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: Projekte der Leprahilfe Schiefbahn

: Projekte der Leprahilfe Schiefbahn

Während in Deutschland Kontaktsperren, Sicherheitsabstände und verschärfte Hygienemaßnahmen zu den Vorschriften zur Eindämmung der Corona-Pandemie gehören, gibt es in vielen Ländern, in denen die Aktion Mission und Leprahilfe Schiefbahn Projekte unterstützt, weder sauberes Trinkwasser und schon gar nicht die Möglichkeit zum Händewaschen.

Viele Menschen leben in Slums auf allerengstem Raum mit ungenügenden Hygienebedingungen. Deutschland verfügt über ein ausgesprochen gutes Gesundheitssystem – in den meisten Gegenden der Partnerländer gibt es noch nicht einmal Krankenhäuser sondern im besten Fall „Gesundheitszentren“, die Untersuchungen durchführen und Medikamente verteilen können –Intensivbetten oder Beatmungsgeräten gibt es allerhöchstens in den Hauptstädten.

Die Aktion Mission und Leprahilfe hat einige Projektpartner gebeten, kurz über die Lage im Land zu berichten:

Indien (Dr. Remy Rousselot): Seit dem 22. März gibt es eine dauernde Ausgangssperre. In Odisha und Bhubaneswar wird diese vom Militär überwacht, um die Übertragungskette des Virus zu unterbrechen. Bei einem positiven Testergebnis wird die ganze Nachbarschaft des Erkrankten von der Polizei abgeriegelt und Gesundheitsbeamte untersuchen alle Anwohner. Das Leprakrankenhaus Ghandiji Seva Niketan liegt nur 500 Meter von einer solchen Zone, die unter kompletter Quarantäne steht, entfernt. Einer der größten Slums von Bhubaneswar mit circa einer Millionen Bewohnern liegt ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses – dort gibt es sicherlich viele Infizierte, die bisher noch nicht getestet wurden. Kama und Dr. Rousselot betreuen die Kranken im Hospital regelmäßig, allerdings finden zur Zeit keine Operationen statt, denn neue Leprakranke können das Krankenhaus nicht erreichen, weil keine Verkehrsmittel unterwegs sind.

Uganda (Fr. Godwin Ogam): In Uganda herrscht totale Ausgangssperre, nur einige Regierungsfahrzeuge sind unterwegs, für Tagelöhner gibt es kein Einkommen und somit keine Möglichkeit, Nahrung oder Medikamente zu kaufen. Die Regierung versucht, die Ärmsten mit Bohnen und Maismehl zu versorgen, erreicht aber nur einen kleinen Teil der Bedürftigen. Die Belastung für die Bevölkerung wird sehr schnell unerträglich, da das Land ohne eigenen Hafen von den Gütern des Transitverkehrs der LKWs und Busse lebt. Viele Menschen wissen nicht, wie sie die nächsten Tag überleben werden.

Kenia (Fr. Raphael Mangiti): Die Vorschriften sind ähnlich wie in Deutschland – zusätzlich herrscht hier die Pflicht zum Tragen von Gesichtsmasken. Die Preise für diese Masken sowie für Desinfektionsmittel sind drastisch angestiegen, so dass der größte Teil der Bevölkerung finanziell nicht in der Lage ist, sich auf diese Weise zu schützen. In den großen Slums (mehr als 60 Prozent der Bevölkerung der Hauptstadt Nairobis leben in Slums, die weniger als zehn Prozent der Stadtfläche ausmachen) ist es nicht möglich, Abstand voneinander zu halten und die Hände immer wieder zu waschen, da nicht ausreichend Wasser zur Verfügung steht.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen auf ein Land, welches zusätzlich unter einer Heuschreckenplage leidet, welche (wie auch in Somalia und Äthiopien) nach Dürrekatastrophen und Überschwemmungen die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen bedroht. Experten befürchten eine große Hungerkrise für Kenia.

Äthiopien (Abba Tesfaye Petros): In Äthiopien sind alle Schulen, öffentlichen Ämter, Restaurants und Clubs geschlossen – der öffentliche Personenverkehr wurde verboten.

In Gambella (West-Äthiopien) – einer ausgesprochen armen Gegend, wo Abba Tesfaye tätig ist, leben die Menschen auf sehr engem Raum miteinander – und auch ihr Umgang miteinander ist durch sehr viel Körperkontakt als Zeichen der Herzlichkeit und Freundschaft geprägt. Die meisten Menschen leben als Tagelöhner und haben keine Einkommensquelle, um Nahrung für ihre Familien zu kaufen. In seiner Gemeinde versucht Abba Tesfaye, den Menschen Bewusstein zu vermitteln – die Notwendigkeit des Abstandshaltens, des Händewaschens und des Zuhausebleibens – all das ist kaum möglich, weil es keine Seife, kein Desinfektionsmittel und keine Nahrungsmittel gibt.

„Diese Berichte zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, in diesen Ländern den Zugang zu (Trink-)Wasser durch Brunnenbohrung und Wasserauffangsyteme zu ermöglichen, die Hygienebedingungen zu verbessern, durch nachhaltige landwirtschaftliche Projekte die Ernährungssicherheit zu gewährleisten und durch Schul- und Ausbildungsprojekte die Selbsthilfekräfte der Menschen zu stärken“, erklärt Josef Heyes, der Vorsitzende der Aktion Mission und Leprahilfe Schiefbahn e.V.