: Schluss jetzt mit dem Lärm!

Fluglärm, ach ja, da war doch mal was... Warum die Bürgerinitiative„Gegen Fluglärm MG-Ost“ trotz Corona-Ruhe gerade wieder sehr aktiv ist – der Extra-Tipp hat mit Hajo Siemes gesprochen.

Herr Siemes, Sie sind Sprecher der Bürgerinitiative„Gegen Fluglärm MG-Ost“ – ist Fluglärm aktuell überhaupt Thema? Ist doch so schön ruhig seit Corona…

Ja, jetzt merkt man erst, wie ruhig es ist, wenn nicht wie sonst zu Ostwindzeiten alle zwei Minuten die Flugzeuge über uns dröhnen, auch abends. Das kriegen die Leute hier natürlich mit und ermutigen uns darin, gegen den Fluglärm, der ja wiederkommen wird, und die Kapazitätserweiterung des Flughafens weiter vorzugehen.

Wer ist von dem Fluglärm in Gladbach betroffen?

Besonders betroffen ist der Südosten der Stadt, insbesondere Giesenkirchen mit den umliegenden Ortschaften. Denn hier beginnt die Einflugschneise auf den Flughafen Düsseldorf.

Wie schlimm ist die Belastung?

Die WHO gibt einen Wert von 40 dB vor, der zu gesundheitlichen Schäden führen kann. Hier über Giesenkirchen sind beim Fluglärm 45–50 dB festgestellt worden.

Ohropax in die Ohren – oder kann man als Bürger irgendwas tun?

Weghören nutzt nichts. Jeder Betroffene kann konkret jetzt eine Widerspruchserklärung gegen die geplante Kapazitätserweiterung des Flughafens Düsseldorf unterzeichnen. Nach der ersten öffentlichen Auslegung im Jahre 2016 wurden alleine in MG über 4000 Widersprüche geltend gemacht, die ins Verfahren eingingen. Jetzt ist die erneute Offenlegung seit Anfang Mai im Gange. Auch hierzu sollten betroffen Widerspruch einlegen.

Freitag, der 25. Juni, ist ein wichtiger Stichtag für Ihre Bürgerinitiative – warum?

Wir als Initiative sammeln die Widersprüche ein und schicken diese spätestens am 25. Juni an die Bezirksregierung in Düsseldorf. Aber auch jeder Bürger kann selbst einen Widerspruch an die Bezirksregierung Düsseldorf schicken (s. Infokasten).

Widerspruch einlegen – ist das nicht kompliziert?

Nein, wir als Initiative haben einen Musterwiderspruch dazu vorbereitet. Da muss man nur noch das für einen selbst Zutreffende ankreuzen, unterschreiben und das Ganze abschicken oder bei uns abgeben. Den Muster-Widerspruch haben wir an alle Betroffenen geschickt. Er kann ausgedruckt und gern noch an Freunde und Nachbarn weitergereicht und bei mir angefordert werden. (s. Infokasten)

Wo könnte man sich erst mal über die beantragte Kapazitätserweiterung des Flughafens informieren?

Die Stadt hat die Akten, braucht diese aber nicht öffentlich auszulegen und tut dies auch nicht. Daher bieten wir von der Initiative die Akteneinsicht bei mir zuhause an – wegen Corona natürlich nach Terminvereinbarung. Aber ich sage direkt: Das ist ein Wust von behördlichem Kram, den man als Laie kaum versteht. Daher haben die Initiativen auch Experten beauftragt, die Akten zu prüfen.

Der Flugverkehr ist wegen der Pandemie weltweit nahezu zum Erliegen gekommen – wieso wird der Flughafenausbau nicht erst einmal auf Eis gelegt?

Das ist ein wesentlicher Punkt unseres Widerspruchs. Alle Erhebungen in den Gutachten der Flughafengesellschaft sind vor Corona gemacht worden. Die Zahlen darin stimmen nicht mehr. Hinzu kommt die Klimakrise. Die Politik ist gefordert, umweltfreundliche Verkehrsträger – Bahn, ÖPNV, Rad – zu fördern. Kurzstreckenflüge wird es in der Zukunft in dem Maße nicht mehr geben. Das wird den Flugverkehr beeinflussen. Daher verstehen wir nicht, dass das Verkehrsministerium NRW überhaupt der Auslegung zum jetzigen Zeitpunkt zugestimmt hat. Die jetzt beantragte Kapazitätserweiterung wird wohl nie mehr benötigt werden.