: Vor Ort für die Menschen in Not

Als moderner Wohlfahrtsverband mit 580 hauptamtlichen und rund 340 ehrenamtlichen Mitarbeitern ist der Caritasverband für die Region Kempen-Viersen heute unterwegs. Vor 100 Jahren begann seine Erfolgsgeschichte.

„Es bedurfte eines Anlaufs von acht Jahren damals, bevor der Caritasverband in der Stadt Viersen dann 1920 gegründet wurde“, berichtet Peter Babinetz, Vorstand des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen. Bereits 1912 schrieb der Viersener Lehrer Richard Schulzen an den 1897 gegründeten Deutschen Caritasverband, dass er einen Ortsverband ins Leben rufen wollte, um so die bestehenden caritativen Aktivitäten der katholischen Vereine zu bündeln und zu koordinieren.

„Vermutlich verhinderte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs die angestrebte Gründung, die dann zwei Jahre nach Kriegsende erfolgte“, erläutert Caritas-Vorstand Christian Schrödter. Ziele seien dabei gewesen, nicht nur die materielle Not, sondern auch die seelische Not zu lindern.

Auch in der NS-Zeit arbeitete der Verband weiter, unter dem Schutz des Konkordates. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der bitteren Not mit vielen Ehrenamtlichen entgegen getreten. „Sie organisierten Essensausgaben, Wärmestuben, Kleidertauschstellen und auch Sammelaktionen von Baumaterial“, erklärt Babinetz. Fast 40 Jahre lang prägte der Geistliche Dr. Bernhard Brück als Vorsitzender und Caritasdirektor die Arbeit des Caritasverbandes in der Region. Eine Zäsur gab es dann im Jahr 1986, als mit Peter Van Vlodrop der erste Nicht-Priester im Vorsitz folgte. Auch dessen Nachfolger Felix Pieroth und Dr. Ingeborg Odenthal führten ehrenamtlich ihre Ämter.

Bis Ende der 60er Jahre war die Arbeit fast ausschließlich ehrenamtlich geprägt. Die erste professionell betriebene Einrichtung – die „Tagesbildungsstätte für geistig behinderte Kinder“ in Oedt, wurde 1969 eröffnet. Aus ihr gingen später die integrativen Familienzentren St. Christophorus in Dülken und St. Clemens in Süchteln hervor.

Mit Leonhard Paschmanns gab es den ersten hauptamtlichen Geschäftsführer und 1974 folgte unter dem Namen „Caritasverband für die Region Kempen-Viersen e.V.“ eine neue Satzung.

Über all die Jahre hat der Caritasverband sein Angebot kontinuierlich erweitert. Heute sind 580 hauptamtliche und rund 340 ehrenamtliche Mitarbeiter im Einsatz. „In mehr als 30 Einrichtungen und Diensten unterstützen wir pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige, Familien, überschuldete Frauen und Männer, ehrenamtlich Engagierte, Trauernde sowie Senioren bei der Lebensgestaltung im Ruhestand“, erklärt Peter Babinetz. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Pflege von alten und kranken Menschen in der Region: Der Caritasverband unterhält sechs Pflegestationen, vier Tagespflegen und drei Altenheime.

Vielfältig engagiert ist der Caritasverband auch in den Bereichen „Familie und Erziehung“ sowie „Caritas in Gemeinden“. Ein Meilenstein war die Eröffnung des neuen Hauses der Caritas 2010 an der Heierstraße, das heute Geschäftsstelle, Mehrgenerationenhaus, Caritas-Pflegestation, Beratungsstellen, neun Senioren-Appartements im Rahmen des Betreuten Wohnens und die Senioreneinrichtung Paulus-Stift beheimatet.

Für die Zukunft gerüstet hat sich der Caritasverband für die Region mit der neuen Ausbildungsstätte, der Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe Viersen GmbH (AGP), die gemeinsam mit dem Allgemeinen Krankenhaus Viersen und dem St. Irmgardis-Krankenhaus Süchteln gegründet wurde. Babinetz: „Wir wollen regional ausbilden, um auch unsere Mitarbeiter in der Region zu halten.“ Zurzeit habe man über 50 Azubis, die einen Beruf beim Caritasverband erlernen.

Sowieso wolle man sich als attraktiver Arbeitgeber weiter entwickeln und die Mitarbeiter stark im Blick halten. „Wir beschäftigen uns intensiv mit einer Personalpolitik, die stärker auf die verschiedenen Lebensphasen von Mitarbeitenden eingeht und ihre Bedürfnisse mehr in den Blick nimmt“, berichtet Christian Schrödter.

Schrödter weiter: „Der Kern unserer Arbeit ist aber über 100 Jahre unverändert geblieben: Wir sind vor Ort für die Menschen in Not da“ Über die dabei stattfindenden Begegnungen will der Verband auch auf seiner Website und in den sozialen Medien erzählen. Erzählen kann darüber auch Sandra Kessel. Die 24-jährige Altenpflegerin hat ihre Ausbildung 2018 abgeschlossen und kümmert sich um die Bewohner des Paulus-Stift. „Nicht jeder Tag ist gleich, es gibt immer wieder neue Herausforderungen, aber ich habe meine Arbeit noch nie bereut“, sagt Kessel, die sich zur Praxisanleiterin weiter gebildet hat. „Auf der Station ist es manchmal, wie nach Hause zu kommen“, schwärmt sie für ihren Beruf.