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Suchtberatung im Kreis Viersen setzt auf alternative Beratungsangebote

Suchtberatung im Kreis Viersen : Angst der Eltern um Kinder

Seit knapp einem Jahr klingeln die Telefone der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe Viersen e.V. deutlich häufiger. Je länger die Einschränkungen in der Corona-Pandemie dauern, desto mehr besorgte Eltern rufen an: Viele befürchten, dass ihr Kind auf die schiefe Bahn geraten könnte.

Montagmorgen, kurz nach 9 Uhr: Christina M. ist die erste Anruferin. Die 44-Jährige bittet um ein Beratungsgespräch. Ihr 17 Jahre alter Sohn konsumiert seit sechs Monaten Cannabis. Seine Schulleistungen sind im Lockdown stark abgefallen. In der Familie ist er wenig ansprechbar, er zieht sich oft zurück. Vor der Pandemie hat er im Verein gekickt, Gitarre in einer Schülerband gespielt und hatte viel Kontakt mit seinen Großeltern. All das fällt wegen der Corona-Schutzmaßnahmen weg.

Christina M. ist verzweifelt. Sie hat es mit Anreizen versucht und mit Sanktionen. Nichts habe geholfen. Im Gegenteil: Er benehme sich ihr und ihrem Mann gegenüber zunehmend respektlos. Die Mitarbeiterin der Suchtberatung verbindet sie mit ihrer Kollegin Beate Nagel, die ihr einen telefonischen Beratungstermin anbieten kann. Nagel ist Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin und erfahren im Elterncoaching.

In den kommenden Wochen werden die Eltern gemeinsam mit ihr konkrete Schritte entwickeln. „Dabei kann Hilfe durchaus auch bedeuten, die häuslichen Annehmlichkeiten für den Jugendlichen zurückzufahren“, erläutert Nagel. Ganz wichtig sei, mit den Eltern zu schauen, wie sie effektiver kommunizieren könnten. „Die Eltern haben Angst, und deshalb machen sie Druck und schimpfen – obwohl sie wissen, dass das nichts bringt.“

Die Arbeit der Suchtberatung hat sich durch die Pandemie verändert. „Unsere offenen Sprechstunden können nicht stattfinden, deshalb setzen wir bei Erstkontakten auf Telefon und E-Mail“, sagt Yella Lennartz, stellvertretende Leiterin der Suchtberatung. Persönliche Gespräche sind in Notfällen möglich. „Unsere Mitarbeitenden finden kreative Lösungen – so können Beratungsgespräche auch während eines Spaziergangs geführt werden.“ Neben der Beratung für Eltern gibt es Angebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien sowie für Partner*innen, Geschwister und Eltern erwachsener Suchtkranker.

Präventions-, Beratungs-, Therapie- und Selbsthilfegruppen können sich nur eingeschränkt treffen. „Aber auch hier setzen wir teilweise auf Online-Angebote“, erläutert Anne Geerlings, die den Bereich Prävention der Suchtberatung koordiniert. Auch die ambulante Therapie von Menschen mit Suchterkrankung kann weiterhin stattfinden. „Der Kostenträger akzeptiert das Telefongespräch als vollwertige Therapieleistung“, berichtet Yella Lennartz. Die Suchtberatung kann zudem in eine stationäre Entwöhnungsbehandlung vermitteln.

So weit ist es bei dem Sohn von Christina M. noch nicht. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Eltern und er eine neue Art des Umgangs miteinander entwickeln können. Beate Nagel bestärkt Eltern darin, sich im Zweifel an die Suchtberatung zu wenden: „Wenn Kinder immer mehr kiffen und zocken, kann das ein Alarmsignal sein. Wir unterstützen weiterhin mit Beratung und Information.“

Die Suchtberatung ist von montags bis mittwochs von 8.30 bis 16.30 Uhr, donnerstags bis 18.30 Uhr und freitags bis 13 Uhr telefonisch unter 02162/ 95110 erreichbar. Darüber hinaus werden viele Fragen auf der Homepage der Suchtberatung unter www.krh-online.de beantwortet.