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Nierster Karnevalsgeschichte: Mit ordentlich Dampf in die Zukunft

Nierster Karnevalsgeschichte: Mit ordentlich Dampf in die Zukunft

Der Extra-Tipp Meerbusch berichtet im 111-jährigen Bestehen der KG Kött on Kleen in einer Reihe über die Geschichte des Meerbuscher Traditionsvereins. Jetzt folgt der dritte und letzte Teil.

Bis zum Zweiten Weltkrieg und auch in den ersten Nachkriegsjahren bestand das Vereinsleben im Wesentlichen aus dem Rosenmontagszug, dem abendlichen Wurstessen und dem Altweiberball mit dem abschließenden verbrennen einer Strohpuppe, dem Strohherrmännchen genannt, am Veilchendienstag.

Ab Anfang der 50er Jahre gab es dann auch erstmalig eine Sitzung, ähnlich dem heutigen Stil. Alle diese Veranstaltungen fanden immer im einzigen Saal bei Broich (vorm. Stapper und Winkes) statt. Heute gehört das Gebäude der Familie Kersting, die es zwar weiterhin als Pension, nicht aber mehr als Gaststätte führt.

Da der Saal im Herbst 1956 als Sammelunterkunft für Sowjet-Zonen-Flüchtlinge eingerichtet wurde, stand der Vorstand vor einer schwierigen Situation. Es gab zwei Möglichkeiten: 1. die Veranstaltung in einem beheizbaren Zelt abzuhalten oder 2. die Veranstaltung in einem Saal einer Nachbargemeinde stattfinden zu lassen.

Gott sei Dank entschloss man sich, das Risiko einzugehen und die große Arbeit auf sich zu nehmen, ein beheizbares Zelt aufzustellen. Das Zelt wurde von dem Zeltverleiher Evers in Rheinberg geliehen. Es musste in den ersten Jahren, um Geld zu sparen, von den Vereinsmitgliedern selber in Rheinberg mit Traktoren und Anhängern abgeholt werden.

Als Heizungsanlage diente ein mit Kohle beheizter Kartoffeldämpfer eines Lohnunternehmens. Von der Celluloidfabrik aus Lank würde dann in tagelanger Eigenarbeit geliehene Heizungsrohre installiert, durch die der heiße Dampf ins Zelt geleitet wurde. Diese mühevollen Arbeiten wären heute aus und zeitlichen Gründen durch freiwillige Vereinsmitglieder nicht mehr auszuführen.

Damals war dies nur denkbar, weil die Bauern und Landwirtschaftshelfer zu dieser Zeit des Jahres etwas Zeit hatten und die in der Industrie Beschäftigten bereit waren, für diese Arbeit Urlaub zu nehmen. So konnte man 1957 erstmalig in einem Festzelt von ca. 400 qm die Veranstaltung abhalten. Das Festzelt stand auf „Weyergraf’s Wiese“(links neben dem Lokal zum Hasen).

Durch die trotz der Eigenleistungen hohen finanziellen Belastungen musste man den Mitgliedsbeitrag auf 3 DM pro Jahr erhöhen. Zusätzlich wurde bis 1963 eine Haussammlung durchgeführt und einige Karnevalisten mussten für das Leihen des Zeltes bürgen, sollte der Verein die Gelder nicht aufbringen können. Als Prinz Heinrich Paas dann in das voll besetzte Zelt einzog, waren alle Sorgen und Mühen vergessen und eine neue Epoche des Nierster Karnevals begann.

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Der Zuspruch zu den Veranstaltungen wuchs von Jahr zu Jahr und besonders der 1962 eingeführte Preiskostümball ließ eine Vergrößerung des Zeltes notwendig werden.

Im Jahr 1965, dem Prinzenjahr von Jakob Roos, wurde das Zelt dann auf ca. 600 qm vergrößert.

Im Prinzenjahr von Franz Hölters 1966 wurde das ursprüngliche Holzzelt durch ein Stahlrohrzelt ersetzt. Dadurch wurde beim Einrichten und Abbrechen des Zeltes einige Erleichterungen erzielt, worüber die Mitglieder sehr froh waren.

Denn obwohl der Auf- und Abbau des Zeltes immer mehr in die Regie des Zeltverleihers fiel, mussten immer noch bis zu sechs Personen für diese Arbeiten zur Verfügung gestellt werden.

Als Prinz Hans Wolters 1967 ins Zelt einzog, konnte man den Besuchern durch einen vereinseigenen Heizkessel einheizen und nur ein Teil der Heizungsrohre wurde noch ausgeliehen, da ein Teil bereits vom Verein angeschafft worden war.

1970, das Jahr des Prinzen Willi Schrills, war das Jahr der Standortveränderung des Zeltes, das für ein Jahr auf dem Gelände von Josef Daniels neben der Kirche seinen Platz fand. Da das Gelände abschüssig und normalerweise landwirtschaftlich genutzt wurde, gab es folgende Probleme: Für die Dampfheizung mussten zum Abfluss des Kondenswassers die Rohre mit leichter Neigung verlegt werden.

Ein sehr aufwendiges Unterbauen der Heizungsrohre wurde an diesem Standort nötig. Das Bauen eines Zeltes auf einer Festwiese ist schon eine Kunst, und auf der „Weyergraf’s Wiese“sind nicht nur einmal die Maschinen stecken geblieben und der Tanzboden abgesunken. Auf dem normalen Acker bei Daniels kam es dann speziell auf dem Tanzboden zu katastrophalen Verhältnissen. Der bis heute noch ideale Standort ergab sich dann durch die teilweise Stilllegung des Schulbetriebes auf dem befestigten Schulhof. Der befestigte Untergrund, die geschützte Lage, die vorhandenen Sozial- und Bürgerräume sind optimale Voraussetzungen bei der Standortbestimmung.

Eine Veränderung des Standortes, aus welchen niedrigen Gründen auch immer, sollte mit allen Mitteln vermieden werden.

Weitere Erleichterungen ergaben sich durch die Befeuerung mit Öl, so dass das aufwendige Heizen mit Kohle entfiel. Die durch die vielerlei wegfallende Arbeit frei werdenden Kräfte wurden ab Anfang der 70er Jahre in einen großzügigen Bühnenausbau gesteckt. Dieses Bühnenbild sucht in der gesamten Umgebung seinesgleichen und schmückt jährlich entsprechend dem Motto der Sitzung, so dass die Auftritte des Elferrates und Prinzen am Anfang der Sitzung schon zu einem Höhepunkt werden.

(Report Anzeigenblatt)