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Verein für Heimatpflege Viersen mit Ausstellung über Rintgen

Neue Ausstellung : Rintgen im Wandel der Zeit

Kein anderer Ortsteil ist in der Zeit seines Bestehens dem Wandel derart massiv ausgesetzt gewesen wie Rintgen. Dem Stadtteil widmet der Verein für Heimatpflege Viersen seine 14. Ausstellung, die am heutigen Sonntag um 11 Uhr Eröffnung feiert.

„Flanieren Sie in vergangenen Zeiten durch Rintgen“ – das offeriert Kurator Dr. Alexander Grönert den Besucher*innen der 14. Ausstellung des Vereins für Heimatpflege Viersen „Rintgen – Entwicklung eines Viersener Stadtteils“, die am heutigen Sonntag, 12. September, im „Viersener Salon“ eröffnet wird.

„Sie sollen sich so fühlen, als wären Sie gerade aus dem Alten Bahnhof heraus getreten und erblicken den schönen barocken Stadtgarten, schlendern die alte Casinostraße entlang“, lädt Albert Pauly, Vorsitzender des Verein für Heimatpflege Viersen zur neuen Ausstellung ein. Das Entrée, mit dem sich Viersen damals Anfang des 20. Jahrhunderts präsentierte, soll auch nun die Besucher*innen empfangen.

Der Vorhang sollte aufgehen und man soll Viersen in den 1910er- und 1920er-Jahren als reiche Stadt entdecken, erklärt Dr. Alexander Grönert die Idee hinter der Ausstellung, „die die Geschichte abrollen lässt“.

„Das Stadtmodell haben wir in der Stadtverwaltung in Einzelteilen aus Kartons geholt und in akribischer Arbeit zusammen gesetzt“, erklärt Dr. Albert Pauly das Prunkstück der neuen Ausstellung „Rintgen - Entwicklung eines Viersener Stadtteils“. Das Stadtmodell von Viersen nimmt einen großen Teil in der Mitte des „Viersener Salons“ an der Gerberstraße ein. „Es soll zu Diskussionen nach dem Motto ’wo ist denn das?’ provozieren“, erläutert der Vorsitzende des Heimatvereins.

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf größtenteils unveröffentlichten Fotografien und umfasst Postkarten, Stadtpläne, Karten und Werbeanzeigen in Verbindung mit weiteren Ausstellungsobjekten, die den Wandel des Stadtteils Rintgen im Laufe der Zeit illustrieren. „Die Besucher*innen sollen quasi wie auf einem Spaziergang vom Alten Bahnhof vorbei am Stadtgarten bis zum Gereonsplatz flanieren“, wünscht sich Kurator Dr. Alexander Grönert.

Station wird natürlich auch am alten evangelischen Friedhof gemacht. „Hier sind viele Industrielle begraben“, erläutert Grönert und weist auf einen der drei Touchscreens hin. Hier können Besucher*innen noch mehr erfahren über die Grabstätten der bekannten Familien. Ein weiterer Film lädt dazu ein, tiefer in die Zeit einzutauchen.

Dann geht es vorbei an Exponaten aus dem eher unbekannten Boxclub in Viersen, Pokalen vom Rennradfahrer Heinz Lankes, am Schützensilber der Bruderschaften St. Gereon und St. Josef und an der Trommel  der Bürgerwehr von Rintgen von 1848. Auch in die Geschichte des Seifenkistenrennens darf eingetaucht werden. Grönert: „Da freue ich mich besonders über eine Leihgabe des Museums Dorenburg in Grefrath.“ So manch einer kann sich vielleicht doch an die Bäckerei Siemes oder an das Hutgeschäft von Peter Abrahams erinnern. „Das wird ganz spannend, einerseits ist die alte Zeit entfernt, aber doch auch so vieles ganz nah“, erklärt der Kurator, dem es besonders Spaß gemacht hat, die Litfaßsäule mit über 60 teils heute amüsant wirkenden Werbematerialien zu bestücken. Auch Stefan Vander von der Viersener Sparkassenstiftung, Unterstützer des Viersener Salons, ist begeistert von der Ausstellung.

  • Dr. Albert Pauly (Vorsitzender Heimatverein), Autor
    Ausstellung in der Villa Marx : „Goldene Jahre“ mit viel Prominenz
  • Das Cover der DVD-Box.⇥Foto: Verein für
    Heimatgefühl : Viersener Kirchen und ihre Geschichte Viersener Kirchen und ihre Geschichte
  • Präsentierten den Kalender (v.l.): Christoph Hölters,
    Neuer Wand-Kalender : Parks in Szene gesetzt

Wer Lust auf mehr bekommen hat, dem sei das Begleitbuch der Ausstellung, zweite Buch über Rintgen, empfohlen. Über mehrere Jahre hat der Arbeitskreis Bildrecherche und -dokumentation des Vereins Quellen gesichtet und eine umfangreiche Dokumentation erarbeitet. „Das Buch erscheint im Oktober in einer Auflage von 1250 Stück. Es hat 720 Seiten und über 730 hauptsächlich unveröffentlichte Bilder“, sagt Frank Brüggen, Leiter des Arbeitskreises Bildrecherche und -dokumentation.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Rintgen zur einwohnerstärksten Honschaft auf dem heutigen Viersener Stadtgebiet. Viele bedeutende Handelsfirmen und Textilunternehmungen ließen sich nieder. Deswegen erhielt Viersen schon 1849 einen eigenen Eisenbahnanschluss, bald wurde in Rintgen der erste Viersener Bahnhof errichtet. Später kamen Wasserwerk, Elektrizitätswerk, Hallenbad und Straßenbahnnetz hinzu. Die wirtschaftliche Blüte Viersens zeigte sich hier an der Errichtung vieler stuckverzierter Häuser und führte um 1900 zur Eröffnung von Kinos, Gasthäusern und sogar Varietés. In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 begann der Niedergang...