: Die Menschen brauchen mehr Hilfe

Die Coronakrise hinterlässt Spuren. Arme und wohnungslose Menschen sind besonders betroffen, aber auch der Mittelstand droht zunehmend in die Armutsspirale zu geraten. Caritasverband, Verein Wohlfahrt und SKM stehen den Betroffenen zur Seite.

Steigende Infektionszahlen, verschärfte Corona-Regeln – der Caritasverband Region Mönchengladbach, der Verein Wohlfahrt und der SKM - Katholischer Verein für soziale Dienste in Rheydt blicken sorgenvoll in die Zukunft. Anlässlich der „Armutswochen“ der Caritas, die noch bis Mitte November laufen, stellen alle drei Organisationen übereinstimmend fest: Immer mehr Mönchengladbacher geraten in der Coronazeit in schwierige Lebenssituationen und benötigen Hilfe.

Kurzarbeit, Insolvenz, Jobverlust – „die Pandemie führt viele Haushalte in die Verschuldung“, hat Hildegard van de Braak, Leiterin des Bereichs Soziales und Familie beim Caritasverband, festgestellt. Etwa zehn Anfragen pro Woche gehen aktuell bei der Schuldner- und Sozialberatung der Caritas ein, in „normalen“ Zeiten sind es durchschnittlich zwei bis vier. „Die Ersparnisse sind weg, Kredite können nicht mehr bedient, Rechnungen nicht mehr bezahlt werden“, berichtet Hildegard van de Braak. Besonders betroffen seien ältere Menschen mit kleinen Renten, Familien mit Kindern und Migranten, „aber auch der Mittelstand wankt“. Sie geht davon aus, dass der Beratungsbedarf noch einmal zunehmen wird, deshalb will der Caritasverband sein Angebot noch einmal verstärken und in die Online-Beratung einsteigen.

Arbeiten unter erschwerten Bedingungen, davon kann Martin Dalz, Geschäftsführer des Vereins Wohlfahrt, ein Lied singen. Im Tagestreff Bruno-Lelieveld-Haus für Arme und Wohnungslose (Erzbergerstraße 8) dürfen sich aktuell nicht mehr als 15 Personen gleichzeitig aufhalten, dabei gab es im letzten Quartal durchschnittlich 67 Besucher pro Tag. „Wir haben die Zahl der Sitzplätze reduziert und geben Essen nur im Schichtsystem aus“, beschreibt Dalz die getroffenen Maßnahmen. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Stadt hätten sowohl der Tagestreff als auch die stationäre Einrichtung Anna-Schiller-Haus während des Lockdowns geöffnet bleiben können. „Wir müssen gucken, dass das auch so bleibt. Wenn wir zumachen müssen, gibt es für Arme und Wohnungslose gar nichts mehr“, betont Dalz.

Nachdenklich stimmt den Wohlfahrt-Geschäftsführer, dass den Verein inzwischen weniger Spenden erreichen. „Gerade mit Blick auf den Herbst und Winter benötigen wir dringend Geld- und Sachspenden, um den Menschen helfen zu können.“

Ähnliche Sorgen plagen auch Norbert Schoeller, Geschäftsführer des SKM. 3266 Lebensmittel-Tüten hat der Verein bislang über sein „Gabenfenster“ auf der Waisenhausstraße in Rheydt an Bedürftige verteilt, dafür hatte die Aktion Mensch rund 55000 Euro zur Verfügung gestellt. „Ende Oktober geht uns das Geld aus und wir wissen noch nicht, wie wir diese Hilfe weiter gestalten können“, sagt Schoeller.

„Für unser Klientel wird es immer schwieriger, bezahlbare Wohnungen auf dem Markt zu finden“, weiß Schoeller. Deshalb bietet der SKM genauso wie der Caritasverband und der Verein Wohlfahrt als Kooperationspartner sogenannte „Housing-First“-Wohnungen in Mönchengladbach an. Dabei bekommen wohnungslose Menschen eine eigene Wohnung. Dank des Engagements der drei Organisationen ist Mönchengladbach einer der führenden „Housing-First“-Städte in NRW.