Viele, viele bunte Steine

Viele, viele bunte Steine

Die bunte Welt der kleinen Plastiksteine tut sich auf, wenn man Claus-Marc Hahn in seinem Heim in Viersen-Bockert besucht. Der 42-Jährige ist Lego-Modellbauer und Besitzer von rund 6,5 Millionen Bausteinen und 20.000 Figuren.

Wir haben ihn besucht.

Mittelerde, die Fantasiewelt von "Herr der Ringe" war im Keller des Einfamilienhauses von Claus-Marc Hahn zu finden. Dort hatte der "Herr der Steine" für sein erstes Großprojekt alles leergeräumt und die fiktive Welt auf 25 Quadratmetern nachgebaut. Nach einer Ausstellung in den Niederlanden im Kunstmuseum Zuidlaren, holte er seine rund 300 Kilogramm schwere "Mittelerde" ab und zerlegte sie wieder in seine Einzelteile. Wohlgemerkt rund 650.000 Einzelbausteine. "Dann ist wieder Zeit für etwas Neues, ich kann ja nicht alles behalten", erklärt Claus-Marc Hahn. Jetzt ist der Besucher der Hahn'schen Lego-Erlebniswelt erstmal geplättet, wenn man das Steinelager im Keller betritt. Zwei Räume und alle vier Wände sind mit einem Schubfachsystem ausgestattet, für die 10.000 verschiedenen Baustein-Sorten. In der Garage türmen sich bis unter die Decke weitere Kisten und Schubladen mit Steinen, Platten, Extrateilen wie Frisuren oder Pflanzen, Dachsteine und mehr. "Nur das Gäste-WC ist absolut lego-frei", schmunzelt der Berufsschullehrer.

Entfacht wurde der Lego-Virus vor sechs Jahren beim Weihnachtseinkauf, wo er sich sein erstes Lego-Set (das Haus von Bilbo Beutlin aus "Herr der Ringe") wünschte. Seitdem wurden unzählige Sets und Bausteine bestellt und ins Haus geliefert. "Mit dem Postboten war ich schnell per Du", erinnert sich der 42-jährige Modellbauer.

In einem Zimmer im Haus fühlt man sich in einen Spielzeugladen versetzt, hier stehen unzählige Sets in Reih und Glied im Regal. Und hier steht auch der Pokal der RTL-Sendung "Lego Master", die Claus-Marc Hahn vor wenigen Wochen gewonnen hat. "Aber das Schönste ist, dass die eine Millionen Steine, mit denen die Teilnehmer gebaut haben, an Kinderheime verteilt worden", freut sich der zweifache Familienvater.

Nicht nur seine beiden Kinder sind schon auf den Legostein gekommen, sondern auch seine Frau ist den bunten Steinchen verfallen. "Sie sagt mir oft, wo es den ein oder anderen Stein zu bestellen gibt", erklärt Hahn. Denn an Nachschub zu kommen, sei manchmal schwierig, große Mengen oder bestimmte Steine bekäme man oft nur auf dem Sekundärmarkt bei Anbietern im Internet: "Da tun sich dann manchmal Parallelwelten auf. Das ist schon der Wahnsinn in Plastik hier."

Schon früh hat Claus-Marc Hahn aufgehört nach Anleitung zu bauen und entwirft selbst die Modelle. "Ich recherchiere und schaue mir Abbildungen und Fotos in Büchern an und baue dann einfach drauf los, auf dem Wohnzimmertisch. Da bin ich auch ganz schnell." Und so entstehen beeindruckende Kreationen aus den Fantasywelten von "Game of Thrones", "Herr der Ringe", "The Walking Dead" oder auch "Harry Potter". "Das nennt man dann MOC — my own creation", und dafür habe er schon einige Auszeichnungen auf der Internetseite www.1000steine.de bekommen. Auch sein Haus hat der Viersener schon im Miniaturformat nachgebaut, inklusive detailgetreuer Innenausstattung.

Für die Comic Con in Stuttgart, bei der er seit drei Jahren ausstellt, plant er nun Hogwarts von Harry Potter nachzubauen, mit Bergmassiv und See inklusive. Monatelang hat er dafür bereits die rund 300.000 Bausteine gesammelt. Vor zwei Jahren stellte er die "Rote Festung" (Game of Thrones) aus, mit 16 Motoren und 16 Sensoren. Nach rund 800 Stunden Bauzeit ein Volltreffer. Das Video ging viral quasi um die Welt, erzielte in rund 400 Blogs Klicks. "Beim Discovery Chanel in den USA wurde es sogar ausgestrahlt", erzählt Hahn stolz.

Auch die Zombiewelt "Woodbury" aus "The Walking Dead" hat großen Zuspruch gefunden und steht jetzt bei einem neuen Eigentümer im Wohnzimmer. Und so hat Hahn in seinem wieder Platz neue Lego-Welten zu kreieren.

Die Modelle und weitere Infos findet man unter www.brickscreations.com

(StadtSpiegel)