: Kein Grund zum Schämen

Die Tiertafel rundet: Seit zehn Jahren holen sich bis zu 100 Tierbesitzer, bei denen die Finanzen knapp sind, jeden Monat Futterspenden dort ab. Die Hilfe anzunehmen, ist für viele erstmal eine Hürde.

. Wenn Walter Meurers zwei Stunden vor Öffnung der Futterausgabe zur Tiertafel kommt, um vor dem großen Ansturm noch ein bisschen zu kramen, dann sind oft schon die ersten Kunden da. Nicht weil sie ganz vorne in der Schlange stehen wollen, sondern einfach, weil die Tiertafel über die Jahre auch zu einem beliebten Treff geworden ist. „Wir sind auch ein bisschen Seelsorger“, sagt Ehrenamtler Christoph Mohnen.

Immer am zweiten Samstag im Monat gibt die Tiertafel (Tomper Straße 174) Futterspenden und Kastrationsgutscheine an Menschen ab, bei denen das Geld knapp ist. „Viele schämen sich, wenn sie das erste Mal her kommen“, sagt Walter Meurers, zweiter Vorsitzender des Vereins. Aber wenn sie dann mit den anderen ins Gespräch kommen und merken, dass alle ähnliche Probleme haben, fühlen sie sich schnell besser.

Finanziert wird die Tiertafel aus Spenden und den Einnahmen des Trödellädchens und der Kleiderstube an der selben Adresse.

„Wir helfen Tierbesitzern mit kleinem Einkommen“, sagt Tiertafel-Vorsitzende Michaele Schommertz, die Neuanschaffung weiterer Tiere unterstütze die Tiertafel allerdings nicht.

Vor zehn Jahren hat die Tiertafel mit Hilfe des verstorbenen Matthias Pescher auf dem Pescherhof ihre Arbeit aufgenommen.

Seitdem kommen an jedem zweiten Samstag im Monat zwischen 80 und 100 Tierbesitzer hier an, um sich Futterunterstützung zu holen. „Die Leute kommen bei jedem Wetter. Wir haben sogar einen Vorrat an Regenschirmen, damit bei schlechtem Wetter keine nass wird“, sagt Michaele Schommertz. Und auch sonst versuchen die Vereinsmitglieder, es den Kunden so schön wie möglich zu machen. „Seit einiger Zeit geben wir Nummern aus, damit die Leute nicht die ganze Zeit in der Schlange ausharren müssen“, sagt Christoph Mohnen, der bei der Tiertafel das Büro macht und Renten und Hartz IV-Bescheinigungen kontrolliert. Bis sie aufgerufen werden, können die Kunden sich dann die Zeit bei einem Pläuschchen, in der Kleiderstube oder im Trödellädchen vertreiben. Dort bekommt man vom Strampler über Geschirr und Spielzeug bis zum Tierzubehör fast alles. „Und nirgends so preisgünstig wie bei uns“, sagt Irmgard Verbeek, die das Kleiderlädchen betreut.

Gut erhaltenen Trödel und saubere gut erhaltene Kleidung nimmt die Tiertafel übrigens jeden Samstag für ihre Secondhand-Läden an. Überschüsse gehen ans Frauenhaus, an Flüchtlinge und Projekte im Ausland. „Wir treiben hier keinen Kommerz“, sagt Irmgard Verbeek. Weniger schön sei allerdings, dass seit der neuen Müllgebühren-Verordnung immer mehr Zeitgenossen bei ihnen richtigen Müll abladen würden, ärgert sich Walter Meurers. Da erlebe man sein blaues Wunder, wenn man die Kartons öffne.

Aus dem Erlös werden jeden Monat Futterspenden für rund 200 Katzen, 80 Hunde und 20 Nagetiere ausgegeben. In den zehn Jahren hat der Verein Tiertafel die Kastration von rund 3000 Katzen finanziert, davon 1400 weibliche und damit Tausende von herrenlosen Streunerkatzenbabys verhindert.

Der runde Geburtstag soll am 1. September von 11 bis 16 Uhr mit Kaffeetafel, Grillwürstchen und Angeboten aus allen Abteilungen der Tiertafel gefeiert werden.