: Am ZOB scheiden sich die Geister

Am Busbahnhof in Mönchengladbach scheiden sich die Geister: Fast 50 Bürger haben ihr Recht wahrgenommen, Einwände gegen die Baupläne vor dem Hauptbahnhof einzureichen. Dass schon vor deren Auswertung erste Grundstücks-Verkaufsverhandlungen zwischen EWMG und Investor stattfinden sollen, finden die Grünen „respektlos“. Sie haben eine Sondersitzung des Rates gefordert, die nun am Montag stattfindet.

Wenn allüberall von Verkehrswende gesprochen wird, ist es dann nicht fragwürdig, aus dem jetzigen ZOB (Zentralen Omnibus Bahnhof) vor dem Hauptbahnhof ein abgespecktes ZÖBchen zu machen (Extra-Tipp berichtete)? Das zumindest fragen sich viele Bürger und 49 von ihnen haben entsprechend Einwände gegen die Pläne zum Entwurf „19 Häuser“ eingereicht. Die Frist für diese Einwände ist am Freitag, 24. Januar, abgelaufen. Ausgewertet ist noch nichts, aber am 11. Februar schon, soll es erste Gespräche zum Grundstücksverkauf zwischen der städtischen Entwicklungsgesellschaft (EWMG) und dem Investor, der bema Gruppe, geben. „Da werden Fakten geschaffen, die nachher irreversibel sind“, sagt Grünen-Politiker Dr. Boris Wolkowski. Auch Fraktionsvorsitzender Karl Sasserath ist entsetzt über die Eile, mit der gehandelt werden soll. „Das ist der Punkt mit der höchsten Frequenz in Mönchengladbach“, sagt er, da müsse so drüber diskutiert werden, dass die Bürger sagen könnten, dass das Neue besser sei, als das, was da sei. Wenn Bürger sich die Mühe machten, eine Einwendung zu schreiben, solle man damit mit Respekt umgehen. Es gehe nicht darum, eins zu eins umzusetzen, was eingereicht würde, aber es müsse sorgsam der Wille des Investors mit der öffentlichen Meinung abgewogen werden. Die anberaumte öffentliche Diskussion am 17. März halte er für überflüssig, wenn Grundstücke vorher bereits veräußert worden seien.

Sollte die Kritik erheblich sein, dann müsse die Stadt die Grundstücke am Ende, seien sie denn bereits an den Investor verkauft, zurück kaufen, so Wolkowski, ein unkalkulierbares finanzielles Risiko.

Der Forderung, vor den Verkaufsgesprächen noch eine Ratssondersitzung einzuberufen, hat Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners am Dienstag bereits entsprochen. Sie findet am Montag, 10. Februar, um 16 Uhr im Rathaus Rheydt statt.

SPD-Fraktionsvorsitzender Felix Heinrichs hat als Vertreter der Großen Koalition (GroKo) auf die Vorwürfe inzwischen reagiert. Der Termin mit dem Investor sei schon länger veröffentlicht und die Veräußerung städtischer Grundstücke bedürfe sowieso der Zustimmung des Rates, so Heinrichs. „Ich verstehe natürlich, dass viele Menschen sehr kritisch auf die Pläne schauen. Immerhin will jeder schnell von A nach B kommen und nicht erst lange suchen müssen, wo der nächste Bus steht“, sagt er. Er wirbt aber auch dafür, das Projekt als Chance zu sehen.