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Klima-Camp gegen die Kohle

Klima-Camp gegen die Kohle

Ihnen gilt der Braunkohlentagebau als der größte Klima-Killer Europas. Deshalb haben Aktivisten am Rand von Garz weiler II in Kückhoven ein Protest-Camp bis zum 29. August aufgeschlagen. Wir sprachen mit einer Organisatorin.

Die 28-jährige Yanna putzt gerade mit ein paar Mitstreitern die Kompost-Toiletten. Für den Stadt Spiegel nimmt sie sich eine Auszeit und erzählt. Sie ist am Niederrhein aufgewachsen, in Grevenbroich. „Von meinem Kinderzimmer habe ich auf die Kraftwerke gesehen, RWE und der Tagebau gehörten zur Heimat, Fußballclubs wurden gesponsert, Schüler machten dort ihr Praktikum.“ In der Oberstufe erblickt sie zum ersten Mal die Kehrseiten. „Dass Menschen dafür umgesiedelt werden müssen, ja sogar Friedhöfe, das hat mich sehr berührt.“ In der Schule wird der Al-Gore-Film „Eine unbequeme Wahrheit“ über den Klimawandel gezeigt und sie beschließt, nach dem Abitur ein freiwilliges ökologisches Jahr zu absolvieren. Seit 2010 organisiert Yanna Proteste gegen die Umweltverschmutzung. Worum geht es beim Klima-Camp? „Um Aufmerksamkeit für die größte CO²-Quelle Europas.“ Etwa 6 000 Aktivisten aus aller Welt werden bis zum 29. August im Camp am Lahey-Park erwartet, der rund sechs Kilometer Luftlinie vom Tagebau entfernt liegt. „Unser Programm stützt sich auf vier Säulen: Bildung, Vernetzung, alternativ leben, Aktionen.“ Die Vorbildfunktion schwingt immer mit. „Wie kann sich die Welt zum Besseren verändern?“ Auf dem Gelände werden gerade noch drei Windräder installiert. „Ich bin erstaunt und begeistert, wie viele Menschen sich selber weitergebildet haben; wir haben Profis - halt nur ohne Geld und für die gute Sache.“ Sie macht außerdem stolz, dass „die Umweltbewegung stetig wächst.“ Kontakte zu den Menschen werden gesucht und regelmäßige Führungen über das Gelände organisiert. „Letztes Jahr hat uns ein älteres Ehepaar eine Kiste mit Honig geschenkt – eine Kleinigkeit, aber wir haben uns sehr darüber gefreut.“ Auch Yannas Eltern beteiligen sich mittlerweile an Menschenketten. Bis heute läuft das Bildungsprogramm, morgen beginnen die Aktionstage. Ziviler Ungehorsam ist angekündigt.

(StadtSpiegel)