: Die Großchance verwandeln

Auf dem Gelände der ehemaligen Javelin Barracks in Elmpt soll in den nächsten zehn Jahren ein Logistik- und Leichtindustriepark entstehen, der für den Kreis Viersen und darüber hinaus prägend wie kaum ein anderes Projekt sein könnte.

Fast genau vor einem Jahr begann das Bieterverfahren, über das ein Investor gefunden werden sollte, der das Projekt am ehemaligen Elmpter Militärflughafen umsetzen soll. Jetzt hat sich die EGE – die Energie- und Gewerbepark Elmpt mbH – für einen Kandidaten und dessen Angebot entschieden. „Um eine Fußballmetapher zu verwenden: Wir sind kurz davor, diese Großchance zu verwandeln“, zeigte sich Landrat Dr. Andreas Coenen, Aufsichtsratsvorsitzender der EGE, jetzt mehr als optimistisch, das Projekt, welches schon seinen und den Vorgänger von Niederkrüchtens Bürgermeister Karl-Heinz Wassong beschäftigt hat, endlich auf den Weg zu bringen. Auch Wassong, der den stellvertretenden Vorsitz bei der EGE inne hat, sagte: „Wir freuen uns sehr, dass es losgeht. Es wird endlich fassbar.“ Das Projekt umfasse ein Investitionsvolumen im mittleren dreistelligen Millionenbereich, wie EGE-Geschäftsführer Ingo Schabrich bestätigte.

Der Entscheidung für den Investor – ein laut EGE „erfahrener, europaweit tätiger Immobilieninvestor, Projektentwickler und Vermögensverwalter“ – ging ein langer Prozess voraus, wie Schabrich rekapitulierte. Viele Fragen, etwa zu Finanzkraft, Umsetzungssicherheit, Nachhaltigkeit, aber auch Bedingungen der BIMA, die noch Eigentümer der Liegenschaft ist, mussten geklärt werden, bevor der Verbund aus Wirtschaftsförderung, Kreis und Gemeinde „guten Gewissens diesen Elfmeter verwandeln“ konnte, wie Schabrich es ausdrückte. Der Name des Investors soll voraussichtlich Ende des Monats bekannt gegeben werden, aktuell laufen die letzten Detailgespräche vor der Vertragsunterzeichnung.

Die „Brüggen School“ auf dem Areal der Javelin Barracks wie auch die anderen Gebäude stehen jetzt schon einige Jahre leer und werden dem Gewerbegebiet weichen. Foto: Yvonne Simeonidis

Einer der ausschlaggebenden Faktoren, die zur Entscheidung für diesen und gegen die anderen Investoren führte, war, dass es sich hier um jemanden handele, der „kauft, um zu halten“ (Landrat Coenen) und auch ökologische Nachhaltigkeit im Blick hat, was Art und Weise der Bebauung und Nutzung des Geländes betrifft.

Von den insgesamt 880 Hektar des Militärareals gehen zunächst 250 zurück an die Bundesstiftung Umwelt und werden somit in die „Schatzkiste Naturschutz“ gepackt, wie Landrat Dr. Andreas Coenen es formulierte. Weiter sollen im Bereich der Start- und Landebahn Anlagen für Solar, Wind und Wasserstoff entstehen. Nach aktuellem Stand wäre dies das größte Vorhaben dieser Art in NRW und das zweitgrößte bundesweit. Der Golfplatz im Süden wird erhalten und voraussichtlich erweitert, die Erreichbarkeit verbessert.

Der Logistik- und Leichtindustriepark (blau eingezeichnet) soll im nördlichen Teil des Geländes des ehemaligen Militärflughafens Elmpt entstehen. Foto: EGE

Durch Rückbau und Entsiegelung soll der Natur mehr Raum gegeben werden, die alten Hangars rund um die Landebahn sollen geöffnet und als Rückzugsort für Fledermäuse dienen. Mit Abstand zu Start- und Landebahn wird im südlichen Teil des Militärgeländes ein Vogelschutzgebiet eingerichtet.

Schon jetzt ist deutlich, wie schnell sich die Natur das Gebiet zurückholt. Damwild streift frei durch die dichten Wälder und auch im Bereich der ehemaligen Militärunterkünfte ist zu erkennen, dass seit Abzug der Briten der Natur freien Lauf gelassen wurde. Der alte Baumbestand rund um die Quartiere soll zumindest in Teilen erhalten werden und für den Part, der weichen muss, Ersatz gepflanzt werden.

Der „Entree-Bereich“ – auf etwa 15 Hektar – an der Nordost-Spitze des Areals, wird dem lokalen Bedarf der Gemeinde und kleineren und mittelgroßen Betrieben vorbehalten sein. Auf den übrigen für den Logistik- und Leichtindustriepark vorgesehenen 141 Hektar ist Raum für Unternehmen ab zehn Hektar Größe.

Das voraussichtlich größte Gewerbe- und Industriegebiet NRWs soll perspektivisch etwa 5.000 neue Arbeitsplätze schaffen – plus weitere 3.500 bei Zuliefererunternehmen. Durch die insgesamt 8.500 neuen Arbeitsplätze – wohlgemerkt auf allen Qualifikationsebenen, wie WFG- und EGE-Geschäftsführer Dr. Thomas Jablonski betonte – erhoffen sich Gemeinde und Kreis neben einer positiven Entwicklung der Steuerkraft in etwa zehn bis 15 Jahren, auch einen deutlichen Zuzug in den Kreis und die Gemeinde. „Wir sind uns bewusst, dass dies eine Herausforderung an die Infrastruktur bedeutet“, gibt Landrat Dr. Andreas Coenen zu. Jedoch wolle man es vorrangig als Chance betrachten.

Anfragen an die umliegenden Gemeinden und Städte zu Kapazitäten wurden bereits gestellt, bestätigte Niederkrüchtens Bürgermeister Karl-Heinz Wassong. Aktuell müsse man sich darauf konzentrieren, da im Wohnbaumanagement der Bezirksregierung noch keine weiteren Wohnflächen in Niederkrüchten vorgesehen seien.

Der Spatenstich werde voraussichtlich 2023 erfolgen, so EGE-Geschäftsführer Tobias Hinsen. Sobald der Vertrag unterschrieben ist, soll eine Informationsveranstaltung stattfinden, bei der die Bürger umfassend über die Pläne informiert werden. „Wir halten unser Versprechen aus dem Januar und werden gemeinsam mit dem Käufer alle Fragen rund um das Entwicklungskonzept und den weiteren Prozess beantworten“, kündigten die EGE-Geschäftsführer an. Inwiefern die Veranstaltung in der Begegnungsstätte oder digital stattfinden wird, hängt von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab.