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Absturz im Zweiten Weltkrieg: Suche nach verschollenem US-Piloten

Absturz im Zweiten Weltkrieg : Suche nach verschollenem US-Piloten

Auf einem Feld am Deichweg in Brüggen suchen derzeit eine amerikanische Archäologin und ihr Team nach Überresten eines Jagdflugzeugs, das im Zweiten Weltkrieg dort abgeschossen worden sein soll.

Es mutet seltsam an — auf dem Feld am Deichweg stehen Holzgestänge, in denen Menschen Erde durchsieben. Ringsherum stecken bunte Fähnchen im Acker. Das hat mit Landwirtschaft nichts zu tun, hier wird archäologische Arbeit geleistet.

Dr. Penny Minturn und ihr Team sind für die Defense POW/MIA accounting agency (DPAA) im Einsatz. Die Archäologin ist die einzige Zivilistin im Team, alle anderen sind Militärangehörige. Die DPAA sucht weltweit nach vermissten Flugzeugen und verschollenen amerikanischen Soldaten.

Einen ersten Hinweis darauf, dass ein amerikanisches Jagdflugzeug im Januar 1945 hier abgeschossen worden sein könnte, gab es im Jahr 2005, wie die Archäologin weiß. Die Teams der DPAA arbeiten "blind". Das bedeutet, die Voruntersuchungen, Gespräche mit Zeugen, Suche in Archiven — das haben Historiker gemacht. Sie als Archäologin kennt nur die Fakten, die sie wissen muss, um sauber wissenschaftlich zu arbeiten.

Ein Absturz im Januar 1945. Zeugen, deren Aussagen gewichtet werden müssen — danach, über wie viele Stationen das Geschehene weitererzählt wurde. Klar scheint zu sein, dass es einen Absturz gab, und dass Menschen, die zwei Tage später an der Absturzstelle waren, vor einem riesigen, bereits völlig mit Wasser gefülltem Krater standen. Klar ist auch, dass es eine amerikanische Maschine gibt, die seit genau diesem Tag vermisst wird. Dass dieses Flugzeug in der Region war, dass vieles zusammenpasst.

Aber Dr. Minturn bleibt skeptisch. Zu oft hat sie schon erlebt, dass am Ende doch alles ganz anders war. Dass ihr Team nichts fand — oder etwas völlig anderes. Einmal waren es am Ende Teile einer deutschen Maschine, obwohl alles darauf hindeutete, dass hier ein amerikanisches Flugzeug zu finden sein würde.

"Es geht um die Hoffnung der Familien, die aufkommt, wenn sie hören, dass wir suchen — und darum, wie sehr sie enttäuscht werden könnte", sagt sie leise, aber sehr bestimmt.

Wer die Maschine flog, die man in Brüggen vermutet, ist bekannt. "Wir haben speziell ausgebildete Teams, die mit den betroffenen Familien sprechen — dann, wenn wir ihnen Gewissheit geben können", erklärt die Archäologin. Deshalb möchte sie nicht, dass der Name des vermissten Majors über das Internet verbreitet und vielleicht irgendwie bei seinen Verwandten ankommen könnte.

Denn niemand kann Einfluss darauf nehmen, wie es weitergeht. Zehn Tage sind für diese erste Suche veranschlagt, am kommenden Dienstag wird das Team definitiv die Zelte in Brüggen abbrechen. Ob dann später ein anderes Team weitersuchen wird, und wenn ja, wann das sein wird, ist völlig unklar. Mit einem Punktesystem, das unter anderem berücksichtigt, wie viele Tote gefunden werden könnten, in welchem Verwandtschaftsgrad noch Angehörige leben und wie die Aussichten auf Erfolg im Verhältnis zu den Kosten stehen, wird entschieden, in welcher Reihenfolge wo auf der Welt nach Vermissten gesucht wird.

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Als das Team am Montag mit Metalldetektoren im Einsatz war, habe ein Fahrradfahrer angehalten, der gesagt habe: "Ihr sucht an der falschen Stelle." Nach den Erzählungen seiner Eltern müsse die Absturzstelle etwa 200 Meter entfernt liegen. Dass der Metalldetektor trotzdem viele Stellen auf dem Feld als mögliche Fundstellen angezeigt habe, heiße noch gar nichts. Nägel, Teile von Traktoren und Pflügen, Metallschrott, der mit irgendwelchem andere Schutt im Laufe der Jahre untergepflügt wurde — es gebe viele Möglichkeiten, worum es sich handeln könne. Bei den wenigen verrosteten Stücken, die bis jetzt aufgetaucht seien, ergebe sich noch kein Bild, ob sie von einem Flugzeug stammen könnten oder nicht.

Im Jahr 2005 habe sich jemand namens Hans-Günther — den Nachnamen kenne sie nicht — gemeldet, der sich hobbymäßig mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs in der Region beschäftige. Er habe Informationen zusammengetragen gehabt. Die waren der Einstieg in die Recherche der DPAA.

Nachdem auch mit dem Landwirt, der das Feld bewirtschaftet, alles geklärt worden war, wird nun gegraben. Die oberen Erdschichten werden durchgesiebt und zur Seite gelegt. Denn sie sollen nach Abschluss der Arbeiten auch wieder oben sein. "Sonst wächst hier kein Korn mehr", sagt Sergeant First Class Marianne Salcepuedes, der Teamleiter, den alle nur "Sal" nennen (und wirklich "Marianne" heißt). Er kommt genau wie die Archäologin aus Hawaii, die anderen teilweise auch. Teilweise sind sie aber auch auf europäischen Militärbasen wie Rammstein stationiert. Fünf bis sieben Wochen dauern ihre Missionen überall in der Welt. Dabei werden jeweils mehrere mögliche Absturzorte bearbeitet. Und alle hoffen, dass am Ende ein Schicksal geklärt ist und eine Familie weiß, was mit ihrem Angehörigen geschehen ist.

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