: Tipps gegen Tricks

Immer häufiger werden gerade Senioren Opfer von Betrug und Diebstahl. Die Täter gehen schnell, fingerfertig und ohne Skrupel vor – und lassen ältere Menschen hilflos zurück. Weil sich die Betrogenen schämen, bleiben viele dieser Taten unbekannt.

Britta Färvers ist Kriminaloberkommissarin bei der Kreispolizei. Ihre Spezialgebiete sind Kriminalprävention, häusliche und sexuelle Gewalt und Opferschutz. Jetzt folgte sie einer Einladung der Diakonia Viersen. Im Betreuten Wohnen im Belgischen Viertel gab die Polizistin den Senioren wichtige Hinweise, wie sie sich gegen Taschendiebstahl und Trickbetrug an der Haustür oder per Telefon wehren können. Aufmerksam hörten die Senioren zu.

„Man weiß nur, was man sieht“ – dieses Zitat wird Goethe zugeschrieben. Es macht deutlich, dass Gefahren oft dort lauern, wo man sie beim besten Willen nicht vermutet. Ein kleiner Rempler auf dem Marktplatz, schon ist das Portemonnaie gestohlen. Ein freundliches Lächeln an der Haustür mit der Bitte um ein Glas Wasser, schon ist der Dieb in der Wohnung. Und dann meldet sich am Telefon noch vermeintlich die Polizei und drängt das Opfer, allen Schmuck einem falschen Polizeibeamten zu übergeben.

Kann mir nicht passieren? Doch. Sogar junge Menschen werden bestohlen und betrogen. Emotionen oder Schreckensszenarien wirken nicht nur bei Senioren.

„Nicht immer sind Senioren die Zielgruppe der Betrüger und Diebe“, erläutert Britta Färvers, „aber gerade bei Taschendiebstahl und Trickbetrug sind oft ältere Menschen die Opfer.“ Deshalb nennt Britta Färvers den wichtigsten Tipp gleich am Anfang: „Wenn Ihnen etwas verdächtig vorkommt, haben Sie keine Scheu, rufen Sie die Polizei, wählen Sie die 110.“

Britta Färvers gab den Senioren im Betreuten Wohnen der Diakonia zahlreiche Hinweise, wie man sich gegen Betrügereien schützen kann. Foto: Uli Rentzsch

Den Anstieg bei den Taschendiebstählen kann die Polizei mit Zahlen belegen. Im vergangenen Jahr seien die Fallzahlen um 16 Prozent gestiegen. Besonders in der Viersener Innenstadt seien vermehrt Diebstähle zur Anzeige gebracht worden. Auch Trickbetrug an der Haustür und am Telefon habe im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2018 deutlich zugenommen. Am vergangenen Mittwoch suchte die Polizei bei einer Razzia bundesweit (auch in NRW) und in Istanbul nach „falschen Polizisten“. Dabei wurden mehrere Personen festgenommen, Geld und Sachgegenstände sicher gestellt. Eine Bande, die in Datteln ins Netz der Polizei ging, habe mit dem Polizeitrick über drei Millionen Euro ergaunert, berichtete WDR5. Die Schadenssumme bewege sich 2018 bundesweit in einer Höhe von rund 40 Millionen Euro – Tendenz steigend. Das spiegele allerdings nur die bekannten Fälle wider. Viele ältere Menschen schämten sich, den Betrug anzuzeigen.

Wie kann man sich schützen? „Tragen Sie Ihre Wertsachen immer körpernah, packen Sie nicht Ihr ganzes Leben in die Handtasche“, sagt Britta Färvers. Im Zweifelsfall um Hilfe rufen, noch besser „Feuer“ schreien – das sorge für Aufmerksamkeit. „Lassen Sie keine Unbekannten in die Wohnung, rufen Sie Angehörige an“, rät Britta Färvers. Falls jemand am Telefon Gewinne verspricht – auflegen. Falls jemand am Telefon berichtet, dass ein Angehöriger schwer verletzt sei – auflegen. Falls jemand fragt, „rate mal, wer hier ist“ – auflegen. Und: „Unterschätzen Sie nicht die Gefahr, die Diebe und Betrüger sind Profis.“