Faszinierend: Ein König vor 250 Jahren

Wie es war, vor 250 Jahren in Lank zu leben, das haben die Meerbuscher Nachrichten recherchiert. Eine Geschichte über König Jacob Paas und sein Eheweib Elisabeth Ingmanns – und die Familie Spennes.

Man schrieb das Jahr 1766, als Jacob Paas König der St. Sebastianus-Bruderschaft Lank war. Der Strümper Landwirt lebte seit drei Jahren als Pächter auf dem Münckshof und war mit Elisabeth Ingmanns aus Anrath verheiratet.

 Das Königssilber von Jacob Paas.
Das Königssilber von Jacob Paas.

Dass es einen Strümper auf den Lanker Schützenthron verschlagen hatte, war nicht weiter ungewöhnlich. Bruderschaften waren damals Pfarrangelegenheit und damit in diesem Fall auf das Kirchdorf Lank und die Nebendörfer Latum, Ossum, Bösinghoven, Heulesheim, Stratum, Gellep, Nierst, Langst, Kierst, Ilverich und eben Strümp bezogen. Die Mitglieder aus einem Ort oder einer Honschaft bildeten eine Kompanie der Bruderschaft und zogen zum Schützenfest stets zum Kirchdorf.

 Das Königssilber von Jacob Paas.
Das Königssilber von Jacob Paas.

Johann Jacob Paas stammte aus Latum, wo er am 14. November 1729 als drittes Kind der Eheleute Conrad Paas und Anna Kahlen geboren wurde. Er heiratete am 17. August 1762 Maria Elisabeth Ingmanns aus Strümp (in Schützenkreisen wird irrtümlich angenommen, dass sie aus Anrath stammt). Am 7. Juli 1763 wurde ihnen das erste Kind, Maria Elisabeth Irmgard zu Strümp geboren. Es folgten Maria Gertrud 1764, Jakob Amandus 1766, Eva Katharina 1768, Catharina Elisabeth 1769 und Franz Wilhelm 1771. Eva Katharina starb nur wenige Monate nach ihrem Vater noch als Kind.

Aus den vorliegenden Informationen kann geschlossen werden, dass er nach dem Tod seiner Eltern nicht das Erbe auf dem Latumer Hof der Familie angetreten, sondern den Pachthof in Strümp übernommen hat. Möglicherweise hat sein Erbe ihm aber als Kaution gedient und die Pacht ermöglicht. Denn erst kurz nach dem Tod der Mutter hat er auch geheiratet, was in jener Zeit ein Zeichen für wirtschaftliche Unabhängigkeit ist. Zudem war es äußerst unüblich, Höfe an unverheiratete Junggesellen zu verpachten. Weil das Lanker Schützenfest früher zum Zeitpunkt der Herbstkirmes – etwa zum Zeitpunkt des heutigen Vogelschießens – gefeiert und der erste Sohn Jakob Amandus nur wenige Wochen zuvor am 24. Juli 1766 geboren wurde, könnte es durchaus sein, dass der stolze Vater, Ehemann und Hofpächter seinen Erfolg mit dem Königsschuss krönte. Denn damals wurde der Schützenkönig unmittelbar zum Auftakt des Schützenfestes ermittelt.

Die Silberplatte von Paas ist bis heute Teil des historischen Königssilbers und liegt im Tresor der Sparkasse sicher verwahrt. Die Gravur zeigt zwei gekreuzte Dreschflegel, also typische Werkzeuge eines Bauern in jener Zeit, die aber ebenso als furchtbare Waffe eingesetzt werden konnten. Jacob Paas starb am 3. März 1772 in Strümp auf dem Mönckshof.

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Am 9. Juni 1772 heiratete seine Witwe in Lank Paul Spinnes aus Anrath. Auch dies war nicht ungewöhnlich, hatte doch eine verwitwete Pächterin binnen Jahr und Tag einen neuen Mann auf dem Hof zu präsentieren, wenn sie ihn nicht verlieren wollte. Ihre Kinder aus erster Ehe waren als eigenständige Bauern jedenfalls viel zu jung. Auch zur Versorgung dieser Kinder war ein Mann auf dem Hof daher dringend nötig.

Das erste gemeinsame Kind des Paares, Peter Mathias, wurde dann schon am 1. April 1773 in Strümp geboren. Weitere Kinder folgten: Peter Adolf 1774, Johann Peter 1776–1781, Johann Heinrich 1777 Anna Christina 1778, Peter Theodor 1780, Anna Franziska 1781–1784, Johann Peter 1783–1784 und Anna Elisabeth 1785. Zwei Jungen und ein Mädchen starben noch im Kindesalter.

Die Nachkommen von Paul Spinnes blieben auf dem Münckshof und erwarben das Gut 1810 im Rahmen der Säkularisation geistlicher Besitzungen. Sie führen bis heute den Namen in leicht abgewandelter Form – Spennes!

(StadtSpiegel)