: Vom „Drama“ der Jobfindung

Theaterarbeit schult grundlegende Fähigkeiten, die man auch im Arbeitsleben braucht. 20 junge Arbeitssuchende aus Mönchengladbach und den Kreisen Viersen und Rhein-Kreis Neuss haben deshalb die Chance ergriffen, über die Jobcenter an dem Projekt mach:ART teilzunehmen und so den Weg für den Einstieg ins Berufsleben zu ebnen.

. „Genug beschworen, genug gehofft aufs große Glück“, deklamiert die junge Frau, die sich den Künstlernamen Mamezuru gegeben hat. Sie ist eine von 20 Teilnehmern des Theater-Projektes mach:ART, das die defakto GmbH im Auftrag der Jobcenter Mönchengladbach, Kreis Viersen und Rhein-Kreis Neuss anbietet. Die jungen Arbeitssuchenden sind nicht dabei, weil sie Arbeit im Theater suchen, sondern das Theaterspielen soll ihnen helfen, grundlegende Fähigkeiten, wie Konzentration, Motorik, Abstraktionsvermögen, Ausdrucksfähigkeit, Spontanität, Kreativität und Kritikfähigkeit zu schulen, die im Arbeitsleben von zentraler Bedeutung sind. Diese so genannten Soft Skills sind die Fähigkeiten, die man im Gegensatz zu den Hard Skills nicht im Zeugnis ablesen kann.

Neun Monate lang haben die 20 Arbeitssuchenden Zeit für Theaterarbeit mit der Theaterpädagogin Tara Lindow und Jobcoaching mit Coach Marcus Beeck. Sechs Monate werden sie anschließend noch begleitet. Bei einigen lässt der Erfolg nicht lange auf sich warten: Sebastian Peters zum Beispiel hat schon eine Ausbildungsstelle als Elektroniker. „Ich hatte vorher Ideen von Erzieher, Kfz-Mechatroniker oder irgendwas mit IT“, sagt der 25-jährige. Dass Elektroniker genau zu ihm passt, hat er im Projekt herausgefunden.

„Wir arbeiten wie im Theater in drei Akten“, sagt Projektleiterin Larissa Piller. Erster Akt sei das Kennenlernen und Feststellen der eigenen Fähigkeiten, sowie die Präsentation der Gruppe vor Publikum aus Jobcenter, IHK und Gästen. Im zweiten Akt wird ein Theaterstück gemeinsam entwickelt. Der Schlusspunkt des zweiten Aktes ist die Theaterpremiere – in diesem Fall mit dem Stück „Die Irren im Spiegel-Kabinett“ am 10. April im Roten Krokodil. Akt drei ist ein Langzeitpraktikum und die Arbeitsvermittlung.

„Wir haben viele, die einen Schulabschluss haben und nicht wissen, wie es weiter gehen soll“, sagt Bernd Meisterling-Rieck, Bereichsleiter Markt und Integration beim Jobcenter Mönchengladbach. Bei 470 Ausbildungsberufen ist die Entscheidung auch nicht immer leicht. Trotzdem, die Teilnehmer „schlagen“ sich nicht gerade darum, mitzumachen. „Die meisten sagen erstmal, ’was soll ich jetzt Theater spielen, ich suche einen Job’“, sagt Susanne Wastmann, Arbeitsvermittlerin beim Jobcenter. Und mit der Bühne wollten viele erstmal nichts zu tun haben, die am Ende ganz begeistert seien.

Die Erfolgsquote liegt im Moment bei 50 Prozent. „Das ist sehr viel“, so Meisterling-Rieck.