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: „Mein Diensttag war der Freitag“

: „Mein Diensttag war der Freitag“

„Einmal muss ja mal Schluss sein, in einigen Tagen werde ich ja schon 90 “, sagt Horst Höhnke, der drei Jahrzehnte mit dafür gesorgt hat, dass Kinder den Schulweg an der Geusenstraße sicher überqueren konnten. Er dürfte somit der älteste Schülerlotse Deutschlands gewesen sein.

Jeder, der Horst Höhnke kennt, weiß, dass der verdienstvolle ältere Herr seinem letzten Tag als Schülerlotse dicke Tränen nachweinen wird. „Es war eine ganz tolle Zeit, die ich nicht missen möchte. Dieses Ehrenamt hat mir viel gegeben“, sagt der rüstige Rentner, der dank der Einschulung seines ersten Enkelkindes zu seinem Job mit Kelle und Warnweste kam. „Bei der Einschulung wurden Schülerlotsen gesucht, da habe ich mich sofort anwerben lassen. Als Rentner hatte ich ja Zeit“, sagt der fast 90-Jährige im Gespräch mit dem Extra-Tipp. Das Ehrenamt habe er nie als Last oder gar als Belastung empfunden, das Gegenteil sei der Fall gewesen: „Mein ’Diensttag’, der immer ein Freitag war, hat mir viel Spaß gemacht.“

Im Berufsleben war Höhnke Geschäftsführer einer Gladbacher Tuchfabrik. Auch danach wollte er nicht den Schreibtisch mit der gemütlichen Couch tauschen, sondern aktiv bleiben und sich gemeinnützig engagieren. Schon immer bekleidete er Ehrenämter, war 35 Jahre Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde und ging als Nikolaus in Schulen und Altenheime. „Letzteres mache ich heute noch und da sehe ich auch noch kein Ende, denn mein Besuch ist den Heimbewohnern nach wie vor eine große Freude“, erzählt Höhnke. Es versteht sich von selbst, dass er für seine Gemeinnützigkeit mit einigen Preisen ausgezeichnet wurde. So erhielt er die Goldene Ehrennadel der Stadt Mönchengladbach, das Schöffensiegel sowie den Lott Jonn-Preis.

Als Dankeschön für ihren unentgeltlichen Dienst hatte Bezirksvorsteher Arno Oellers die Verkehrshelfer aus dem Stadtbezirk West jetzt zu einem geselligen Treffen in die Verwaltungsstelle Rheindahlen eingeladen. Mit dabei waren auch Vertreter von Polizei und Verkehrswacht sowie Vertreter der Will Sommer-Schule. „Das ist wirklich einfach nur toll, was Sie, lieber Herr Höhnke, geleistet haben. Wollen Sie jetzt wirklich aufhören?“, fragte der Bezirksvorsteher scherzhaft. Oellers kritisierte, dass zu viele Eltern ihre Kinder mit dem Pkw zur Schule bringen würden. „Zum Teil waren morgens 84 Autos zu zählen. Das ist ein Zustand, der nicht sein muss“, betonte Arno Oellers.

Achim Hendrix, Leiter der Verkehrs-Unfallprävention der Polizei Mönchengladbach, hob in seiner kurzer Rede die Wichtigkeit dieses Ehrenamtes hervor: „Die Sicherheit und der Schutz der Kinder auf ihrem Schulweg hat oberste Priorität. Verkehrshelfer, wie die Lotsen heute amtlich genannt werden, leisten hier einen großartigen Beitrag. Dafür danken wir Herrn Höhnke und allen, die diesen Dienst versehen.“

Sorge bereitet dem Jubilar allerdings die Tatsache, dass Schülerlotsen an allen Ecken und Enden fehlen. „Ich kann nur an alle Mitbürger appellieren, wöchentlich eine halbe Stunde ihrer Zeit zu opfern und solch eine ehrenamtliche Tätigkeit zu übernehmen. Es müssten sich doch eigentlich noch ein paar gestandene Rentner finden lassen, die hier helfen wollen“, so Höhnke. „Man muss das ja nicht bis zum Neunzigsten machen!“