: Pollenflöckchen, Weißröckchen

Zweistellige Temperaturen im Januar. Die Pollen fliegen und die Balkonpflanzen knospen. Was macht das mit uns? Wir haben nachgefragt.

Mönchengladbach. Nicht der Schnee rieselt leise, wie es im Januar sein sollte, sondern die ersten Hasel- und Erlenpollen. Statt im Minus sind die Temperaturen zweistellig im Plus. Die ersten Osterglockentriebe zeigen sich im Gartenbeet, Balkonpflanzen treiben Knospen. Frühling schon im Januar? „Einige Allergie-Patienten haben bereits um Weihnachten und zwischen den Jahren von allergischen Beschwerden berichtet“, sagt Anja Schwalfenberg, Diplom-Biologin und Beraterin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) mit Sitz in Rheydt. Die Blütenstände der Türkischen Baumhasel ständen neben Hasel und Purpurerle ebenfalls in den Startlöchern.

Leider führe der verfrühte Pollenflug nicht dazu, dass die Saison auch eher beendet sei, so Schwalfenberg: „Aufgrund des Klimawandels beobachtet man, dass sich die Pollensaison nach vorne aber auch nach hinten ausdehnt“. Durch veränderte Lufttemperaturen und veränderte Kohlendioxid-Konzentrationen könne das Pflanzenwachstum, die Pollenproduktion und der Allergengehalt der Pollen beeinflusst werden. Mit einem weiteren Anstieg der Pollenallergien sei zu rechnen, so die Expertin.

Verändere sich das Klima, könnten sich zudem allergieauslösende Pflanzenarten in Deutschland stärker verbreiten, die ursprünglich hier nicht heimisch waren, weiß Biologin Anja Schwalfenberg. Hierzu gehöre als besonders starker Allergieauslöser das Beifußblättrige Traubenkraut, auch als Ambrosia-Pflanze bekannt.

Im Alltag könne man den Pollen nur schwer ausweichen, allerdings könne der Schal, den man im Winterhäufig vor Mund und Nase trage, eine erste Barriere gegen Pollenkontakt sein. „Es ist ganz normal, dass man sich im Winter immer mal wieder auch eine Erkältung einfängt“, so Schwalfenberg, „besteht aber ein Infekt, können die Schleimhäute der Atemwege besonders gereizt sein. Bestehen zusätzlich Allergien, können Allergene noch besser an den gereizten Schleimhäuten angreifen und dadurch eventuell noch stärkere allergische Reaktionen entstehen. Schonen Sie sich daher bei einem Infekt und kurieren Sie ihn gut aus.“

Und wie sieht es in der Landwirtschaft aus, können wir auf die ersten Erdbeerstände im Februar zählen? Wolfgang Wappenschmidt, Vorsitzender des Bauernverbandes Mönchengladbach/ Neuss, sieht die Situation gelassen - noch. „Für uns ist es zu früh, die Situation zu bewerten“, sagt er. Allerdings sei es tatsächlich eine Gefahr, wenn nach einer langen warmen Phase, die Pflanzen schon weit entwickelt wären und dann ein Kälteeinbruch Schäden verursachen würde, weil die Pflanzen keinen Kälteschutz hätten. Die Bauernschaft zählt aber darauf, dass, wie meistens, doch noch in der nächsten Zeit der Frost kommt. Und der sei gut gegen Schädlinge, Bodenverdichtungen und Pilzbefall.