: Wenn der Hausarzt fehlt

Was tun, damit die Hausarztpraxis im Ort nicht leer steht? – Eine gute Gesundheitsversorgung ist für jede Region und ihre Bürgerinnen und Bürger von großer Bedeutung. Doch bereits heute gibt es zahlreiche freie Arztsitze im Kreis Viersen, perspektivisch kommen weitere hinzu. Damit zeichnen sich bereits jetzt Engpässe in der hausärztlichen Versorgung ab.

Deshalb macht sich der Kreis Viersen auf den Weg, in Ergänzung zu den Maßnahmen des Landes NRW und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, auch eigene Strategien zu entwickeln, um die ambulante gesundheitliche Versorgung im Kreisgebiet sicherzustellen. Um solche Strategien ging es bei einer Fachtagung im Forum des Kreishauses unter dem Titel „Diagnose: Hausarztmangel – Wege zur Sicherung der ambulanten medizinischen Versorgung im Kreis Viersen“.

Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Ärzteschaft, medizinischer Fachberufe sowie aus Politik und Verwaltung aus dem Kreisgebiet nutzten die Gelegenheit, um sich über den aktuellen Stand der hausärztlichen Versorgung im Kreis Viersen, Prognosen und Maßnahmen des Landes und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein zu informieren. Über allem stand die Frage, wie mehr junge Ärztinnen und Ärzte für eine Tätigkeit auf dem Land gewonnen werden können und wie auch mit einer perspektivisch geringeren Zahl an hausärztlichen Niederlassungen die ambulante gesundheitliche Versorgung im Kreis Viersen sichergestellt werden kann. Beispiele aus anderen Regionen gaben dazu Impulse und Denkanstöße.

Fachtagung zur Sicherung der ambulanten
Gesundheitsversorgung
im Kreis Viersen

So stellte Dr. Thomas Aßmann, Hausarzt aus Lindlar und Geschäftsführer der TAG TeleArzt GmbH, die Möglichkeiten der Telemedizin zur Entlastung von Allgemeinmedizinern vor. Dr. Michael Jager, Allgemeinmediziner und Vorstandsvorsitzender der Eifler Ärzte eG, erläuterte das Genossenschaftsmodell der Medicus Eifler Ärzte eG. Durch den Zusammenschluss ländlicher Hausarztpraxen zu einer Genossenschaft wird die Zusammenarbeit der örtlichen Praxen untereinander gestärkt: Junge Ärztinnen und Ärzte sind bei der Genossenschaft angestellt und in ländlichen Praxen eingesetzt. Anne Gebert vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. referierte zum Evaluationsbericht des Projektes „Gemeindeschwester plus“, in welchem sehr erfolgreich sogenannte Gemeindeschwestern ältere Menschen in vornehmlich ländlichen Regionen in Rheinland-Pfalz besuchen, beraten und in ihrem Alltag unterstützen.

In der anschließenden „Sprechstunde“ konnte sich das Publikum mit Hilfe einer interaktiven Präsentationssoftware mittels Smartphone direkt an der Diskussion des Podiums beteiligen, Fragen stellen und Denkanstöße geben.

Landrat Dr. Andreas Coenen zieht eine positive Bilanz: „Fragt man die Menschen, welche Infrastruktureinrichtungen ihnen wichtig sind, steht die Gesundheitsversorgung stets ganz weit oben. Wir müssen alles uns mögliche tun, um die ambulante medizinische Versorgung im Kreisgebiet auch zukünftig zu gewährleisten.“

„Wir fühlen uns darin bestärkt, uns im Rahmen der Kommunalen Gesundheitskonferenz dieses wichtigen Themas angenommen zu haben“, ist Gesundheitsdezernentin Katarina Esser überzeugt. „Wir sind mit unseren ersten Überlegungen zur Anwerbung von Ärztinnen und Ärzten für das Kreisgebiet Viersen auf einem guten Weg, den wir gemeinsam mit den Mitgliedern der Kommunalen Gesundheitskonferenz engagiert weiterverfolgen werden.“

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