Ausstellung im Schloss Neersen: Thomas Baumgärtel und Harald Klemm: Grenzgänger mit Humor

Ausstellung im Schloss Neersen: Thomas Baumgärtel und Harald Klemm : Grenzgänger mit Humor

Ein höchst ungewöhnliche Kooperationsausstellung von Galerie Schloss Neersen und der Galerie Schageshof ist ab 2. Oktober in der Motte des Schlosses zum Thema 25 Jahre Mauerfall zu sehen: „weder Ochs noch Esel“ ist die Ausstellung mit Werken von Thomas Baumgärtel und Harald Klemm betitelt.

Vor 25 Jahren fiel die Mauer. Zu diesem Anlass trafen sich kurz darauf Thomas Baumgärtel und Harald Klemm zu einer gemeinsamen Aktion. Das war der Anfang einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema der Wiedervereinigung, das bis heute im Werk beider Künstler weiterwirkt. Das Treffen kam nicht von ungefähr, denn beide Künstler beschäftigten sich schon vorher längere Zeit mit politischen Themen. Harald Klemm hat das Thema der Teilung Deutschlands in Form von Flucht, Vertreibung und Getrenntsein, wie viele andere seiner Generation, hautnah in der Familie erlebt. Bei seinen Arbeiten kommen oft historische Fotos zum Einsatz, die er malerisch in einen erzählerischen Kontext einbettet. Zum einen sind es Pressefotos, die er als studierter Historiker mit besonderer Aufmerksamkeit befragt, und zum anderen private Familienfotos. Auch Thomas Baumgärtel arbeitet mit dieser Art von Fotos, aber man bringt ihn mehr mit der knallgelben Spraybanane in Verbindung, mit der er schon in den 80er Jahren seine Form gefunden hat Staatsembleme, Symbole und Insignien wie sie traditionell von Politik und Kirche verwendet werden humorvoll auf die Schippe zu nehmen und damit ein Assoziationsfeuerwerk von der sprichwörtlichen Bananenrepublik über die Banane als DDR Luxusartikel bis hin zum Symbol von Kreativität und Tollheit zu entzünden. Ganz nebenbei provoziert er dabei auch eine Diskussion über den Kunstbegriff, indem er mit der Banane bis heute internationale Kunstorte wie das Guggenheim Museum, das Centre Pompidou, den Kölner Dom und vielleicht auch Schloss Neersen markiert. Die beiden Künstler sind Grenzgänger mit Humor und Ausblick, die polarisieren und sich keinesfalls politisch korrekt verbiegen. Auch in den Gemeinschaftsarbeiten der beiden Künstler, die sie seit ihrem Zusammentreffen vor 25 Jahren pflegen, bleibt die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands zentral. Persönlich entwickelte Themen und Techniken durchmischen sich. Die aus der Streetart stammende Sprühtechnik bringt ein anarchistisch subversives Element ins Spiel und gibt den Rahmen vor für die grafischen Emblemata, die selten dem historischen Original treu folgen. Emotional aufgeladene Staatssymbole wie das Brandenburger Tor oder eher inoffizielle Insignien des Mauerfalls wie Trabant und Stacheldraht entlarven sich in der stereotypen grafischen Wiederholung als leblose Hülsen, die es zu füllen gilt. Das idyllisch, farbenfroh einlullende Ambiente, das die von Helmut Kohl prophezeiten „blühenden Landschaften“ lebendig werden lässt, tut ein Übriges. Daneben steht eine eher private Ebene, die sich vor allem in Form von Familienfotos einschleicht. So wird aus der großen politischen Bewegung auch ein persönliches Schicksal des Einzelnen, wodurch die Diskrepanz zwischen Öffentlichem und Privatem überdeutlich spürbar wird. Wie ein Gleichnis für die Einheit, für das Zusammenwachsen zweier gleichberechtigter Partner, steht der Gestaltungsprozess bei den Gemeinschaftsarbeiten: Beide Künstler müssen mit dem leben, was der andere macht, müssen Kompromisse eingehen, es aushalten, wenn etwas nicht nach der eigenen Nase geht. Bisher haben die beiden darin Geduld und Toleranz bewiesen und sicher auch die ein oder andere Schlacht geschlagen, aber am Ende ist ein gemeinsames Werk das Ergebnis gewesen. In der Jubiläumsausstellung sind sowohl jeweils Einzelwerke von Thomas Baumgärtel und Harald Klemm zu sehen, als auch Gemeinschaftsarbeiten beider Künstler. Darin wird zum einen ein Blick zurück geworfen auf die 70/80 er Jahre, die auf vorbereitende Zeichen auf die Wende hin befragt werden. Zum anderen werden aktuelle tagespolitische Themen aufgegriffen, um ein Stimmungsbild eines seit 25 Jahren mauerlosen Deutschlands auszuloten, das womöglich die Einheit längst schon als Selbstverständlichkeit abgehakt hat und für eventuell noch offene Wunden unempfindlich geworden ist. Die Ausstellung wird am 2. Oktober um 19 Uhr nach einer Begrüßung durch Bürgermeister Josef Heyes mit einer Einführungsrede von Uwe Schummer (MdB) eröffnet; die Arbeiten sind in Neersen bis zum 9. November zu sehen (mittwochs bis freitags 17 bis 19 Uhr, am Wochenende 11 bis 17 Uhr).

(Report Anzeigenblatt)