Die perfekte (Heim-)Hinrunde

Die perfekte (Heim-)Hinrunde

So etwas hat es bei Borussia Mönchengladbach noch nie gegeben: Nach dem Sieg gegen den 1. FC Nürnberg geht die Fohlen-Elf mit einer blütenreinen Weste bei den Heimspielen in das kommende Jahr. Saisonübergreifend war es sogar der elfte Heimsieg in Folge.

Ungeachtet des Spiels in Dortmund (war bei Druck dieser Ausgabe noch nicht beendet) kann man rund um den Borussia-Park mit einem guten Gefühl die Feiertage einläuten.

Es war sicherlich nicht der glanzvollste Sieg, der Borussias Fans zum Heimausklang 2018 beschert wurde. Aber das trübte die Stimmung keineswegs – warum auch. Acht Spiele im Borussia-Park in der aktuellen Saison, acht Siege stehen unter dem Strich auf dem Papier. Sicherlich, mit Nürnberg, Stuttgart, Düsseldorf und Hannover hatten die vor dem letzten Spieltag der Hinrunde schlechtplatziertesten Mannschaften in Mönchengladbach gastiert, schmälern soll das die Leistung aber in keinem Fall. Denn oft sind es eben die Spiele gegen die vermeintlich schwächeren Teams, die in einer Saison darüber entscheiden, wie weit oben man in der Tabelle steht oder eben nicht. Zumal die Borussia gerade im Finale des Jahres wieder von Verletzungspech eingeholt wurde. Stindl, Raffael, Kramer, Hofmann oder Ginther – sie alle standen nicht zur Verfügung.

Sieben Mal hatte die Borussia defensiv die Null gehalten vor dem Dortmund-Spiel, nur in zwei Spielen, beim 2:4 in Berlin und beim 1:3 in Freiburg, hatte es mehr als zwei Gegentore gehagelt. Zu Hause mussten Borussias Fans ohnehin nur drei Mal einen Treffer des Gegners verkraften. Neben Matthias Ginther, der bis zu seiner Verletzung der Ankerpunkt in Borussias Defensive war, entwickelte sich Nico Elvedi zu einem konstanten und spielstarken Nebenmann. Auch Neuzugang Michael Lang und Oscar Wendt trugen maßgeblich zur Stabilität bei.

Doch war es neben der Form der Abwehrspieler die defensive Grundordnung der ganzen Mannschaft, die ausschlaggebend für die defensive Konstanz war. Tobias Strobl beispielsweise, der im neuen, vor der Saison angeordneten 4–3–3, als Abräumer vor der Abwehr viel Druck nahm. Oft wenig spektakulär dafür aber grundsolide verdrängte er sogar Christoph Kramer auf die Bank – im letzten Jahr noch ein Szenario, das als undenkbar galt. Auch die beiden Achter, in den meisten Fällen Neuzugang Florian Neuhaus und Durchstarter Jonas Hofmann, sorgten mir ihrem immer wieder klugen Anlaufen der gegnerischen Abwehr dafür, dass das Spiel oftmals weit weg gehalten wurde vom eigenen Kasten. Und wenn dann doch einmal etwas Richtung Tor kam, war Yann Sommer gewohnt sicherer Rückhalt, viele würden sogar sagen, in dieser Saison sehe man den besten Sommer aller Zeiten.

Dass die Systemumstellung aber nicht nur defensiv neue Stabilität, sondern in der Offensive auch neue Flexibilität brachte, war ebenfalls unübersehbar. Neuzugang Alassane Pléa beispielsweise konnte mit bereits neun Toren die in ihn gesetzten Erwartungen vollends erfüllen, auch wenn er, anders als von vielen vor der Saison gedacht, in erster Linie über die Flügel kam. Thorgan Hazard auf der anderen Seite blühte im neuen System nochmals auf. Mit ebenfalls neun Treffern hat er schon jetzt seine bisherige Bestmarke im Trikot der Borussia aus der letzten Saison (10 Tore) fast erreicht, mit seinen sechs Vorlagen kommt er nach 16 Spieltagen schon auf 15 Scorerpunkte. Kein Wunder also, dass Hazard zum Spekulationsobjekt geworden ist. Bayern München und Borussia Dortmund sollen den Belgier auf dem Zettel haben, zumindest aber bis zum Ende der Saison hat Hazard einen Treueschwur bereits abgegeben.

Der sportliche Erfolg aber hat auch seine Verlierer. Christoph Kramer zum Beispiel, der zum Bankdrücker geworden ist, oder auch der Senkrechtstarter Michael Cuisance, der erst gegen Hoffenheim aufgrund der zahlreichen Ausfälle im Zentrum zu seinem ersten Startelfeinsatz kam. Für Patrick Herrmann reichte es, nach eigentlich gutem Start, zur Mitte der Saison mitunter nicht mal für den Kader, wodurch schon um dessen Verbleib spekuliert und der VfB Stuttgart als möglicher neuer Arbeitsgeber im Winter gehandelt wurde. Doch vor dem Nürnberg-Spiel stellte Manager Max Eberl klar, dass man gewillt sei, mit dem aktuellen Kader durch die Saison zu gehen.

Dass ein Überwintern auf einem Europapokal-Platz keine Garantie dafür ist, dass man sich im Fan-Lager schon auf internationale Reisen in der kommenden Saison einstellen muss, ist logisch. Doch wäre alles andere nach dieser Hinrunde eine Enttäuschung. Nach den Weihnachtsfeiertagen wird Trainer Dieter Hecking daran arbeiten, seine Mannschaft auf diesem Level zu halten und zum Rückrundenauftakt am 19. Januar in Leverkusen die Leistungen zu bestätigen. Mit den Heimspielen gegen Augsburg und Berlin darf man sich sogar berechtigte Hoffnungen machen, die Serie der Heimsiege noch weiter auszubauen – doch ein Selbstläufer wird das nicht. Die Vorfreude aber auf das nächste Heimspiel wird nach dem Sieg gegen Nürnberg bei den Fans sicherlich nicht geschrumpft sein.

(Report Anzeigenblatt)