Was Krautiges im Kessel blubbert?

Hermann Giesen aus Lüttelforst bringt pure Natur ins Glas. An den Natur- und Kulturtagen zeigte er Interessierten die Produktion vom Apfel bis zum Kraut. Wir haben den Rentner besucht.

"Wichtig ist, dass man nicht umrührt, sonst setzt das im Kessel an und verbrennt." Hermann Giesen, aus Lüttelforst hat bei seinen Versuchen, ein leckeres Apfelkraut herzustellen, schon viele Erkenntnisse gewonnen. Man müsse den Äpfeln Zeit lassen, die richtige Konsistenz zu erreichen, um sie weiter zu verarbeiten. "Die Äpfel koche ich in einem großen Bottich", sagt er. Das dauere bis zu acht Stunden, je nach Reifegrad. Danach kommen die Gegarten in eine Presse und mit einem Druck von 20 Tonnen entsteht eine breiige Masse, die noch einen hohen Wasseranteil hat. Den gilt es zu reduzieren. Das erreicht Giesen durch einen weiteren Kochvorgang, der wiederum acht Stunden dauern kann.

Im Gegensatz zum ersten Durchlauf ist nun das Rühren der Masse angesagt. "Aber, da kriegste solche Arme bei", so Giesen schmunzelnd - und deutet ein riesiges Muskelpaket an. Dem findigen Rentner fiel dann prompt eine Lösung ein. "Wichtig ist, dass die Masse nicht zu sehr verdichtet. Sie soll sämig bleiben." Über ein Pumpensystem leitet er gefilterte Luft in den Apfelbrei, die dafür sorgt, dass die Masse blubbert und aufschäumt. Eine geniale Lösung und eine von vielen, die er selbst entwickelt hat, damit sein Produkt eine gute Qualität vorweisen kann.

So langsam stellt sich nun die Frage, warum macht Giesen so etwas? "Ich fand es schade, dass so viele Äpfel auf den Streuobstwiesen in der Umgebung einfach vergammelten und keinem Nutzen zugeführt wurden." Er machte sich schlau, hörte nach, ob es alte Rezepte für Apfelkraut gab und entwickelte nach und nach die Arbeitsgänge für die Herstellung. Parallel dazu interessierte ihn die Herstellung von Apfelsaft, die er ebenfalls betreibt. Das fertige Produkt füllt er liebevoll in Gläschen, die er mit einem Etikett versieht, das die Lüttelforster Kirche zeigt: "Lüttelforster Apfelkraut, natürlich ungespritzt." Er verwendet keine Zusatzstoffe "Manchmal etwas Zucker, wenn meine Frau meint, es müsste etwas süßer sein." Allerdings, wenn die Äpfel schön reif sind, kann er auf den Zucker verzichten. Begeistert erzählt Giesen von seiner Arbeit.

Wenn Sie mal zwischen Pannenmühle und der Lüttelforster Mühle unterwegs sind, achten Sie auf die Hausnummer 343. Dort finden Sie das Apfelkraut und wenn sein Erzeuger im Garten ist, wird er Ihnen sicher gerne etwas über die Herstellung erzählen.

(StadtSpiegel)