: Schwanger in Covid-Zeiten

Schwanger in Covid-Zeiten: kein Grund zur Sorge. Dr. Harald Lehnen, Chefarzt der Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Elisabeth-Krankenhaus, beruhigt Schwangere, die sich wegen der Covid-Pandemie Sorgen machen.

Wahrscheinlich fragen sich in diesen Wochen viele werdende Mütter: Wie risikoreich ist eine Geburt in Zeiten von Covid 19?

Sie ist genau so wenig ein Risiko wie sonst auch; die Schwangerschaften und Geburten verlaufen in diesen Wochen nicht anders als sonst. Schwangere sind von Covid am wenigsten betroffen. Weltweit sind bisher 80 Fälle von Geburten mit Covid-infizierten Müttern dokumentiert. Und in keinem einzigen Fall hat sich das Virus auf das Neugeborene übertragen.

Und wie viele Schwangere mit Covid haben Sie bisher im Elisabeth-Krankenhaus gehabt?

Keine einzige. Und das, obwohl wir gerade im Moment Rekordzahlen bei den Geburten verzeichnen und unser Einzugsgebiet immer größer wird. Es sieht so aus, als würde 2020 das Jahr mit den meisten Geburten in der Geschichte unseres Krankenhauses. Es wäre aber für uns auch nicht weiter schlimm, wenn eine Schwangere Covid hätte. Wir sind auf solche Fälle vorbereitet. Auch dann würde die Geburt ganz normal verlaufen.

Dürfen die Väter auch in Covid-Zeiten mit in den Kreißsaal?

Das ist übrigens die Frage, die uns gerade durch die Bank alle Schwangeren stellen. Der Vater oder eine andere enge Kontaktperson darf selbstverständlich bei der Geburt mit dabei sein. Es gibt aus unserer Sicht keinen Grund, das anders zu handhaben als sonst. Einzige Voraussetzung: Er darf nicht Covid haben.

Gibt es bei Risiko-Schwangerschaften jetzt mehr Kaiserschnitte als sonst?

Nein. Auch da gilt: Es läuft alles wie immer ab, egal welche Vorgeschichte oder Erkrankungen die Mutter hat. Covid hat auf die Zahl der Kaiserschnitte keinerlei Einfluss.

Einige Schwangere wollen nach der Geburt so schnell wie möglich aus dem Krankenhaus, aktuell wohl auch aus Sorge vor Covid. Ist das eine gute Idee?

Wir empfehlen das nicht und raten in der aktuellen Situation beim ersten Kind davon ab. Denn in den ersten Tagen nach der Geburt gibt es für die Mütter einiges zu tun. Die erste Untersuchung des Neugeborenen steht an. Außerdem tut vielen in den ersten Tagen Unterstützung beim Umgang mit ihrem Säugling gut. Es ist aufgrund der aktuellen Lage im Moment schwieriger als sonst eine Hebamme zu finden, die für die Nachbetreuung zu den Familien nach Hause kommt. Darum rate ich den Müttern, all das hier in Ruhe im Krankenhaus mit unserer Hilfe anzugehen. Dann haben sie daheim nicht den unnötigen Stress, sofort wieder aus dem Haus zu müssen.

Kann denn der Vater die ersten Tage mit Mutter und Kind im Krankenhaus verbringen?

Das geht in unseren Familienzimmern wie sonst auch – mit einer kleinen Einschränkung: Wer einmal in der Klinik ist, darf nicht wie sonst raus und wieder rein. Das ist eine der Sicherheitsmaßnahmen aufgrund von Covid, genau wie das Tragen eines Mundschutzes.

Was ist mit Besuch von Verwandten?

Der muss warten, bis die Mutter wieder zu Hause ist. Wir lassen in diesen Wochen einen Besucher pro Mutter zu. Wer die Frau bei der Geburt begleitet hat, ist automatisch dieser eine Besucher. Das ist tatsächlich der markanteste Unterschied zu anderen Zeiten. In allen anderen Punkten ist mein Rat für alle Schwangeren: Machen Sie sich keine Sorgen, die sind trotz Covid überflüssig.