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Jüdisches Leben am Niederrhein

Internetprojekt und Workshops : Neue Website zeigt lebendige jüdische Kultur am Niederrhein

Jüdische Gemeinden und jüdische Kultur blicken am Niederrhein auf eine reichhaltige und jahrhundertealte Tradition zurück. Eine neue Website bietet einen Überblick, stellt historisch interessante Personen vor und vermittelt einen lebendigen Eindruck vom Alltag der jüdischen Bevölkerung in der Region damals und heute. Verwirklicht wurde das Internetprojekt gemeinsam von den Städten Krefeld, Mönchengladbach und Viersen.

Wenn von der Geschichte jüdischer Familien und Gemeinden am Niederrhein die Rede ist, denken die meisten Menschen zunächst einmal an die Zeit des Nationalsozialismus 1933 bis 1945. Dass die jüdische Kultur die Region seit Hunderten von Jahren mitgeprägt hat, wissen die wenigsten. Und auch, wie Jüdinnen und Juden heute leben, welche Feste sie feiern, was ihnen wichtig ist und wie sich das jüdische Gemeindeleben gestaltet, ist nur selten Gesprächsthema und kommt auch in der Schule nur selten zur Sprache. „Das Bewusstsein, dass Judentum viel mehr ist als diese zwölf Jahre der Verfolgung, ist praktisch nicht vorhanden. Das wollen wir mit der neuen Website ändern“, sagt Sandra Franz von der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld. Tief verankert sei dagegen der Gedanke, Juden in erster Linie als Opfer des Nationalsozialismus und anderer Pogrome zu sehen: „Ganz wichtig war uns daher, hier die Akteure aus den jüdischen Gemeinden als agierende Personen zu zeigen, die mitten in der Gesellschaft lebten und leben. Die neue Website erzählt daher von Menschen, die sich hier am Niederrhein zugehörig gefühlt haben und dies zum Glück heute auch wieder tun.“

Entstanden ist das Website-Projekt „Jüdischer Niederrhein“, zu finden unter www.juedischer-niederrhein.de, im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, das vor einem Jahr gefeiert wurde, verwirklicht wurde es gemeinsam von den Städten Krefeld, Viersen und Mönchengladbach unter Federführung der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld. Einige der zahlreichen historischen und aktuellen Fotos wurden von den jüdischen Gemeinden zur Verfügung gestellt. Unterstützt wurde das Internetprojekt auch vom „Verein zur Förderung der Erinnerungskultur e.V.-Viersen 1933-45“.

Sowohl für interessierte Leserinnen und Leser jeden Alters als auch für Schülerinnen und Schüler bietet die Seite eine Fülle an Informationen über das jüdische Leben am Niederrhein. So werden historische interessante Personen vorgestellt wie etwa das Viersener Ehepaar Nussbaum, der Mönchengladbacher Fabrikant und Kulturmäzen Louis Raphael oder der Krefelder Kinderarzt Dr. Kurt Isidor Hirschfelder. Wirtschaftsunternehmen, die auf jüdische Gründungen zurückgehen, kommen ebenfalls zur Sprache. Ebenso sind – nach Stadtteilen gegliedert – zahlreiche Orte in den drei Städten aufgeführt, an denen sich das gesellschaftliche Leben der jüdischen Gemeinden früher manifestiert hat und heute abspielt, etwa das Gemeindezentrum in Krefeld oder die Synagoge mit Gemeindehaus in Mönchengladbach, die auch den jüdischen Gemeinden der Kreise Viersen, Erkelenz, Heinsberg und Grevenbroich eine Heimat bietet.

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„Die jüdische Kultur hat das Leben am Niederrhein zu allen Zeiten bereichert“, sagt der Krefelder Oberbürgermeister Frank Meyer. Er sei froh darüber, dass man mit der Website nun eine interkommunale Plattform geschaffen habe, auf der Jüdinnen und Juden als „fester Teil der Gesellschaft“ am Niederrhein wahrgenommen und gewürdigt werden. Sein Mönchengladbacher Amtskollege Felix Heinrichs lobt: „Die Website bietet einen hervorragenden Überblick und gewährt mit zahlreichen Beispielen einen Einblick in alles, was es an jüdischer Kultur am Niederrhein gibt.“ Begeistert von dem Projekt zeigt sich auch die Viersener Bürgermeisterin Sabine Anemüller. Bereits im Festjahr 2021 habe es in Viersen zahlreiche Aktionen gegeben, die auf „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ eingingen, unter anderem eine Kunstausstellung. Die Einrichtung eines Dokumentationszentrums könne sie sich für die Zukunft ebenfalls in Viersen vorstellen.

Für Schulklassen ab der achten Jahrgangsstufe (14 Jahre) und weitere Gruppen werden ab sofort Workshops in Zusammenarbeit mit der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld angeboten, die mit den Inhalten der Website arbeiten, einzelne Punkte vertiefen und diese mit der Gegenwart verknüpfen. Ab dem Sommer sollen altersgerechte Kurse für die 5. und 6. Klasse hinzukommen. Nähere Informationen zu den Workshops: www.juedischer-niederrhein.de/projekt und www.juedischer-niederrhein.de/kontakt