: Überreste von sieben Menschen gefunden

Spannend und informativ war der Vortrag des Krefelder Stadtarchäologen Dr. Hans-Peter Schletter in Lank-Latum. Und nein: Ein „Lank-Latumer Massaker“ hat es nicht gegeben.

Georg Neuhausen, Leiter des Forums Orts- und Regionalgeschichte des Heimatkreises Lank, konnte mehr als 60 Gäste in der historischen Mühle begrüßen, die der Einladung zum Vortrag über die Jahrhunderte lange Geschichte von St. Stephanus gefolgt waren.

Dr. Hans-Peter Schletter, heute Stadtarchäologe der Stadt Krefeld, berichtete in seinem rund einstündigen Vortrag über die Grabungen an St. Stephanus, die erstmals im Jahre 2002 gestartet wurden.

„Wie von außen leicht erkennbar, passen Kirchturm und Kirchengebäude von St. Stephanus nicht wirklich zusammen“, sagt Thomas Günther vom Heimatkreis Lank.

„Im Verhältnis zum Gebäude ist der Kirchturm zu klein und eindeutig einer anderen Epoche zu zuordnen.“ Während die heutige Kirche in den Jahren 1841–1844 vom Krefelder Baumeister Heinrich Johann Freyse errichtet wurde, ist der romanische Kirchturm erheblich älter, nämlich bereits aus dem 12. Jahrhundert. Erstmals urkundlich wurde die Lanker Kirche im Jahre 1176 erwähnt. „Aus Überlieferungen und alten Unterlagen war bereits bekannt, dass die ursprüngliche, zum Kirchturm passende Kirche, wie damals üblich, nach Osten hin ausgerichtet war, wohingegen die neue Kirche gen Süden zeigt.“ Ferner sei ebenfalls bereits bekannt gewesen, dass die alte Kirche zu klein und zudem baufällig geworden war, „und von daher ein Neubau beschlossen wurde“.

„Im Jahre 2002, im Rahmen der Kirchturmsanierung, wurde im Rahmen von Probegrabungen der erste archäologische Nachweis der alten Kirche erbracht“, so Thomas Günther.

Im Jahre 2010 erfolgten weitere Sondagen. 2014 wurde schließlich eine umfassende sogenannte „archäologische Sachstandsermittlung“ durchgeführt und ein großer Teil des Grundrisses der alten Kirche freigelegt und dokumentiert. „Da es sich um ein Bodendenkmal handelt und auch weder eine permanente Freilegung noch eine Entfernung der Funde vom Lanker Kirchplatz geplant war, erfolgte lediglich eine sogennante Sachstandsermittlung, die keine vollständige Freilegung der Funde und eben nur eine Dokumentation zum Ziele hat.“ Nach Abschluss seien sämtliche freigelegte Fundamente wieder sachkundig bedeckt und in einer anschließenden Initiative des Heimatkreises in der heutigen Form mittels einer Plattierung optisch sichtbar gemacht worden.

„Die Grabungen an St. Stephanus brachten historisch wertvolle Erkenntnisse zu Tage.“ Zum einen konnten die Umrisse der alten romanischen Kirche, die vom 12. Jahrhundert bis zu ihrem Abriss im Jahre 1845 bestand, festgestellt werden. Des Weiteren ließ sich aber auch eine bauliche Vergrößerung des Chorbereiches am Anfang des 15. Jahrhunderts sowie eine deutliche Erweiterung und ein Neubau der Seitenschiffe im 16. bis 17. Jahrhundert nachweisen.

„Ferner wurden aber auch Fundamentreste einer vorromanischen Saalkirche, in Steinbauweise, wie am Niederrhein bereits üblich, gefunden.“ Lank, welches wohl bereits im Jahre 732 erstmals urkundlich erwähnt wurde, „muss um diese Zeit herum bereits diese erste Kirche besessen haben“.

„Für die Lanker Ortsgeschichte ebenfalls von größtem Interesse sind die bei den Grabungen gefundenen Priestergräber im Chorbereich“, bei denen es sich, mit großer Wahrscheinlichkeit, um die Gräber der Lanker Pastoren Franz W. Mettmann (1721–1754) und Wilhelm Jacobs (1754–1798) handelt. Wilhelm Jacobs ist durch seine erhaltenen historischen Aufzeichnungen und auch durch die nach ihm benannte Lank-Latumer Grundschule auch heute noch ortsweit bekannt.

„Die anwesenden Gäste wurden insbesondere hellhörig, als Schletter über ein weiteres gefundenes Grab berichtete, in dem Überreste von mindestens sieben Menschen zu Tage kamen“, so Thomas Günther. Die Frage einer Zuhörerin, ob es sich hierbei um Opfer eines „Lank-Latumer Massakers“ handelt könnte, konnte Schletter aber verneinen. Bei den vielen Umbauarbeiten an der Kirche waren teilweise Umbettungen von Toten aus dem direkten Umfeld des Kirchengebäudes nötig. „Die Knochen wurden dann platzsparend in ein gemeinsames Grab überführt.“

Georg Neuhausen und die anwesenden Gäste bedankten sich bei Dr. Schletter für einen kurzweiligen und hochinteressanten Ausflug in die Lank-Latumer Kirchengeschichte.