: Arbeiten auf Augenhöhe

Ein beliebtes Ziel für Schulklassen, Vereine, Musikgruppen und Naturliebhaber ist die Jugendherberge am Rande von Brüggen, die abgelegen im Wald liegt. Sechs behinderte Menschen arbeiten in dem Integrationsbetrieb. Eine davon ist Daniela Lenzen, die das Down-Syndrom hat. Sie liebt ihren Job und hat uns einen Blick in ihren Arbeitsalltag werfen lassen.

Arbeiten zu gehen ist ein wesentlicher Bestandteil für ein zufriedenes Leben. Das gilt auch für Menschen mit Behinderung. In der Jugendherberge auf dem Eggenberg, abgelegen im Wald, arbeiten sechs Menschen mit Handicap. Hier arbeiten sie nicht in einer „Sonderwelt“, in der sie von Menschen ohne Behinderung isoliert sind. Ihr Arbeitsplatz ist inklusiv gestaltet. „Bei uns arbeiten alle auf Augenhöhe – die Mitarbeiter mit und ohne Behinderung“, betont Anja Raab, die seit November vergangenen Jahres kommissarisch die Leitung der Jugendherberge übernommen hat.

Daniela Lenzen ist eine der sechs Mitarbeiter mit Behinderung. Die 31-Jährige hat das Down-Syndrom. Seit mittlerweile zehn Jahren arbeitet die junge Frau in Vollzeit in der Jugendherberge. „Mein Job macht mir sehr viel Spaß!“, sagt sie zufrieden. „Ich habe immer etwas zu tun.“

Über den Nettetaler Verein Kindertraum ist Daniela Lenzen an die Arbeitsstelle gekommen. Die Jugendherberge ist einer von vielen Kooperationspartnern des Vereins, der die Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen im Team der Jugendherberge fördert und betreut. „Unser Ziel ist es, dass Menschen mit Handicap am normalen Alltag teilnehmen können“, sagt Daniel van Haperen vom Verein.

Gemüse schnibbeln gehört auch zu Daniela Lenzens Arbeitsalltag. Foto: Simone Krakau

Von Montag bis Freitag bringt Daniela Lenzen „Leben in die Bude“, sagen ihre Kollegen. Ihr Arbeitsalltag gestaltet sich ganz unterschiedlich: „Ich arbeite in der Spülküche, ich helfe beim Gemüse schnibbeln, oder ich bin in der Essensausgabe“, erklärt sie. An einem ruhigen Tag wie heute habe sie häufiger Zeit für eine Tasse Kaffee oder einen Plausch mit den Kollegen, aber sobald sich das Haus fülle und Schulklassen oder Musikgruppen die Zimmer belegen, habe sie wieder alle Hände voll zu tun, so Daniela Lenzen. Am meisten freue sie sich über den Besuch der Dudelsackspieler, die hin und wieder für Workshops in der Jugendherberge einkehren. „Ich liebe Musik!“

Dass sie nur so vor Energie sprüht, merkt man gleich. Daniela Lenzen erzählt gerne, sie könne sich aber auch sehr gut durchsetzen, weiß Anja Raab. „Wenn wir Schulklassen zu Besuch haben und es im Speiseraum drunter und drüber geht, bringt sie die Kinder in kürzester Zeit dazu, sich in einer Reihe aufzustellen, so dass sie das Essen ausgeben kann.„ Daniela Lenzen kann da nur stolz nicken. „Daniela versprüht eine Energie und Freude hier in unserer Jugendherberge – das ist einfach toll.“

Für Anja Raab ist das Zusammenarbeiten mit Behinderten Neuland. „Und wissen Sie was? Es gibt nichts Schöneres“, sagt sie begeistert.

Für den heutigen Sonntag habe das Team eigentlich ein Tag der offenen Tür geplant. Kooperationspartner sollten sich vorstellen, die Jugendherberge wollte das gleiche tun. Vorsorglich wurde die Veranstaltung aufgrund der Verbreitung des Corona-Virus abgesagt. „Gerne hätten wir uns präsentiert, denn oftmals werden wir hier am Rande von Brüggen nicht wahrgenommen“, sagt Anja Raab.