ort zu besuchen. In der Woche sei das aufgrund der Aufgabengestaltung in den Familien oft nicht möglich. Außerdem hieß es in der Begründung, dass es in der Bevölkerung ein immer größeres Interesse nach seriösen Informationen gebe.

Grundsätzliches Ziel der Landesregierung sei, die öffentlichen Bibliotheken zu stärken. Bis zu sechs Stunden können die Bibliotheken am Sonntag ihre Türen öffnen. In den vorwiegend ländlichen Gebieten mag die Angelegenheit einen Haken haben. Werden die Bibliotheken hier vor Ort diese Steilvorlage der Landesregierung nutzen? Wir haben nachgefragt.

„Wir werden uns sicherlich unsere Gedanken zu diesem Thema machen“, sagt Frank Schliffke, Sprecher der Stadt Viersen. Aber er weist auch auf die vielen bereits bestehenden Angebote der Albert-Vigoleis-Thelen-Stadtbibliothek hin: Lesecafé, Veranstaltungen, Spieleabend, Aktionen in Zusammenarbeit mit den Schulen und vieles mehr. Außerdem müsse man auch die arbeitstechnischen Regeln für den Sonntag beachten. Viersens Beigeordnete Cigdem Bern erklärt: „Ob die zusätzliche Öffnung von den Menschen gewünscht wird und wie sie gegebenenfalls gestaltet werden könnte, wollen wir prüfen. Dazu gehören selbstverständlich auch Fragen von Arbeitszeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die möglichen Auswirkungen auf die regulären Öffnungszeiten und das bestehende Programm.“

Ulrich Schmitter, Leiter der Stadtbücherei Nettetal, hält von der Idee nicht viel: „Wenn man die Bibliotheken stärken will, dann investiert man besser in Ausstattung, Material und Personal. Damit wäre den Bibliotheken wirklich geholfen.“ Die Nettetaler Bücherei öffnet jeden ersten Samstag im Monat ihre Türen. Daraus könne man nicht die Notwendigkeit ableiten, auch sonntags zu öffnen. Außerdem sieht Ulrich Schmitter das Berufsbild Bibliothekar in Gefahr, weil für den zusätzlichen personellen Aufwand möglicherweise auch auf Ehrenämtler zurück gegriffen werden müsste.

Überwiegend Ehrenamtler sind in den Gemeindebibliotheken Niederkrüchten und Schwalmtal tätig. Leiterin Uta Krüger möchte das Thema „Sonntags offen“ im Team besprechen, vermutet aber wenig Enthusiasmus für die Idee. „Für mich persönlich ist der Sonntag auch ein besonderer Tag“, sagt sie, „ich wüsste beispielsweise nicht, warum der Supermarkt am Sonntag geöffnet sein muss.“ In Niederkrüchten habe man die Aktion „Bibliothek für Nachteulen“ (an einem späten Freitagabend) angeboten. Die Besucher fanden diese Idee reizvoll, aber deren Zahl sei doch überschaubar gewesen.

Abwarten – das ist das Credo der Bibliothek der Burggemeinde Brüggen. Schon seit dem Gesetzesentwurf im April dieses Jahres kenne man den Plan der Landesregierung, sagte Guido Schmidt, Leiter des Sachgebiets Kultur. „Wir werden das im Kulturausschuss besprechen“, kündigt er an, aber eine Öffnung der Bibliothek am Sonntag sei vorerst nicht vorgesehen.