: Arbeitslose bleiben draußen

Der Corona-Virus hat in dieser Woche das gesellschaftliche Leben in Mönchengladbach nahezu lahmgelegt. Auch das Arbeitslosenzentrum ist für Publikumsverkehr geschlossen und es gibt auch vorerst keinen Mittagstisch mehr . Was bedeutet das für die Menschen? Der Extra-Tipp hat mit ALZ-Leiter Karl Sasserath gesprochen.

Wenn man wegen Corona mal ein paar Wochen nicht ins Fitnesstudio gehen kann, ist das vielleicht ärgerlich, aber die Tragweite ist überschaubar. Wenn eine Anlaufstelle wie das ALZ geschlossen wird, ist das schlimmer. Rat, Hilfe, menschliche Wärme für sozial benachteiligte Menschen – zack, von heute auf morgen weg.

Herr Sasserath, nun wurde auch das Arbeitslosenzentrum für Publikumsverkehr geschlossen - wie schätzen Sie die Folgen ein?

Die Corona-Panepidemie ist für uns insofern schmerzhaft, weil sie uns an unserer schwächsten Stelle trifft. Das ALZ ist eine sehr niederschwellige soziale Einrichtung. Gleichzeitig damit aber auch besonders gefährdet. Daher mussten wir wie viele Kantinen und Betriebe eine mögliche Infektionsketten unterbinden, gerade auch weil wir viele ältere Besucher beim Mittagstisch und in der Beratung haben.

Sind die Betroffenen jetzt auf sich gestellt?

Ich sehe in unserer Gesellschaft eine große Bereitschaft, zu helfen. Das Problem liegt darin, dass diejenigen, die Hilfe brauchen, nicht digital unterwegs sind. Da würde ich mir eine kommunale Koordinierung wünschen. Die Krise kann eine Chance sein, uns gesellschaftlich weiterzuentwickeln. Wie ich die Wohlfahrtsverbände, Kirchengemeinden und sozialen Träger in Mönchengladbach kenne, ist da auch jetzt viel Hilfsbereitschaft vorhanden.

Gibt es Stellen, an die sich Betroffene wenden können?

Deutschland hat ein System der sozialen Sicherung, das besonders in dieser Ausnahmesituation unbürokratisch und barrierefrei helfen muss. Zuerst sehe ich da Jobcenter und die bei den Kommunen ansässige Grundsicherung für erwerbsunfähigeund alte Menschen in der Pflicht. Selbstverständlich sind hier auch freie Träger wie das Arbeitslosenzentrum gefragt. Leider sind direkte persönliche Beratungen vorerst nicht möglich. Es gibt aber die Möglichkeit der telefonischen Beratung. (s. Info-Kasten)

Bisher konzentrieren sich die staatlichen Hilfsprogramme zu sehr auf starke Gruppen der Gesellschaft.

Es gibt viele Gruppen in der Gesellschaft, die der Corona-Virus in eine tiefe wirtschaftliche Notlage stürzt Selbstständige, Mittelständler, Zeitarbeiter, kranke und alte Menschen, Künstler*innen, Wohnungslose. Auch diese Menschen sind ein belastbaren Hilfsprogramm der Regierung angewiesen.

Dafür müssen Gelder bereitgestellt werden.

Was raten Sie jemandem, der zum Mittagstisch gekommen ist und sagt: Ich kann mir anders kein Essen leisten?

Der kann sich selbstverständlich telefonisch an uns wenden. Wir werden dann nach einer Lösung suchen. Mönchengladbach kenne ich als hilfsbereite Stadt, die gerade in einer solchen Notlage zusammensteht. Natürlich reichen wir Spenden an Bedürftige weiter.

Ist das ALZ-Publikum anfälliger für das Virus?

Das Virus konnte sich dort schnell verbreiten, wo viele Menschen waren. Arme Menschen leben oft alleine und haben per se häufig nur wenige soziale Kontakte und sind auch in ihrer Mobilität eingeschränkt. Problematisch würde es dann, wenn sich viele Menschen mit dem Virus infizieren. In einem solchen Fall würde ich arme Menschen als besonders gefährdet ansehen. Von daher hilft alles, was die Verbreitung des Virus unterbindet. Auf unser Homepage www.arbeitslosenzentrum-mg.de und unserer facebook-Seite stehen die allgemeinen Verhaltensregeln.