: IHK setzt auf ältere Fachkräfte

Die Suche nach geeigneten Fachkräften wird in den kommenden Jahren für die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen immer schwieriger werden.

Das ist das Ergebnis des Fachkräftereportes, den IHK NRW, der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in NRW, vorgelegt hat. Aktuell stehen der NRW-Wirtschaft in Industrie, Handel und der Dienstleistungsbranche rund sechs Millionen Fachkräfte zur Verfügung. Im Jahr 2030 werden es nur noch 4,8 Millionen sein. Bei einem für dann prognostizierten Bedarf von 5,5 Millionen bedeutet das einen Engpass von 735.000 Fachkräften beziehungsweise 13,4 Prozent der nachgefragten Stellen.

„Auch unsere Mitgliedsunternehmen in Krefeld, Mönchengladbach, im Kreis Viersen und im Rhein-Kreis Neuss spüren den Fachkräftemangel massiv“, sagt Arnd Thierfelder, stellvertretender Geschäftsführer des Bereichs Berufliche Bildung und Fachkräftesicherung der IHK Mittlerer Niederrhein. Für die Region wird für das Jahr 2030 ein relativer Fachkräfte-Engpass von 15,5 Prozent prognostiziert, im Vergleich zu 6,8 Prozent im Vorjahr. Wer 1964 geboren ist, erreicht 2031 das gesetzliche Renteneintrittsalter. Der Geburtenjahrgang 2008 ist im selben Jahr etwa so alt, dass er nach Ausbildung oder Studium in den Arbeitsmarkt eintritt. Das Problem dabei: 1964 sind in NRW noch doppelt so viele Kinder zur Welt gekommen wie 2008 (300.405 gegenüber 150.007). Größer werdende Engpässe auf dem Arbeitsmarkt sind somit nicht vermeidbar.

Die Erfolge anderer OECD-Länder im Kampf gegen den Fachkräftemangel machen jedoch Mut. Das größte noch nicht ausgeschöpfte Potenzial für Nordrhein-Westfalen sieht IHK NRW bei der Erwerbsbeteiligung älterer Fachkräfte. In NRW sind 69,3 Prozent der 55 bis 65-jährigen erwerbstätig. Vorbild ist in dieser Hinsicht Island mit 80,7 Prozent Erwerbsbeteiligung. Gelingt es NRW, das isländische Niveau zu erreichen, entspräche das einem Plus von 296.400 Fachkräften. Weitere Potenziale bestehen etwa in der Erhöhung der Vollzeitquote von Frauen (278.900 mögliche zusätzliche Fachkräfte), der Fachkräfteeinwanderung (174.900) und der Nachqualifizierung von Menschen ohne Berufsabschluss (77.000).

Im Verhältnis zum prognostizierten Engpass verdeutlichen diese Zahlen jedoch, dass Einzelmaßnahmen nicht genügen. IHK NRW Präsident Thomas Meyer: „Die Frage ist nicht, ob wir ältere Fachkräfte besser im Job halten, Geschlechterunterschiede bei der Erwerbsbeteiligung abbauen, mehr internationale Fachkräfte für NRW gewinnen oder Menschen ohne Berufsabschluss nachqualifizieren. Wir sollten all dies gleichzeitig tun.“