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Naidoo-Konzert im SparkassenPark Mönchengladbach

Online-Treffen für den 10. Februar geplant : Corinna: Gespräch am runden Tisch

Corinna e.V., SparkassenPark, Xavier Naidoo – wie geht das zusammen? Der Verein um den Vorsitzenden Michael Hilgers sucht das Gespräch. Am 10. Februar sind alle Interessierten zu einem Austausch eingeladen, um eine wertschätzende Diskussion anhand der Fakten zu führen.

„Ich hätte mir gewünscht, dass die Bands All Aboard und Birk erst einmal bei mir persönlich nachgefragt hätten, so wie es Thorsten Knippertz von Die Strafe gemacht hat. Wir haben nichts zu verbergen!“, betont der Vorsitzende des Vereins Corinna. Hilgers möchte am 10. Februar für die wirklich Interessierten alle Fragen beantworten.

Doch worum geht es eigentlich? Hintergrund des vermeintlichen Streits ist ein geplanter Auftritt von Xavier Naidoo am 4. Juni im SparkassenPark. Naidoo ist bereits seit längerem wegen seiner rechtsextremistischen und rassistischen Tendenzen umstritten, doch mit der Corona-Pandemie haben die Äußerungen des Musikers noch einmal eine neue Dimension bekommen. So soll er mit der Bewegung QAnon sympathisieren, die durch ihre kruden Verschwörungstheorien für Schlagzeilen gesorgt hat.

Zwei Tage später, also am 6. Juni, findet dann im SparkassenPark das Festival von Corinna statt, ein Event der lokalen Kulturszene für die lokale Kulturszene. So weit, so gut, wäre Michael Hilgers nicht Vorsitzender von Corinna e.V. und Geschäftsführer des SparkassenParks in einer Person. Ein No-Go für die zwei Mönchengladbacher Bands All Aboard und Birk, die nicht mehr beim Corinna-Festival auftreten möchten und eine klare Positionierung des Vereins vermissen, obwohl bei der Zusage der Bands im Jahr 2020 für das Festival das Naidoo-Konzert schon über einem Jahr lang angekündigt war.

Dieter Breymann vom Vorstand versteht die Welt nicht mehr. Der Vertrag mit Xavier Naidoo sei bereits 2018 geschlossen worden, also weit vor der Corinna-Gründung im Mai 2020, „und jetzt wird es so dargestellt, als hätte der Verein etwas damit zu tun. Auch Naidoo genieße als Musiker zunächst das Grundrecht der Kunstfreiheit, eines der am stärksten geschützten Grundrechte überhaupt“, wie der Rechtsanwalt weiß. „Da können seine Äußerungen noch so grenzwertig sein, sie berechtigen den Unternehmer Hilgers nicht, den seinerzeit geschlossenen Vertrag aufzulösen.“ Ansonsten drohten hohe, ja sogar existenzgefährdende Strafen.

Hilgers selbst ist alles andere als glücklich mit der Verpflichtung Naidoos, dessen Thesen er für völlig inakzeptabel hält: „Ihn würde man heute nicht mehr buchen, man holt sich ja nicht solche Probleme ins Haus.“ Zudem könne man aus unternehmerischer Sicht jetzt schon davon ausgehen, dass sich für das Konzert bei weitem nicht so viel Tickets verkaufen ließen wie kalkuliert, er also mit einem dicken finanziellen Minus rechnen müsse. Diskussionen um seine Doppelfunktion „muss ich aushalten“, aber als Veranstalter fühlt er sich an Verträge gebunden wie jeder andere Kaufmann auch. 

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Fakt ist wohl auch: Naidoo hat sich auf seinen Konzerten (drei gab es bereits schon im SparkassenPark) noch nie politisch geäußert.

Die zweite Vorsitzende Miriam Colonna versteht nicht, dass ein Thema, welches im Sommer 2020 im Vorfeld der Festivalplanungen bereits intensiv besprochen und erledigt gewesen sei, jetzt neu hochgekocht werde. „Micki hat sogar angeboten, sein Amt als Vorsitzender abzugeben, das haben wir als Verein aber rigoros abgelehnt“, so Colonna. Das Festival sei eine hervorragende Gelegenheit, sich öffentlich gegen Naidoos Äußerungen und für ein weltoffenes und tolerantes Mönchengladbach zu bekennen.

Corinna e.V. wurde seinerzeit auf Initiative von Michael Hilgers gegründet, um die Mönchengladbacher Kulturschaffenden in Zeiten der Pandemie und fehlender Auftritte mit Geld, Know-how und Netzwerken zu unterstützen. Im Kultur-Krisen Jahr 2020 hat der Verein über 100 000 Euro für den Erhalt der kulturellen Vielfalt in der Stadt einsammeln und verteilen können und weitere 50 000 Euro stehen in einem 50K-Fördertopf zur Verfügung. „Wir möchten die Kulturschaffenden dazu motivieren, trotz der unsicheren Lage Projekte in Angriff zu nehmen und ihnen mit unserer finanziellen Unterstützung ein wenig Planungssicherheit bieten“, erläutert Miriam Colonna das Vorhaben. Über 15 Anträge aus den unterschiedlichsten Sparten sind bereits beim Verein eingegangen, Bewerbungen sind noch bis Ende Februar möglich.