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Interview mit Paul Christian Küskens von der Kreisbauernschaft.

Thema Trockenheit : Wasser auf heißem Beton

Anfang dieser Woche war es heiß - zu heiß und zu trocken. Die kurzen Regenschauer bringen kaum Abkühlung. Besonders die Bauern der Region ächzen unter der Trockenheit und müssen ihre Felder beregnen. Doch wie steht es tatsächlich um die Landwirtschaft? Werden unsere Sommer heißer? Oder doch nur alles Einbildung?

In dieser Woche kratzen die Temperaturen an der 40-Grad-Marke. Ganz schön heiß für unsere Gefilde - könnte man meinen. Aber ist das wirklich so? Und welche Auswirkungen haben diese Temperaturen vor allem für  die Landwirtschaft?

Darüber sprachen wir mit Paul Christian Küskens. Der 60-jährige Landwirt betreibt nicht nur einen Milchviehbetrieb, sondern ist auch Vorsitzender der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen. Er musste wegen der Trockenheit beim Futteranbau für seine Kühe umsteigen. „Neben Gras und Mais baue ich jetzt auch ein Mais-Bohnen-Gemisch an“, so der Landwirt. Dieser Sommer sei nicht unbedingt heißer als die Jahre zuvor, jedoch habe sich die Niederschlagsmenge verändert. „Auch wenn die Regenmenge der letzten drei Wochen nicht anders war als der Durchschnitt im Vergleich zu den letzten zehn Jahren in diesem Zeitraum, so kann man doch sehen wie der Mais aktuell leidet“, sagt Paul Christian Küskens.

Mit dem Problem stehe er auch nicht alleine da. „Das Problem haben alle Landwirte aktuell.“ Auch wenn man in der Grenzregion - was die Niederschläge betrifft - noch gut da stehen würde, waren viele Niederschlagsmengen in den vergangen Monaten teilweise auch zu viel. Habe es in einigen Wochen zu viel geregnet, sei der Boden jetzt viel zu trocken. „Wenn es jetzt regnet, läuft das Wasser über den Boden ab wie auf heißem Beton“, erklärt er weiter.

Dabei sei gerade die Grenzregion auf gute Wässerung angewiesen. „Darum greifen viele Bauern jetzt auch auf Bewässerungsanlagen zurück. Bei uns im Kreis Viersen wird sehr viel Gemüse und vor allem Kartoffeln angebaut - und gerade die Kartoffeln brauchen eine Beregnungsanlage, wobei die benötigte Menge auch von der Trockenheit abhängt.“

Böse Zungen könnten nun meinen, die Bauern würden für die Bewässerung dem Grundwasserspiegel schaden. Auch hier muss Landwirt Küskens widersprechen. „Jeder Bauer, der eine Beregnungsanlage nutzt, hat dafür einen Brunnen bohren lassen. Und wer einen Brunen haben will, braucht dazu eine Genehmigung von der Unteren Wasserbehörde des Kreises Viersen“, erklärt er. Auch die Bohrtiefe sei dabei ausschlaggebend wie unterschiedlich. „Im Bereich Niederkrüchten liege man zwischen zwölf und 28 Metern, im Bereich Kempen kann man schon bei fünf Metern auf Grundwasser stoßen.“ Küskens nennt Zahlen: „Der Wasserverbrauch deutschlandweit für die Beregnung von Feldern liegt gerade mal bei 1,6 Prozent.“

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Wie wichtig aber Bewässerung für Gemüse, Kartoffeln, Weizen und Getreide sei, zeigt sich vor allem in der Bedeutung unserer Region. „Wir sind das stärkste Kartoffelanbaugebiet im ganzen Rheinland“, so Küskens. Und welche Wassermengen wann und wie gebraucht werden, gibt vor allem die Pflanze vor. „Gut zu erkennen ist das vor allem an Mais“, weiß der versierte Landwirt. „Wenn der Mais die Fahne schiebt, hat er den größten Wasserbedarf - und daran orientieren wir uns.“

Auch wenn wir noch ein „mildes Klima“ haben, „...darf die Klimaerwärmung nicht stärker werden.“ Denn das würde auch die wirtschaftliche Belastung der Betriebe steigen lassen.

Vor allem sei es aber auch der Bürger, der den Landwirten vor gibt, wie zu produzieren ist. „Wir sollen Blühstreifen anlegen - was zu Lasten des Ertrages geht, da uns Ackerflächen fehlen, wir sollen auf Pestizide verzichten, unser technischer Aufwand ist viel größer und teurer und und und...“ - das habe vor allem zur Folge, dass die Betriebskosten steigen. „Über Jahre sind die Produktionskosten gestiegen und wir haben versucht die Preise zu halten - aber irgendwann geht es eben auch nicht mehr.“

Nichts desto trotz stehen auch die Landwirte hinter Natur- und Klimaschutz „Es ist die DNA des Landwirts, unser Interesse einen gesunden Boden weiter zu geben - und das machen wir so gut es geht. Trotz Trockenheit und anderer ökologischer und ökonomischer Schwierigkeiten.“