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Das Regenrückhaltebecken von Willich wurde ausgepumpt

Hochwasser in Willich : Erst die Wiesen, dann die Felder

Das waren nervenaufreibende Stunden für die 80 Einsatzkräfte, die in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag am Willicher Regenrückhaltebecken gegen die Fluten kämpften. Doch am Ende hatte sich alle Mühe gelohnt.

Besorgt schaut Bürgermeister Christian Pakusch auf das Regenrückhaltebecken. Was auf den ersten Blick wie ein idyllischer See wirkt, soll die Stadt Willich im Notfall bei Starkregen - wie wir ihn dieser Tage hatten - vor Überschwemmung und Überflutung schützen. „Es war wichtig, dass wir vor die Lage kommen“, erklärt Christian Pakusch im Gespräch mit dem Extra-Tipp. „Vor die Lage“ - das bedeutet, dass es gar nicht erst dazu kommen sollte, dass das Becken voll- beziehungsweise überläuft.

Was war passiert? Erstmal nur Regen. Regen und noch mehr Regen. Am Mittwoch um 12.07 Uhr ging beim Löschzug Neersen die erste Alarmmeldung ein: „Keller unter Wasser“.

„Es war jedoch nicht so dramatisch wie man es aus Bildern aus Hagen, Stolberg oder Erftstadt gesehen hat“, erklärt Lars Greiner, Pressesprecher der Feuerwehr Willich. Trotzdem galt ab da an Alarmbereitschaft für die Willicher Feuerwehr. Das in Anrath stationierte Löschfahrzeug Katastrophenschutz mit sechs Mann Besatzung wurde um 15 Uhr zum Sammelpunkt verschiedener Wehren nach Krefeld abberufen. Dort hatten sich 40 Fahrzeuge und knapp 140 Feuerwehrleute aus Viersen, Krefeld und Mönchengladbach gesammelt, um dann koordiniert im gesamten Gebiet zu helfen.

Zurück zum Regenrückhaltebecken, das in Münchheide rückseitig der Anrather Straße liegt. „Das Becken drohte voll zu laufen - hier galt es nun schnell zu handeln“, erzählt Greiner. Das Regenrückhaltebecken ist ein künstlich angelegtes Rückhaltebecken, um kurzfristig in großen Mengen anfallendes Niederschlagswasser vorübergehend zu speichern, damit es verlangsamt in den nachfolgenden Vorfluter (Entwässerungskanal) eingeleitet werden kann. In willich drohte es nun aufgrund des Starkregens über zulaufen. Das hätte zu Überschwemmungen führen können. Knapp 80 Einsatzkräfte - die Feuerwehr Willich, das THW aus Krefeld, das DRK kümmerte sich um die Versorgung der Einsatzkräfte - waren darum bemüht, das Schlimmste abzuwenden. Bürgermeister Christian Pakusch machte sich selbst vor Ort ein Bild von der Lage. „Wir mussten das Überlaufen des Beckens stoppen“, so der Bürgermeister. Mittels einer sogenannten Goliath-Pumpe, die eigens aus Oberhausen geholt wurde, konnte das Wasser in die umliegenden Wiesen und Felder gefördert werden. „Erst die Wiesen, dann die Felder - so war die Reihenfolge festgelegt“, schildert Bürgermeister Pakusch. Bei den tausenden von Litern Wasser, ist das umliegende Gelände nun durchtränkt und matschig.

Doch nur so ließ sich eine größere Katastrophe für Willich abwenden. Darin sind sich Bürgermeister Pakusch, Lars Greiner aber auch die übrigen Einsatzkräfte sicher. „Was die Einsatzkräfte hier geleistet haben ist unglaublich. Ich danke allen, die bei diesem Einsatz mitgeholfen haben. Gemeinsam konnten wir so das Schlimmste abwenden“, ist sich Christian Pakusch sicher. Der Einsatz endete für alle Beteiligten in der späten Nacht.