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Besuch in Willichs Partnerstadt Smiltene in Lettland.

Besuch bei Freunden : Ein Region voller Pläne

Erneut kurz, aber ebenfalls wieder sehr intensiv war jetzt der Besuch von Bürgermeister Christian Pakusch im lettischen Smiltene: Pakusch war auf Einladung der Lettischen Stadtspitze mit Pressesprecher Michael Pluschke und Nicole Götz, bei der Stadt für den Bereich der Städtepartnerschaften zuständig, in den Nordosten Lettlands, rund 50 Kilometer vom nördlicher gelegenen Estland entfernt, gereist.

Bei den sehr intensiven Gesprächen – im Wesentlichen mit Bürgermeister und Verwaltungschef Edgars Avotiòð, Verwaltungsdirektor Andris Lapiòð, Planungs- und Entwicklungschef Mârtiòð Ulânsui sowie Marada Murniece, in Smiltene unter anderem fürs Marketing zuständig, - standen die mannigfaltigen Entwicklungen der Region im Mittelpunkt: erledigte, aktuelle und perspektivisch anstehende.

Schnell wurde dabei deutlich, dass die zentralen Fragen sich in den Städten Linselles und Willich erstaunlich ähneln. Nach wie vor ist Corona mit all seinen Begleiterscheinungen ein Thema, auch die durch den Klimawandel verursachte Trockenheit und Veränderungen der Natur spielen eine Rolle, aber vor allem die Bedrohungen und Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem kriegerischen Überfall Putins auf die Ukraine sorgen in beiden Städten für Sorgen – wobei das lange sehr russisch geprägte Lettland wie die beiden anderen baltischen Staaten Estland und Litauen als direkter Nachbar Russlands respektive Belarus die Aggression natürlich deutlich direkter und unmittelbarer erlebt als Deutschland.

Pakusch und seine kleine Crew waren erneut von den Entwicklungen in Smiltene auf den verschiedenen Gebieten sehr beeindruckt. Smiltene selbst war im letzten Jahr im Rahmen einer Art Gemeindereform zur „Hauptgemeinde“ und zum Verwaltungszentrum einer größeren Region geworden; unter anderem wurden Ape, Rauna, Trapene, Gaujiena, Viresi, Grundzale, Palsmane, Varini, Drusti, Launkaine, Blome, Bilska, Vidzeme und Kalnamuiza „eingemeindet“. Ein großes, flächiges und landschaftlich unglaublich reizvolles und nicht sehr dicht besiedeltes Gebiet: Anfang April lebten dort knapp 19.000 Menschen (rund 6000 davon in Smiltene selber). Wie die Willicher erfuhren, gibt es im Areal rund 1260 Unternehmen, 55 davon machen einen Umsatz jenseits der Grenze von einer Million Euro. Schwerpunkte im unternehmerischen Bereich sind vor allem Wald- und Forstindustrie, Firmen im Bausektor und natürlich landwirtschaftliche Aktivitäten. Sehr interessant war in diesem Zusammenhang auch der Besuch der Cidre-Manufaktur und Mosterei Abuls: Hier wird mit viel Herzblut und Liebe zum Produkt an der Weiterentwicklung der Qualität und diverser Varianten in Sachen Cidre gearbeitet – nicht auf Umsatz und Menge, sondern auf Quali- und Originalität liegt das Augenmerk des „Winzers“ Janis Matvejs, der am Stadtrand von Smiltene im Oberlauf des Abula-Flusses eine der ältesten und auch kleinsten Cidre-Mostereien in Lettland betreibt. Nebst Apfelgarten mit rund 400 typischen Apfelbaumsorten und selbst ausgewählten, für Cidre geeigneten Wildapfelbäumen. Ein faszinierendes Stück Smiltene, ebenso das Smiltener „Stonehenge“: Hier hat man die Ruinen einer verfallenen Stallung auf einem freien Kornfeld gesichert und so einen reizvollen Treffpunkt mit einem wunderbaren Ausblick geschaffen.

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Als übergeordnete, strategische Ziele stehen, wie der Delegation erläutert wurde, in Smiltene eine sozial aktive, gut ausgebildete und inklusive Gesellschaft im Fokus, außerdem eine dynamische und auch international wettbewerbsfähige Firmenstruktur und sowie eine nachhaltige und gesunde Umwelt. An konkreten Projekten steht als nächstes der Aufbau – und Ausbau von Industriegebieten in Rauna und Ape an, die Weiterentwicklung einer „Leichtindustrie und Wohnungsareals im Norden Smiltenes selber und ein sehr ambitioniertes Projekt am Ufer des Sees im zentralen Park: Hier soll in einer idyllisch gelegenen, ehemaligen Fabrik ein kombiniertes „Kreativ-Quartier“ entstehen – derzeit laufen die dazu passenden Ideen-Wettbewerbe.

Außerdem stehen, so erfuhr die Willicher Delegation weiter, unter anderem der Abschluss der der institutionellen Anpassungen nach der Regionalreform, die Anpassung an die – dort wie hier - schnell wachsenden Kosten für Waren, Dienstleistungen und Energieressourcen auf der Agenda sowie der Aufbau eines Kooperationsmodells zwischen Unternehmern und Gemeinde sowie nicht zuletzt die Unterstützung der auch nach Lettland vor den russischen Bomben geflohenen ukrainischen Bevölkerung durch die Gemeinde Smiltene.

Ein engagiertes Programm, von dem sich nicht nur Bürgermeister Christian Pakusch mehr als beeindruckt zeigte: „Es ist nicht nur bemerkenswert, was hier in den letzten Jahren alles geschafft und umgesetzt worden ist – sondern auch, welche ambitionierten Ziele sich das Team gesetzt hat. Das hat absolut was Inspirierendes.“ Was Pressesprecher Pluschke nur ergänzen konnte: Lettland, Riga und speziell Smiltene seien auf alle Fälle „nicht nur wegen der beeindruckenden Schönheit und Weite der Landschaft, sondern auch wegen der dort lebenden, positiven und freundlichen Menschen jederzeit eine Reise wert.“

Pakusch betonte, dass ihm der regelmäßige Austausch mit Smiltene schon allein unter dem Gesichtspunkt eines lebendigen, konkret ge- und erlebten Europas sehr am Herzen liege: Nicht erst die jüngsten kriegerischen Entwicklungen in Europa hätten gezeigt, dass man für ein friedliches, freies Europa Initiative zeigen müsse – die „wachsende Freundschaft zwischen Smiltene und Willich“ sei „dafür ein ebenso konkretes wie herausragendes Beispiel.“

Abgerundet wurde der Kurzbesuch der Delegation schließlich von einer gemeinsamen Feier mit einer größeren Gruppe des agilen Neersener Deutsch-Lettischen Freundeskreises (DLFK), die derzeit ebenfalls für einen längeren Besuch vor Ort ist. In deren Rahmen wurde im Kulturzentrum von Smiltene Wolfgang Brock, der an der Wiege des deutsch-lettischen Freundschaftskreises stand und nach wie vor als dessen Spiritus Rektor fungiert, besonders geehrt: Unter anderem mit sehr emotionalen Ansprachen, verschiedenen Gesangs- und Tanzbeiträgen des traditionellen Chores Pakalni und einer durch Bürgermeister Edgars Avotiòð verliehenen, stattlichen Urkunde, die die Verdienste Brocks um die Beziehungen zwischen Lettland und Deutschland, im Besonderen zwischen Smiltene und Willich würdigten.