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Im Volksbad in Mönchengladbach ist auch in den Sommerferien wenig los

Im Volksbad wird das Badevolk knapp – wegen der Preise? : Suchen Sie die Badegäste!

„Sie werden danach sprudeln vor Begeisterung“, wirbt die NEW für das Volksbad. Aktuell sprudeln die Badegäste aber nicht, sie schäumen eher über vor Wut auf die Eintrittspreise. Viele kommen nicht mehr. Selbst an sonnigen Ferientagen ist das schöne Bad oft nahezu leer. Der Extra-Tipp hat sich mal umgehört...

Acht Euro kostet ein Ticket für das Volksbad, 5,50 Euro für Kids ab sechs Jahren – das ist mehr als in anderen Städten bundesweit. Zum Vergleich: Im Prinzregentenbad in München, der teuersten Stadt Deutschlands, zahlen Erwachsene fünf Euro, Kinder bis 12 Jahre haben freien Eintritt. Am Freibad Hangeweiher in Aachen kostet das Ticket für Erwachsene 3,50 Euro, das für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren 2,30 Euro.

Dennoch sagt die NEW: „Im Vergleich zu Freibädern in anderen Städten sind wir nicht teurer. Wir bieten beispielsweise ein Familienticket an, welches für das lange Zeitfenster im Volksbad, von 12 bis 19 Uhr, 17,50 Euro kostet. Das Ticket gilt für bis zu fünf Personen, darunter dürfen höchstens zwei Erwachsene sein.“

Ob dieses reine Familienangebot in Anbetracht der unsicheren Wetterlage ausreicht, ist fraglich. Wer als Einzelschwimmer oder Paar spontan ein kurzes Hoch nutzen und für ein, zwei Stunden schwimmen gehen will, zahlt jedenfalls den vollen Preis. Und der ist nicht die einzige Hürde, die man für den Sprung ins kühle Nass in Kauf nehmen muss. Denn Eintrittskarten gibt es nicht wie früher am Eingang, sondern nur bis zu drei Tage vorher online oder in einem der NEW mobil KundenCenter (am Europaplatz, am Marienplatz in Rheydt oder am Stadthaus in Viersen). Die Spontaneität ist da ziemlich ausgebremst. Und: Wer die Tickets gekauft hat, kann sie nicht zurückgeben, selbst wenn’s stürmt und wie aus Eimern regnet.

Die NEW rechtfertigt ihre „Corona-Strategie: „Spielt das Wetter mit, ist das zur Verfügung stehende Kontingent für das Volksbad regelmäßig fast komplett ausgebucht.“ Einen Vergleich mit den Besucherzahlen 2019 scheut die NEW aber – zum einen, weil es vor zwei Jahren keine Pandemie-Einschränkungen gegeben habe, zum anderen, weil die Wetterbedingungen andere gewesen seien. 2019 haben laut NEW etwa 76 000 Menschen das Volksbad besucht. In dieser Saison liege die Zahl deutlich darunter.

Aktuell scheint selbst an sonnigen Tagen oft gähnende Leere zu herrschen – trotz Sommerferien und Daheimgebliebener. Einer der Badegäste, Michael K.*, hat an einem sonnigen Julitag einmal vor Ort die konkrete Besucherzahl angefragt. 87 für die Zeitspanne von 12 bis 19 Uhr, plus 44 zum ermäßigten 17-Uhr-Eintrittspreis, das sind 131 – und das bei einer maximalen Besucherzahl von 750.

 „Wenn man Bahnen schwimmen und seine Ruhe haben will, ist das vielleicht gut“, sagt Michael K.*, „aber acht Euro Eintritt ist einfach zu teuer, zumal man beim Ticketkaufen jedesmal riskiert, dass das Wetter doch zu schlecht ist. Ich treffe auch kaum noch Bekannte – und die waren früher fast jeden Tag hier.“

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Auch andere Besucher berichten von menschenleeren Liegewiesen, allzu freier Bahn in den Schwimmbecken – und gesalzenen Preisen. „Acht Euro, das ist schon extrem“, sagt Tim E.* und erinnert sich an Zeiten, in denen er für fünf Euro schwimmen war. Für ihn ein Grund, nicht mehr so oft zu kommen. Denise F.* findet den Familientarif gut, ärgert sich aber darüber, dass man bei der E-Ticket-Bestellung nicht dahin geführt wird. Sie hat daher für sich und drei Kinder 24,50 Euro gezahlt. Auch Manfred B.*, begeisterter Schwimmer und echter Volksbad-Fan, kennt „einige Leute, die wegen der Online-Bucherei nicht mehr kommen“. Er findet: „Es ist schade! Das ist ein sensationell schönes Schwimmbad hier, für Schwimmer ideal, das Personal ist super, alles supersauber... Aber eben zu teuer. Das sieht man auch daran, wie viele bis 17 Uhr warten, um drei Euro zu sparen. Viele fahren auch lieber zum Kaarster See, da kann man für vier Euro bis halb neun schwimmen.“

Auf www.schwimmbadcheck.de kommt das Volksbad in den aktuellen Bewertungen ebenfalls nicht gut weg. „Vielleicht eines der teuersten Bäder Deutschlands“, schreibt eine Besucher unter dem Pseudonym Corrado C. in seiner Bewertung vom 22. Juli. Sogar von „Abzocke“ ist die Rede. Bert S.’* Kritik wenige Tage später geht ins Detail: „Schönes Schwimmbad, für Sportschwimmer stehen sechs 50-Meter-Bahnen zur Verfügung, für Kinder ein schönes Kinderbecken. (...) Ein Skandal ist der Eintrittspreis von acht Euro, das verleitet vor allem Familien, in das drei Euro preiswertere Vitus Hallenbad zu gehen, obwohl die Corona-Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen deutlich höher ist.“

Letztere Kritik weist die NEW zurück: „Die Schwimmer*innen halten sich in den allermeisten Fällen vorbildlich an die Regeln, insbesondere an die einzuhaltenden Abstände. Den Vorwurf einer höheren Ansteckungsgefahr in unseren Hallenbädern dementieren wir ausdrücklich.“

Dass nun auch noch das Schlossbad in der zweiten Fereinhälfte zu bleibt, macht die allgemeine Bade-Lage nicht besser. Alternativ gibt es zwar inzwischen ein zusätzliches Zeitfenster im Volksbad von 9.30 bis 11.30 Uhr, aber das nur mit einem geöffneten Sportbecken und von daher nicht sehr familienorientiert.

Die NEW hält an ihrem Konzept fest. „Von den Besucher*innen erhalten wir sehr positives Feedback bezüglich der getroffenen Corona-Schutzmaßnahmen“, so die NEW-Pressestelle.

*Namen sind der Redaktion bekannt