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JVA Willich I hat einen neuen Beirat

Stadt Willich : Den Insassen zuhören

In derJustizvollzugsanstalt Willich I hat Anfang stattgefunden. Klingt sachlich und nüchtern. Doch dahinter steckt viel mehr.

Anfang dieser Woche hat die konstituierende Sitzung des Beirates der JVA Willich I stattgefunden. Alter und neuer Vorsitzender ist Reinhardt Lüger, sein Stellvertreter ist Guido Görtz. Ebenfalls mit im Beirat sind Heiner Nigemeier (neu), Jan Vander (neu) und Marco Goertz. Im fünfjährigen Rhythmus, der an die Landtagswahlen gekoppelt ist, bildet sich der Beirat neu. Der Beirat besteht aus fünf Mitgliedern, die alle einer Partei (hier 2x CDU, 1x FDP, SPD und GRÜNE) angehören.

Das alles mag sehr nüchtern und trocken klingen, dabei ist die Arbeit des Beirates besonders wichtig - sowohl für die Insassen der JVA als auch die Bediensteten. „Parteipolitik spielt bei uns überhaupt keine Rolle“, sagt Reinhardt Lüger. Im Gegenteil, man arbeite eng zu sammen. Im Fokus stehen die Sorgen und Nöte sowohl von Insassen als auch von den Bediensteten der JVA. In einer monatlichen Sprechstunde können diese ihre Sorgen, Nöte aber auch Anregungen dem Beirat vortragen - alles natürlich immer absolut vertraulich.

Lüger weiß, dass die Probleme in der JVA unterschiedlicher nicht sein könnten. „Wir haben hier Gefangene aus viele Nationen - ob Kroate oder Japaner - und alle haben unterschiedliche Sorgen“, sagt Lüger. Ein Thema in Coronazeiten war nicht nur, dass die Gesundheit der Gefangenen beinahe ignoriert  wurde - Lüger organisierte schließlich den Impfstoff - auch Kontaktbeschränkungen machten den Gefangenen das Leben in der JVA nicht einfach. Besuche von Freunden, Ehepartner, Kindern wurden eingeschränkt „... was für die Insassen nicht einfach war“. Viele Gefangene wünschten sich ein TV-Programm aus ihrer Heimat - auch das Problem wurde gelöst.

„Die Menschen kommen mit unterschiedlichsten Sorgen zu uns. Das können ganz profane Dinge wie Zugang zu Literatur aus dem Heimatland sein bis hin zu juristischen Angelegenheiten - und wir kümmern uns. Immer vertrauensvoll und doch im engen Austausch mit dem Personalrat der JVA“, so Lüger weiter. „Wir hören den Menschen zu und versuchen ihnen zu helfen.“

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Es wurde ein familiengerechter Raum geschaffen, wo Insassen die Partnerin mit Kindern treffen können, ohne das die Kinder den Eindruck eines Gefängnisses bekommen. „Für Kinder von Insassen ist es eh schon schwer, wenn der ‚Papa ein Gefagner‘ ist“, weiß Lüger. „Hier haben wir andere äußere Rahmenbedingungen geschaffen“.

Auch Suizid sei ein großes Thema. Hier habe man Räume mit gegenläufigen Kameras ausgestattet, um im Notfall direkt eingreifen zu können. Kontakt zum Beirat haben die Gefangenen aber nicht nur über die monatliche Sprechstunde, sondern auch über einen Briefkasten. Ganz klassisch können dort Briefe an den Beirat geschrieben und eingeworfen werden. „Dabei wahren wir das Briefgeheimnis absolut“, sagt Lüger. Im Grunde sei man so 24 Stunden sieben Tage die Woche sowohl für die Insassen als auch für die Bediensteten erreichbar.

Der Austausch mit den Gefangenen sei auch ein weiterer Baustein zur Resozialisierung. Ausbildungsmöglichkeiten in der JVA und übergreifende Gespräche mit der IHK oder dem Arbeitsamt sollen helfen, die Gefangenen wieder besser in die Gesellschaft integrieren zu können. Aktuell befasse man sich mit der Ausbildung zum Bäcker und zum Gebäudereiniger.

Sorgen bereitet dem Beirat jedoch der Ausblick auf die Zukunft. Der Umzug von 400 Häftlingen in das neue Haftgebäude (ist für 2024 angesetzt) und eine Verdopplung der Häftlingszahlen auf rund 800 (Ausblick 2027) fällt in die aktuelle Legislaturperiode des Beirates und bringt vor allem personelle Probleme mit sich. „Uns fehlen knapp 120 Mitarbeiter als Vollzugsbeamte und in der Verwaltung. Wir haben einen drigenden Personalbedarf“, bringt es Lüger auf den Punkt. Hier müsse dringend nachgebessert werden.