Willicher hat Todesrennen eröffnet

Willicher hat Todesrennen eröffnet

Aus der Stadt Willich kommt einer der drei Männer, gegen die ermittelt wird, weil sie ein illegales Rennen in Mönchengladbach veranstaltet haben. Dabei wurde ein Fußgänger getötet.

Die letzte Minute vor dem Zusammenprall des schwarzen Seat Cupra mit dem 38-jährigen Alexander H. am Freitag, 16. Juni, sind schon recht gut rekonstruiert. An der Ampel Theodor-Heuss-Straße / Rathenaustraße stehen vier Autos. Auf der linken Geradeausspur ein dunkler Kombi, dahinter der schwarze Seat. Auf der rechten Geradeausspur ein roter Golf GTI, getunt. Auf der Rechtsabbiegerspur ein silberner Seat Ibiza, das Auto des 25-jährigen Willichers. Die Ampel springt auf Grün, die Autos fahren an. Der silberne Seat biegt nicht ab, sondern zieht nach links, eröffnet das Rennen.

Die drei Autos jagen davon. Wenige Sekunden, bevor sich Alexander H. anschickt, die Fahrbahn zu überqueren, geht ein anderer Mann über die Straße. Dieser wichtige Zeuge hört die heulenden Motoren, blickt auf und sieht die drei Autos auf sich zukommen, kann die Straße aber gerade noch queren und bleibt unverletzt. Alexander H. hat die Chance nicht mehr. Er wird von dem schwarzen Seat eines 28-jährigen Schwalmtalers erfasst, der in den Gegenverkehr gewechselt ist, fliegt 36 Meter durch die Luft und wird dann unter einem geparkten Auto eingeklemmt. Er stirbt noch an der Unfallstelle an seinen Verletzungen.

Der Fahrer des schwarzen Seat, wird zunächst mit zur Wache genommen, später aber freigelassen. Am Samstagmorgen nimmt eine 17-köpfige Ermittlungskommission unter der Leitung von Ingo Thiel die Arbeit auf. Schnell ist die Bewertung da, dass es sich bei der Tat um einen Mord handeln könnte. Manuel S. und der Golffahrer (ein 22-jähriger Gladbacher) werden am Sonntagnachmittag festgenommen. Der Willicher Fahrer des silbernen Ibiza, der zunächst vom Unfallort geflüchtet war, stellt sich zeitgleich in Begleitung eines Anwalts. Alle drei Raser sind noch nie polizeilich in Erscheinung getreten.

Für Staatsanwalt Stefan Lingens ist es der erste derartige Fall. Seine Auffassung sei aber nicht erst durch das Urteil aus Berlin klar, wo beide Teilnehmer eines Rennens mit tödlichem Ausgang wegen Mordes verurteilt worden sind: „Das ist ein Tötungsdelikt.“ Als Mordmerkmal wertet er das „gemeingefährliche Werkzeug“ – das Auto, das mit dieser Geschwindigkeit um diese Tageszeit zur Waffe wird. Wer ein Auto so benutze, nehme zumindest billigend den Tod eines Menschen in Kauf.

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Eine Raser-Szene allerdings, die gebe es in Mönchengladbach nicht, erklären Kommissionsleiter Thiel und der Direktionsleiter Gefahrenabwehr/Einsatz, Thomas Dammers, übereinstimmend. „Wir haben eine Tuner-Szene, aber keine Raser-Szene“, sagt Dammers. Treffen an einem Schnellrestaurant an der Korschenbroicher Straße, bei dem sich die Besitzer gegenseitig ihre Autos zeigten, seien bekannt. An diesem Schnellrestaurant hat auch das Rennen am Freitag nach bisherigem Ermittlungsstand seinen Ausgangspunkt. Alle drei Fahrer sollen dort gewesen sein.

Ob sie dort miteinander gesprochen haben, sich nur zugenickt haben, oder ob die Verabredung zum Rennen tatsächlich erst an der Ampel erfolgte – das ist jetzt Gegenstand der Ermittlungen.

(Report Anzeigenblatt)